Anzeige
17. Juli 2015, 08:09
Teilen bei: Ihren XING-Kontakten zeigen | Ihren XING-Kontakten zeigen

“Ich mache mir große Sorgen bei einem Brexit”

Cash. sprach mit Professor Marcel Fratzscher, Präsident des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung (DIW), Berlin, über die Notwendigkeit, die Europäische Union zu reformieren und den drohenden Austritt Großbritanniens.

Europäische Währungen

Marcel Fratzscher, DIW: “Der Austritt Großbritanniens wäre für Deutschland ein harter Schlag.”

Cash.: Der Europäische Gerichtshof (EuGH) hat jüngst die Politik der Europäischen Zentralbank (EZB) gutgeheißen. Wie bewerten Sie die Entscheidung?

Fratzscher: Die EuGH-Entscheidung halte ich aus zweierlei Hinsicht für wichtig. Auf der einen Seite muss europäisches Recht von europäischen Gerichten entschieden werden. Ich halte es für gefährlich, wenn nationale Gerichte sich einmischen und europäisches Recht mitinterpretieren wollen. Das kann nicht funktionieren bei 28 Ländern. Deshalb sollten wir die europäische Rechtsprechung respektieren. Der zweite wichtige Punkt ist, dass die Entscheidung der Europäischen Zentralbank massiv den Rücken stärkt. Schließlich signalisiert die EuGH-Entscheidung, dass das OMT-Anleihekaufprogramm ein überwältigender Erfolg der EZB ist. Letztlich ist es nichts Ungewöhnliches, weil es weltweit viele Zentralbanken genauso machen oder gemacht haben, teilweise in noch viel stärkerem Ausmaß. Es ist auch deshalb so wichtig, weil politische und rechtliche Unsicherheit auch Auswirkungen auf Finanzmärkte hätte und dort zu großen Unsicherheiten führen könnte. Denn Ansteckungseffekte durch die Griechenland-Krise sind nach wie vor möglich, wenn auch extrem unwahrscheinlich. Wenn beispielsweise ein größeres Land wie Italien in Bedrängnis kommt, könnte die EZB dieses OMT-Programm ebenfalls noch einmal sehr dringend anwenden müssen.

Wie beurteilen Sie Ideen, zu nationalen Währungen zurückzukehren und lediglich im Hintergrund eine europäische Rechnungseinheit wie den jahrzehntelang genutzten ECU wieder einzuführen?

Davon halte ich nichts. Diese Forderungen kommen meist von den Leuten und Populisten in Deutschland, die sich nach den vermeintlich guten alten Zeiten der D-Mark zurück sehnen. Es gilt, im Blick zu behalten, wo die Probleme der Länder der Eurozone heute wirklich liegen – meist bei schlechten staatlichen Institutionen und fehlenden Strukturreformen – die nichts mit dem Euro zu tun haben. Und es empfiehlt sich, einen Blick auf die Stärken des Euro zu werfen, die nationale Währungen nicht bieten. Eine davon ist Stabilität in der Krise, sodass sowohl Regierungen als auch Unternehmen nach wie vor günstig an Kapital kommen. Der zweite wichtige Punkt betrifft die Diskussion über die Wettbewerbsfähigkeit. In Deutschland lautet der Tenor häufig, eine Abwertung würde den Volkswirtschaften helfen. Und wir Deutschen wissen am allerbesten, dass wir fünfzig Jahre ganz hervorragend mit einer starken stabilen Währung gefahren sind. Da hat niemand gesagt, “lass uns doch die D-Mark mal abwerten, damit die deutschen Exporteure mal wieder so einen richtigen Push kriegen und wir wieder wettbewerbsfähig werden”. Ganz im Gegenteil.

Seite zwei: “Griechenland hat keine hervorragenden Exportprodukte”

Weiter lesen: 1 2 3

Anzeige

Ihre Meinung



Cash.Aktuell

Cash. 2/2017

Inhaltsverzeichnis Einzelausgabe bestellen Cash. abonnieren

Themen der Ausgabe:

Absolute-Return – Insurtechs – Robo Advisors – Denkmalimmobilien


Ab dem 26. Januar im Handel.

Cash. 1/2017

Inhaltsverzeichnis Einzelausgabe bestellen Cash. abonnieren

Themen der Ausgabe:

Trumps Sieg in Rendite ummünzen - Themen, Produktangebote und Trends 2017 - Rentenreform

Versicherungen

Insurtechs: Über 80 Millionen US-Dollar für deutsche Start-ups

Im Jahr 2016 haben die deutschen Insurtechs in Finanzierungsrunden mehr als 80 Millionen US-Dollar eingesammelt. Das geht aus einer Untersuchung des Münchener Fintech-Start-ups Finanzchef24 hervor. Demnach hat sich das Finanzeriungsvolumen im Vergleich zum Vorjahr mehr als verdoppelt.

mehr ...

Immobilien

Baufi Secure: Neues Absicherungsprodukt für Immobiliendarlehen

Was geschieht, wenn Immobilienkäufer ihre Darlehensraten aufgrund von Krankheit oder Arbeitslosigkeit nicht mehr bedienen können? Das Produkt Baufi Secure will die Immobilienfinanzierung flexibel absichern.

mehr ...

Investmentfonds

Merck Finck sieht Rückenwind für Aktien

Kurz vor der Amtseinführung von Donald Trump sind vermehrt kritische Stimmen von der Investmentseite laut geworden. Merck Finck blickt der kommenden Handelswoche dennoch optimistisch entgegen.

mehr ...

Berater

WhoFinance und Defino bauen Kooperation aus

Wie das Bewertungsportal WhoFinance und das Defino Institut für Finanznorm mitteilen, haben sie ihre beiden Portale eng miteinander vernetzt. Dadurch sollen Finanzberater und Vermittler künftig die Qualität ihrer Beratung noch besser im Internet darstellen können.

mehr ...

Sachwertanlagen

Doric zieht positive Bilanz für 2016

Quadoro Doric hat mit der kernsanierten Büroimmobilie Trappenburch in Utrecht eine weitere Immobilie für den offenen Spezial-AIF Vescore Sustainable Real Estate Europe übernommen und damit das Jahr 2016 erfolgreich abgeschlossen.

mehr ...

Recht

LV-Verträge als Kreditsicherung: Widerspruchsrecht verwirkt

Werden Lebensversicherungsverträge zur Immobilienfinanzierung eingesetzt, kann das Widerspruchsrecht des Versicherten verwirkt sein, auch wenn die Widerspruchsbelehrungen der Policen nicht korrekt sind. Knackpunkt ist die Bedeutung der Policen als Sicherungsmittel.

mehr ...