Anzeige
Anzeige
25. März 2013, 10:04
Teilen bei: Ihren XING-Kontakten zeigen | Ihren XING-Kontakten zeigen

Sinn und Unsinn energetischer Sanierungsmaßnahmen

Mit der erneuten Verschärfung der Energieeinsparverordnung (EnEv) erhöht die Bundesregierung weiter die Belastung der Immobiliennutzer. In Zeiten allgemein steigenden Wohnkosten stellt sich immer mehr die Frage nach Sinnhaftigkeit und Bezahlbarkeit. Die Kiefer-Kolumne

Immobilienscout-Kiefer in Sinn und Unsinn energetischer Sanierungsmaßnahmen

Michael Kiefer, Immobilienscout24

Durch die Erhöhung der Anforderungen an die energetische Qualität sind die Baukosten enorm gestiegen. Dies zeigt auch der Baupreisindex des Statistischen Bundesamts, der seit dem Jahr 2000 eine Kostensteigerung für Einfamilienhäuser von rund 20 Prozent dokumentiert. Sicher ist diese enorme Teuerung nicht allein den gestiegenen energetischen Anforderungen geschuldet, ein wesentlicher Beitrag hierzu ist jedoch zu vermuten.

Wer trägt die Kosten?

Soviel ist klar: Die energetische Sanierung kostet Geld – viel Geld. Und irgendjemand muss die Zeche zahlen. Der Gesetzgeber ist weder bereit noch in der Lage, durch Fördermittel und Steuererleichterungen die gesamte Energiewende zu finanzieren. Es bleiben also nur Eigentümer und Mieter. In Zeiten steigender Mieten erscheint die Umlage auf die Mieter immer schwieriger. Am Ende des Tages wird also der Großteil der Last wohl bei den Immobilieneigentümern hängen bleiben. Die Überlegung, den Mieter zumindest in Höhe der tatsächlichen Energiekostenersparnis an der Investition der Sanierung zu beteiligen, ist jedoch nach wie vor richtig. Ob die dafür vorgesehenen Regelungen im aktuellen Mietrecht dazu geeignet sind, bleibt allerdings zu bezweifeln.

Grenzen der sinnvollen Gebäudedämmung

Kritisch zu sehen ist auch die Vorgehensweise des Gesetzgebers, die hoch gesteckten Ziele durch stetig steigende Anforderungen an die Gebäudedämmung zu erreichen. Irgendwann ist einfach Schuss mit dem Anbringen von immer dickeren Dämmplatten und noch dichteren Fenstern. Denn die Kosten hierfür stehen in keinem Verhältnis mehr zur tatsächlichen Ersparnis.

Mit Nachhaltigkeit hat dies nichts mehr zu tun. Denn was passiert, wenn die Gebäude und die kubikmeterweise aufgebrachten Dämmplatten abgerissen werden müssen? Das Dämmmaterial ist als Sondermüll zu entsorgen und die Trennung zwischen Mauerwerk und Dämmung ist sehr schwierig bis unmöglich. Hier produzieren wir derzeit ein großes Problem, welches wir unseren Nachkommen hinterlassen.

Sinnvolle Maßnahmen durchführen

Es gibt jedoch durchaus auch Maßnahmen, die unbedingt Sinn machen. So ist beispielsweise der Austausch einer veralteten Ölheizung in jedem Fall nicht nur energetisch sinnvoll, sondern auch höchst wirtschaftlich. Auch einzelne Dämmmaßnahmen, wie die Dämmung von Kellerdecke und oberster Geschoßdecke, sind meist kostengünstig durchzuführen und rechnen sich.

Fachgerechte Planung und Durchführung

Bei der energetischen Gebäudesanierung sind die gesamtheitliche Planung durch einen Fachmann und die fachgerechte Ausführung entscheidend. Nicht selten kommt es nach der unkoordinierten Dämmung von Fassade und Fenstern zu Schimmelproblemen. Auch die nicht fachgerechte Durchführung einzelner Maßnahmen hat schon oft zu Problemen geführt. Ein gesamtheitlicher Ansatz ist gefragt. Es macht keinen Sinn, wenn die frisch modernisierte Heizungsanlage für das neu gedämmte Gebäude im Nachhinein völlig überdimensioniert und damit ineffizient wird.

Förderung mit dem Gießkannensystem

Die Unterstützung des Staats zur Umsetzung der notwenigen Maßnahmen ist ineffizient. Zwar gibt es jede Menge Fördermöglichkeiten, den speziellen Bedürfnissen des regional höchst unterschiedlichen Immobilienbestandes trägt dieses Fördersystem jedoch nicht Rechnung. So werden zum Beispiel in München oder Hamburg mit ihren starken Immobilienmärkten die vorhanden Fördermöglichkeiten gerne in Anspruch genommen, obwohl diese eigentlich nicht notwendig wären – denn modernisiert wird dort sowieso. In den schwächeren Immobilienmärkten ist die Förderung dagegen meist nicht ausreichend, um dringend notwendige Maßnahmen durchführen zu können. Daran wird deutlich, dass das Gießkannenprinzip nicht funktioniert und trotz hohem Aufwand zu wenig erreicht wird.

