Anzeige
3. Dezember 2015, 14:09
Teilen bei: Ihren XING-Kontakten zeigen | Ihren XING-Kontakten zeigen

Leitzins im Euroraum bleibt auf Rekordtief von 0,05 Prozent

Die Europäische Zentralbank (EZB) hat ihren Strafzins für Bankeinlagen wie erwartet erhöht. Statt 0,2 Prozent müssen Banken künftig 0,3 Prozent Zinsen zahlen, wenn sie Geld bei der EZB parken. Das entschied der EZB-Rat am Donnerstag in Frankfurt. Der Leitzins im Euroraum verharrt unterdessen auf dem Rekordtief von 0,05 Prozent.

Shutterstock 1904531601 in Leitzins im Euroraum bleibt auf Rekordtief von 0,05 Prozent

Mario Draghi, Präsident der Europäischen Zentralbank

Damit bleibt Zentralbankgeld für Geschäftsbanken extrem günstig. Anders als in den USA sind steigende Zinsen im Euroraum absehbar nicht in Sicht.

Mit dem negativen Einlagenzins wollen die Währungshüter die Kreditvergabe im Euroraum ankurbeln. Denn bislang kommt das viele billige Zentralbankgeld nicht im gewünschten Maß über Bankkredite bei Unternehmen und Verbrauchern an. Die Konjunktur im Euroraum erholt sich nur schleppend, die Inflation ist nach wie vor im Keller. Zuletzt hatte die EZB den Zinssatz für die sogenannte Einlagefazilität im September 2014 auf minus 0,2 Prozent gesenkt.

Strafzins umstritten

Der Strafzins für Banken ist umstritten. Ökonomen befürchten, dass Banken ihn auf ihre Kunden abwälzen könnten. DZ-Bank-Analyst Christian Reicherter verweist auf Erfahrungen aus der Schweiz, wo Institute die Zusatzkosten über höhere Hypothekenzinsen weitergäben. Auch höhere Bankgebühren gelten als mögliche Reaktion. Dadurch könnten Sparer noch mehr in Mitleidenschaft gezogen werden.

Aus Sicht von Michael Hüther, Direktor am Institut der deutschen Wirtschaft (IW/Köln), können Banken die Negativzinsen hingegen kaum an ihre Kunden weitergeben. Vielmehr belaste die Strafgebühr ihre Ertragskraft und damit auch die Kreditvergabe. Hüthers Fazit: “Eine Geldpolitik der Negativzinsen ist kontraproduktiv.”

Die Kritik an der Geldschwemme der EZB ist gerade in Deutschland groß. Dennoch kündigte die EZB am Donnerstag weitere Schritte an. Es wird erwartet, dass die Notenbank ihre Geldschleusen noch weiter öffnen wird. Seit März pumpt die EZB monatlich 60 Milliarden Euro in den Kauf von Staatsanleihen und anderen Wertpapieren. Das soll Konjunktur und Preisauftrieb anschieben. EZB-Präsident Mario Draghi hatte mehrfach betont, dieses bis September 2016 ausgelegte Billionen-Programm könne ausgeweitet werden.

Währungshüter stützen sich auf neueste Prognosen

Denn noch ist die Teuerung im Euroraum weit vom EZB-Ziel von knapp unter zwei Prozent entfernt. Im November verharrte die Inflation vor allem wegen gesunkener Energiepreise bei 0,1 Prozent. Dauerhaft niedrige Preise gelten als Risiko für die Konjunktur: Denn Unternehmen und Verbraucher könnten Investitionen aufschieben, in der Hoffnung, dass es bald noch billiger wird.

Bei ihrer Entscheidung am Donnerstag stützen sich die Währungshüter auch auf die neuesten EZB-Prognosen zur Entwicklung von Inflation und Konjunktur im Euroraum. Im September hatte die Notenbank für 2015 eine Jahresteuerung von 0,1 Prozent vorhergesagt, für 2016 von 1,1 Prozent und für 2017 von 1,7 Prozent. Zudem traute die EZB der Eurozone vor drei Monaten ein Wachstum von 1,4 Prozent im laufenden Jahr zu, 2016 dann 1,7 Prozent und 2017 schließlich 1,8 Prozent. Beobachter gehen davon aus, dass die Prognosen nun nach unten korrigiert werden.

Quelle: dpa-AFX

Foto: Shutterstock

Anzeige

Ihre Meinung



Cash.Aktuell

Cash. 2/2017

Inhaltsverzeichnis Einzelausgabe bestellen Cash. abonnieren

Themen der Ausgabe:

Absolute-Return – Insurtechs – Robo Advisors – Denkmalimmobilien


Ab dem 26. Januar im Handel.

Cash. 1/2017

Inhaltsverzeichnis Einzelausgabe bestellen Cash. abonnieren

Themen der Ausgabe:

Trumps Sieg in Rendite ummünzen - Themen, Produktangebote und Trends 2017 - Rentenreform

Versicherungen

Bundestag beschließt Freigabe von Cannabis auf Rezept

Der Bundestag hat einstimmig die Freigabe von Cannabis als Medizin auf Rezept beschlossen. Ärzte können schwerkranken Patienten künftig Cannabis verschreiben, wenn diese etwa unter chronischen Schmerzen und Übelkeit infolge von Krebstherapien leiden. Die Krankenkassen müssen die Therapie dann bezahlen.

mehr ...

Immobilien

Patrizia kauft sechs Hotels für Immobilienfonds

Die Patrizia Immobilien AG hat sechs im Bau befindliche Hotelimmobilien in zentralen deutschen Großstadtlagen erworben. Die Hotels mit insgesamt rund 600 Zimmern entstehen aktuell in Berlin, Dortmund, Heidelberg, Krefeld, Stuttgart und Wuppertal und sind langfristig für 20 Jahre an erfahrende Hotelbetreiber vermietet.

mehr ...

Investmentfonds

Pimco setzt verstärkt auf ESG

Der Investmentmanager Pimco hat auf globaler Ebene eine spezielle Plattform für Assets im Bereich Umwelt, Soziales und Unternehmensführung (Environmental, Social and Governance, ESG) gestartet. 

mehr ...

Berater

“Zeitenwende in der Anlageberatung in Deutschland”

Die Berliner Quirin Privatbank sieht durch die im kommenden Jahr in Kraft tretende EU-Richtlinie Mifid II eine neue Ära in der Bankberatung anbrechen.

mehr ...

Sachwertanlagen

Doric zieht positive Bilanz für 2016

Quadoro Doric hat mit der kernsanierten Büroimmobilie Trappenburch in Utrecht eine weitere Immobilie für den offenen Spezial-AIF Vescore Sustainable Real Estate Europe übernommen und damit das Jahr 2016 erfolgreich abgeschlossen.

mehr ...

Recht

Verfassungsklage wegen Überleitung von DDR-Renten erfolglos

Eine Verfassungsbeschwerde gegen angebliche Ungerechtigkeiten bei der Übertragung von DDR-Renten im Zuge der Wiedervereinigung ist gescheitert. Das Bundesverfassungsgericht nahm die Klage eines Betroffenen schon aus formalen Gründen nicht zur Entscheidung an, wie am Mittwoch in Karlsruhe mitgeteilt wurde (Az. 1 BvR 713/13).

mehr ...