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5. April 2013, 08:58
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Geldillusion

Die Naumer-Kolumne: Die Ereignisse in Zypern sind auch verhaltenspsychologisch höchst interessant: Droht eine Zwangsabgabe auf Bankeinlagen, gehen die Menschen auf die Straße. Werden Steuern erhöht, murren sie nur.

Kolumne Naumer

Hans-Jörg Naumer, Allianz Global Investors

Der Unterschied: Bei einer Abgabe auf Einlagen ist der „Verlust“ deutlich sichtbar – etwas, das man bereits besitzt, geht verloren – bei Steuererhöhungen geht es um Geld, das man noch nicht hat und auch nie bekommt. Aber Geld, das man noch nicht hatte, tut weniger weh, wenn man es verliert.

Dabei können Steuererhöhungen in der Summe deutlich teurer werden, sind sie doch nicht einmalig, sondern laufen erfahrungsgemäß in alle Ewigkeit fort. Aber das, was man hat sagt nichts über den Wert aus. Verlustaversion und Geldillusion gehen bei den Anlegern meist eine gefährliche Komplizenschaft ein.

Falsches Verhalten kostet Kaufkraft

Konkret: Ein 40-jähriger Anleger hat 10.000 Euro gespart und will diese auf keinen Fall verlieren. Was macht er? Er schließt Kursschwankungen aus und legt es in einer Staatsanleihe mit 1,5 Prozent jährlich an. Was er übersieht ist der sichere (!) Wertverlust durch Inflation.

Unterstellt der Wertverlust beläuft sich dauerhaft auf 2,5 Prozent und er geht mit 67 in Rente. Seine ursprünglichen 10.000 Euro sind dann – ohne Berücksichtigung der Abgeltungssteuer – zu circa 7.644 Euro in realer Kaufkraft geworden.

Steigt die Inflation auf jährlich vier Prozent hat er real nur noch 5.100 Euro – also etwas mehr als die Hälfte der ursprünglichen Summe. Nominal stehen aber, dank der Magerzinsen bei Renteneintritt gut 15.000 Euro auf dem Konto. Aber: Was drauf steht, ist eben nicht drin.

Verhaltenspsychologisch ist das kein Novum. Schon Daniel Kahneman und Amos Tversky, die Begründer der Behavioral-Finance-Theorie, haben nachgewiesen, dass Menschen nur mit konstanten Maßeinheiten umgehen können. Wir sind eben gewohnt, dass ein Meter ein Meter ist und eine Stunde immer 60 Minuten dauert. Dass ein Euro heute aber mit einem Euro morgen nicht zu vergleichen ist, das liegt außerhalb unseres Verstehens. Für die Anleger heißt das konkret: Inflation ist die gemeinste Form der „Besteuerung“, da sie Vermögen vernichtet, ohne dass wir uns darauf einstellen können.

Die einzige Abhilfe: Die zu erwartende reale (!) Rendite muss die Steuergröße jeder Anlageentscheidung werden.

 

Hans-Jörg Naumer schreibt als Kolumnist im Cash.-Magazin über aktuelle Themen der Kapitalmärkte. Naumer ist seit dem Jahr 2000 Leiter Kapitalmarktanalyse bei der Allianz Global Investors KAG (AGI), Frankfurt.

 

Foto: Allianz GI

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1 Kommentar

  1. im Grunde ein einfaches Rechenszenario, aber trotzdem lösen es Millionen von Menschen nicht. Schade eigentlich

    Danke für die erneute Aufklärung :-)

    Kommentar von Enrico Schütze — 8. April 2013 @ 20:17

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