Anzeige
11. Juli 2013, 09:00
Teilen bei: Ihren XING-Kontakten zeigen | Ihren XING-Kontakten zeigen

“bAV-Beratung weniger komplex als vielfach behauptet”

Die betriebliche Altersversorgung (bAV) gilt als erklärungsbedürftiges Produkt. Im Interview mit Cash.-Online relativiert Helge von Hagen, bAV-Referent beim Bonner Maklerhaus 7×7 Finanz, diese Sichtweise und legt seine Erfahrungen in der bAV-Beratung dar.

Helge von Hagen, 7x7 finanz

Helge von Hagen, 7×7 Finanz

Cash.: Die bAV gilt als sehr erklärungsbedürftiges Produkt. Was sind die größten Herausforderungen in der Beratung?

Hagen: Die bAV-Beratung ist, gerade im Bereich Entgeltumwandlung, bei weitem nicht so komplex, wie immer behauptet wird. Störende Töne kommen aktuell aus der Richtung des Verbraucherschutzes sowie von Marktteilnehmern, die mit angeblichen Haftungsthemen auf Kundenfang gehen.

Besonders ärgerlich ist dabei, dass gerade die Medien ihrer Aufgabe nicht nachkommen und fehlerhafte Aussagen ungeprüft und unwidersprochen veröffentlicht werden. Aus Maklersicht stellt auch die Protokollierung aktuell eine große Herausforderung dar.

Welches Marktpotenzial hat die bAV zu bieten?

Insbesondere bei kleinen und mittelständischen Unternehmen besteht, nach unserer Erfahrung, nach wie vor ein sehr großes Marktpotenzial. Zudem ist die bAV für die meisten Arbeitnehmer die effizienteste Vorsorgeform, das heißt Arbeitnehmer bekommen dort die höchste Nettorente für ihre Beiträge.

Wie gehen Sie in der Beratung vor?

In der Entgeltumwandlungsberatung gilt es zunächst den Arbeitgeber davon zu überzeugen, seine Lohnnebenkostenersparnis ganz oder teilweise an die Arbeitnehmer weiterzugeben. Unseres Erachtens liegt die untere Grenze diesbezüglich bei einem Arbeitgeberzuschuss von zehn Prozent, was ungefähr dem Arbeitgeberbeitrag zur gesetzlichen Rentenversicherung entspricht.

Die Erfahrung lehrt jedoch, dass eine Beratung der Arbeitnehmer unerlässlich ist. Denn selbst bei rein arbeitgeberfinanzierter bAV zögern viele Arbeitnehmer, das Geld des Arbeitgebers auch anzunehmen.

Wie bewerten Sie den Bereich der Pensionszusagen?

Hier sehen wir definitiv weiteres Potenzial. Mehrere Auswertungen zeigen, dass etwa 80 Prozent aller Pensionszusagen Mängel enthalten. Dabei handelt es sich meist sowohl um inhaltliche Mängel als auch um Deckungslücken in der Finanzierung. Zusammen mit unserem Kooperationspartner, dem Dr. Lutz Beratungsinstitut für Altersversorgung, bieten wir daher eine Überprüfung von Pensionszusagen und Versorgungswerken an.

Können Sie das näher erläutern?

Die Ausfinanzierung von Deckungslücken mittels Kapitallebensversicherungen wird aufgrund der aktuellen Niedrigzinsphase immer kostspieliger für die Firmen. Dies hat bei einigen Kunden bereits zu Resignation von dem Problem geführt. Durch innovative Rückdeckungsmodelle bieten wir eine Möglichkeit, Finanzierungslücken bestehender Pensionszusagen auch mittels einer Anlage in Sachwerte zu schließen.

Der Kunde profitiert so vom Inflationsschutz, den eine Investition in Sachwerte bietet, kombiniert mit einer attraktiven prognostizierten Ausschüttung, die deutlich über den prognostizierten Zinserträgen einer Kapitallebensversicherung liegt. Die innovative Rückdeckung und der gemeinsame Service mit dem Dr. Lutz Beratungsinstitut können auch von anderen Marktteilnehmern genutzt werden.

Welche rechtlichen Vereinfachungen innerhalb der bAV würden Sie sich von Seiten des Gesetzgebers wünschen?

