8. April 2013, 13:38
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Stiftungen investieren verstärkt in deutsche Immobilien

Deutsche Stiftungen setzen zunehmend auf den heimischen Immobilienmarkt, so eine Marktstudie von Famos Immobilien. Während der Aspekt des Inflationsschutzes dabei an erster Stelle stehe, spiele auch das Thema Nachhaltigkeit eine entscheidende Rolle.

Investitionsverhalten von StiftungenRund 100 Milliarden Euro werden in deutschen Stiftungen verwaltet. Um ihr Kapital zu erhalten und einen regelmäßigem Mittelzufluss zu gewährleisten, haben diese in den vergangenen Jahren vielfach auf festverzinsliche Wertpapiere gesetzt, so die Studie. Die anhaltende Niedrigzinsphase lasse die Einnahmen aus dem Kapitalstock jedoch erheblich schrumpfen. Da kein Ende der Euro-Schuldenkrise und des Krisen-Modus auf dem Geldmarkt in Sicht sei, suchten Stiftungen neue Wege der Finanzierung und der langfristig sicheren Anlage.

Zu welchen Lösungen sie dabei kommen, analysiert eine aktuelle Studie der Famos Immobilien GmbH, einem Multi Family Office für Immobilienvermögen. Wichtigstes Ergebnis: Der deutsche Immobilienmarkt rückt zunehmend in den Fokus der Stiftungen, die ihr Engagement in diesem Asset-Bereich künftig noch weiter ausbauen wollen.

Grundlage der Studienergebnisse ist einer repräsentative Umfrage, die das Frankfurter Beratungsunternehmen Family Office Consulting im Auftrag von Famos Immobilien bei 50 Stiftungen durchgeführt hat – jeweils zur Hälfte Familienstiftungen und gemeinnützige Stiftungen. Befragt wurden Stiftungen mit einem verwalteten Vermögen von durchschnittlich rund 170 Millionen Euro.

Hohe Immobilienaffinität bei Familienstiftungen

Insgesamt 70 Prozent der Stiftungen bewerten in der Studie Immobilienanlagen als attraktiv. Dabei gelte: Familienstiftungen sind eher für Immobilien zu begeistern als gemeinnützige Stiftungen, und je größer das verwaltete Vermögen, desto höher die Bereitschaft, sich für Immobilienanlagen zu öffnen. Die Familienstiftungen haben nach Aussage der Studie bereits rund 42 Prozent ihres Vermögens in Immobilienanlagen investiert, 90 Prozent davon in direkten Immobilieninvestments. Die Immobilienanlagen hätten damit eine fast doppelt so hohe Bedeutung wie Renten, Geldmarktoder andere Cash-Produkte.

Etwas anders stelle sich das Bild bei den gemeinnützigen Stiftungen dar: Dort sei bislang rund ein Drittel des Kapitalstocks in Immobilienanlagen gebunden, und die Immobilieninvestitionen seien fast gleichmäßig auf direkte und indirekte Investitionen verteilt.

Die Studie schlüsselt die Immobilieninvestments der Stiftungen weiter auf und zeigt, dass die Familienstiftungen vor allem im Segment der Wohnimmobilien engagiert sind – diese machten 56 Prozent des Portfolios bei Immobilienanlagen aus. Auch gemeinnützige Stiftungen präferierten Wohnimmobilien, investierten im Gegensatz zu Familienstiftungen aber auch verstärkt in Gewerbeimmobilien. Für alle Stiftungen gelte: Es gibt eine klare Fokussierung auf den deutschen Immobilienmarkt, und auch im Immobiliensektor handeln die Stiftungen risikoavers, indem sie bereits fertiggestellte Core-Immobilien bevorzugen.

Inflationsschutz wichtigstes Motiv

Oberstes Ziel der Immobilienanlagen der Stiftungen ist den Ergebnissen der Studie zufolge der Inflationsschutz, den 70 Prozent der Befragten nannten, gefolgt von den Motiven „laufende Cash Flows”, „Optimierung der Portfoliorendite” und „Nachhaltigkeit”. Diese Kriterien seien von zwei Dritteln der Stiftungen genannt worden.

„Das Thema Nachhaltigkeit steht noch vor der Optimierung der Eigenkapitalverzinsung und der Sicherungsvermögensfähigkeit der Anlage, da bei über der Hälfte der von uns befragten Stiftungen spezifische Anlagerichtlinien für ethisch, ökologisch und sozial verantwortliche Anlagen gelten – insbesondere bei gemeinnützigen Stiftungen mit eigenständiger Immobilienstrategie“, erläutert Famos-Geschäftsführer Reimund Schulz.

Professionalisierung notwendig

„Die Immobilieninvestitionen der Stiftungen werden zunehmen, was wir kurzfristig vor allem bei den direkten Investitionen sehen werden”, prognostiziert Schulz auf Grundlage der Studienergebnisse. “Familienstiftungen werden weiterhin stark in Wohnimmobilien investieren, sich aber auch verstärkt nach Immobilien mit Mischnutzungen umsehen und Investitionen im Segment der Büroimmobilien und der Pflegeimmobilien tätigen.“

Schulz erwartet, dass sich Stiftungen und Immobilienmarkt weiter aufeinander zubewegen werden: „Hier sind die Marktteilnehmer aufgerufen, die richtigen Konzepte zu erstellen, denn Stiftungen – gerade die gemeinwohlorientierten – haben besondere Ansprüche an Risikobewertung, Nachhaltigkeit und Anlageperspektive.“ Aber nicht nur die Immobiliendienstleister, so Schulz, seien gefordert, die richtigen Angebote zu schaffen – die Stiftungen selber nutzten das Potenzial dieses Marktes noch lange nicht aus. Seine Empfehlung: „Weitere Professionalisierung unter Beachtung spezialisierter Dienstleister, Aufstellung einer klaren Immobilienstrategie und laufende professionelle Betreuung des Bestandes, um die Basis für stabile Cashflows und Vermögenssicherung zu erhalten.“ (bk)

Foto: Shutterstock

 

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