Inflation: BVR mahnt zur geldpolitischen Zurückhaltung

Trotz weiter gesunkener Ölpreise und der sehr niedrigen Inflation im Euroraum sieht der Bundesverband der Deutschen Volksbanken und Raiffeisenbanken (BVR) aktuell keinen geldpolitischen Handlungsbedarf.

Dr. Andreas Martin, BVR, sieht die Konjunktur in Euroland auch ohne weitere geldpolitische Maßnahmen auf Kurs.

„Die Europäische Zentralbank sollte gelassen bleiben und das temporäre Unterschreiten des Inflationsziels hinnehmen“, sagt BVR-Vorstand Dr. Andreas Martin. Wichtiger als eine schnelle Normalisierung der Inflation sei, dass die Konjunktur im Euroraum wieder Tritt fasse und die Arbeitslosigkeit zurückgeführt werde. Die Inflation werde dann von selbst wieder zunehmen.

Wirtschaftsindikatoren zeigen in richtige Richtung

Die Verbraucherpreisinflation liegt im Euroraum seit Herbst 2013 unter der Marke von einem Prozent, während die Europäische Zentralbank den mittelfristigen Zielwert als unter, aber nahe zwei Prozent festgelegt hat. Im Dezember lag die Teuerungsrate bei 0,2 Prozent. Die Wirtschaftsindikatoren zeigten in die richtige Richtung, so der BVR in seinem aktuellen Konjunkturbericht. Das Wirtschaftsklima habe sich im Euroraum aufgehellt, die Arbeitslosigkeit gehe zurück und im kommenden Jahr werde die Wirtschaft wieder eine normale Auslastung erreichen.

Billiges Öl beschleunigt Auftrieb

Der wirtschaftliche Auftrieb beschleunige sich durch das billige Öl, insbesondere profitiere der private Verbrauch von der zusätzlichen Kaufkraft durch die niedrigeren Ausgaben für Energie. Neben dem niedrigen Ölpreis wird die Teuerung auch durch strukturelle Trends gedämpft. So sei in Deutschland die Arbeitslosigkeit seit dem Millennium stark zurückgegangen, ohne dass dies zu einem verstärkten Lohndruck geführt habe. Dies sei vor allem auf die Arbeitsmarktreformen des vergangenen Jahrzehnts, zum anderen auf eine flexiblere und dezentralere Lohnfindung in der Industrie zurückzuführen.

Steigender Lohndruck möglich

Es sei allerdings möglich, dass dieser Trend allmählich auslaufe und der Lohndruck wieder zunähme. Hierfür seien die kräftigeren Lohnzuwächse der vergangenen Jahre ein Vorzeichen. Zuletzt sind die Tariflöhne pro Arbeitsstunde um 2,5 Prozent gestiegen, dies sei angesichts eines Produktivitätsanstiegs von 0,5 Prozent und einer Teuerung nahe Null ein kräftiger Zuwachs. (fm)

Foto: BVR

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