Aktuell sollte der Gesetzgeber sich unbedingt des Themas Portabilität annehmen. Durch die neuen Unisex-Regelungen sind in diesem Bereich schwere Verwerfungen entstanden. Schon in der Vergangenheit haben Arbeitnehmer im Rahmen einer Übertragung ihre bisherigen Rechnungsgrundlagen verloren und mussten sich beispielsweise mit einem niedrigeren Garantiezins im Vertrag des neuen Arbeitgebers abfinden.

Inzwischen landen jedoch insbesondere Männer nach einer Übertragung im Unisex-Tarif, was einer Rentenkürzung in größerem Umfang gleichkommt. Erste Versicherer empfehlen daher Arbeitgebern die Altverträge zu übernehmen, was jedoch arbeitsrechtliche und haftungstechnische Probleme für den Arbeitgeber nach sich ziehen kann.

Der Gesetzgeber sollte daher die Versicherer und Pensionskassen zu einer Übernahme der alten Rechnungsgrundlagen einschließlich des alten Garantiezinses verpflichten. Hilfreich wäre zudem eine feste Bearbeitungsfrist für die Portabilitätsfälle. Erfahrungsgemäß lassen sich einige Anbieter für die Bearbeitung sehr viel Zeit.

Interview: Lorenz Klein

Foto: 7×7 Finanz GmbH

Anzeige

Ihre Meinung



Cash.Aktuell

Cash. 2/2017

Inhaltsverzeichnis Einzelausgabe bestellen Cash. abonnieren

Themen der Ausgabe:

Absolute-Return – Insurtechs – Robo Advisors – Denkmalimmobilien


Ab dem 26. Januar im Handel.

Cash. 1/2017

Inhaltsverzeichnis Einzelausgabe bestellen Cash. abonnieren

Themen der Ausgabe:

Trumps Sieg in Rendite ummünzen - Themen, Produktangebote und Trends 2017 - Rentenreform

Versicherungen

Insurtechs: Über 80 Millionen US-Dollar für deutsche Start-ups

Im Jahr 2016 haben die deutschen Insurtechs in Finanzierungsrunden mehr als 80 Millionen US-Dollar eingesammelt. Das geht aus einer Untersuchung des Münchener Fintech-Start-ups Finanzchef24 hervor. Demnach hat sich das Finanzeriungsvolumen im Vergleich zum Vorjahr mehr als verdoppelt.

mehr ...

Immobilien

Baufi Secure: Neues Absicherungsprodukt für Immobiliendarlehen

Was geschieht, wenn Immobilienkäufer ihre Darlehensraten aufgrund von Krankheit oder Arbeitslosigkeit nicht mehr bedienen können? Das Produkt Baufi Secure will die Immobilienfinanzierung flexibel absichern.

mehr ...

Investmentfonds

Merck Finck sieht Rückenwind für Aktien

Kurz vor der Amtseinführung von Donald Trump sind vermehrt kritische Stimmen von der Investmentseite laut geworden. Merck Finck blickt der kommenden Handelswoche dennoch optimistisch entgegen.

mehr ...

Berater

WhoFinance und Defino bauen Kooperation aus

Wie das Bewertungsportal WhoFinance und das Defino Institut für Finanznorm mitteilen, haben sie ihre beiden Portale eng miteinander vernetzt. Dadurch sollen Finanzberater und Vermittler künftig die Qualität ihrer Beratung noch besser im Internet darstellen können.

mehr ...

Sachwertanlagen

Doric zieht positive Bilanz für 2016

Quadoro Doric hat mit der kernsanierten Büroimmobilie Trappenburch in Utrecht eine weitere Immobilie für den offenen Spezial-AIF Vescore Sustainable Real Estate Europe übernommen und damit das Jahr 2016 erfolgreich abgeschlossen.

mehr ...

Recht

LV-Verträge als Kreditsicherung: Widerspruchsrecht verwirkt

Werden Lebensversicherungsverträge zur Immobilienfinanzierung eingesetzt, kann das Widerspruchsrecht des Versicherten verwirkt sein, auch wenn die Widerspruchsbelehrungen der Policen nicht korrekt sind. Knackpunkt ist die Bedeutung der Policen als Sicherungsmittel.

mehr ...