Energieeinsparung als gesellschaftliche Aufgabe

Energieeinsparung ist eine der wichtigsten Herausforderung unserer Tage. Der Energieverbrauch muss in jedem Fall reduziert werden. Wer aber in Zeiten klammer Kassen effizient sein will, sollte überlegt und kosteneffizient handeln. Nur die ständige Verschärfung der Vorschriften allein bringt sicher nicht den gewünschten Erfolgt. Bleibt zu hoffen, dass der Gesetzgeber die Komplexität des Themas erkennt und zukünftig mit mehr Feingefühl, Sachverstand und Realitätsnähe an das Thema herangeht.

Autor Michael Kiefer ist Chefanalyst bei Immobilienscout24. Er ist öffentlich bestellter und vereidigter Sachverständiger für Immobilienbewertung und Mitglied der Royal Institution of Chartered Surveyors (Frics). Seit Februar 2013 ist er zudem Mitglied im Rat der Weisen der Immobilienwirtschaft.

 

Anzeige

1 Kommentar

  1. Am Schluß zählt nur der Rechenstift; für Privatleute wird die EU/EZB usf nicht so einspringen wie für leichtfertige Staaten

    Kommentar von Schwarz Hannes — 26. März 2013 @ 18:27

Ihre Meinung



Cash.Aktuell

Cash. 4/2017

Inhaltsverzeichnis Einzelausgabe bestellen Cash. abonnieren

Themen der Ausgabe:

Tech-Aktien – Fondspolicen – Baufinanzierung – Frauen in der Finanzberatung

Ab dem 16. März im Handel.

Cash. 3/2017

Inhaltsverzeichnis Einzelausgabe bestellen Cash. abonnieren

Themen der Ausgabe:

Pflegevorsorge - Small Caps - Zinshäuser - Digitalisierung - Honorarberatung - Leadsgewinnung - Nachfolge-Planung

Versicherungen

Elternunterhalt: Betreuungsleistung nicht einkommensmindernd

Im Rahmen einer Überprüfung der Leistungsfähigkeit für den Elternunterhalt ist die vom Unterhaltsschuldner an sein minderjähriges Kind geleistete Betreuung nicht zu monetarisieren und kann somit nicht einkommensmindernd geltend gemacht werden, so der BGH.

mehr ...

Immobilien

Die Top Sechs der teuersten und günstigsten Studentenstädte

Nicht alle Studenten leben gerne in WGs, in einigen Hochschulstädten ist das Leben ohne Mitbewohner aber besonders teuer. Immowelt hat untersucht, wo Studenten am teuersten wohnen und in welchen Städten die Mieten besonders niedrig sind.

mehr ...

Investmentfonds

Banken leihen sich von EZB 233,5 Milliarden Euro

Die europäischen Kreditinstitute haben vorerst die letzte Gelegenheit sehr stark genutzt, um sich zum Nullzins Kredite von der EZB zu besorgen. Auch in der Eurozone verdichten sich mittlerweile die Anzeichen für einen strafferen Notenbankkurs.

mehr ...

Berater

Sparkassen im Norden forcieren Online-Banking

Trotz wachsender Belastungen durch die Niedrigzinsen haben die Sparkassen in Schleswig-Holstein 2016 ihren Jahresüberschuss nach Steuern auf 143,2 Millionen Euro steigern können. Das teilt der Sparkassen- und Giroverband für Schleswig-Holstein mit. Um sinkenden Erträgen entgegenzuwirken, wollen die Sparkassen ihr digitales Angebots ausbauen.

mehr ...

Sachwertanlagen

US-Justiz ermittelt gegen Hapag-Lloyd und Møller-Maersk

Sprechen die großen Reedereien im Hinterzimmer ihre Preise ab? US-Behörden haben eine Untersuchung gegen die Branche eingeleitet. Stellung nehmen soll auch der deutsche Container-Riese Hapag Lloyd.

mehr ...

Recht

LV-Vertrag: Bei Änderung Steuerlast wie bei Neuabschluss

Wird ein Lebensversicherungsvertrag (LV-Vertrag) vor Ablauf der Vertragslaufzeit geändert, ohne dass die Modifikation von vornherein vertraglich vereinbart worden ist, liegt hinsichtlich der Änderungen aus ertragsteuerlicher Perspektive ein neuer Vertrag vor. Dies entschied der Bundesfinanzhof.

mehr ...