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5. Februar 2013, 12:49
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GDV-Präsident: “Branche muss Kritikpunkte angehen”

Der neu gewählte Präsident des Gesamtverbandes der Deutschen Versicherungswirtschaft (GDV) tritt sein Amt in bewegten Zeiten an. Im Gespräch mit Cash. bezieht Dr. Alexander Erdland Stellung zu den aktuellen Herausforderungen.

GDV

Erdland: “Die Versicherer sollten verstärkt deutlich machen, dass sie mit ihren Kunden eine Solidargemeinschaft bilden. Diesen Zusammenhang wollen wir hervorheben.”

Cash.: Herr Dr. Erdland, die Politik engt den Handlungsrahmen der deutschen Versicherungswirtschaft zunehmend ein. Wo kann und muss der GDV unter Ihrer Führung die Akzente setzen und welche Herausforderungen erwarten Sie in Ihrer Amtszeit?

Erdland: Zunächst zu den aktuellen Großbaustellen, die herausfordernd für uns sind: Da ist zum einen Solvency II. In diesem wohl wichtigsten Regulierungsprojekt der europäischen Versicherungswirtschaft sind wesentliche Weichen nach wie vor nicht gestellt.

Insbesondere fehlt weiterhin eine geeignete Methode zur Bewertung langfristiger Garantien in der Lebensversicherung. Deren Ausgestaltung wird mit darüber entscheiden, in welcher Form wir in der Lebensversicherung zukünftig Garantien anbieten.

Darüber hinaus wird auch in diesem Jahr die Finanz- und Staatsschuldenkrise ein zentrales Thema bleiben. Wir werden uns in die Debatte zur Überwindung der Schuldenkrise und einem möglichen Ausstieg aus der Niedrigzinspolitik einbringen.

Derzeit ist kein kurzfristiges Ende der aktuellen Niedrigzinspolitik in Sicht. Welche Probleme ergeben sich speziell aus der Niedrigzinsphase und was erwarten Sie sich dabei von der Politik?

Je länger die Zinsen auf dem niedrigen Niveau verharren, umso schwieriger wird es für die Lebensversicherungen, die Folgen für ihre Kunden abzufedern. Das gilt vor allem in Verbindung mit der derzeitigen, fehlerhaften Beteiligungsregelung an den Bewertungsreserven von Zinspapieren. Sie ist ökonomisch nicht nachvollziehbar. Schließlich handelt es sich lediglich um befristete Buchreserven.

Die aktuelle Regelung zwingt die Versicherer zu Zusatzausschüttungen aus der Substanz zum Nachteil der Versichertengemeinschaft. Eine Korrektur dieser Regelung ist deshalb wichtig.

Wie bewerten Sie die aktuellen Urteile zu unwirksamen Klauseln bei bestimmten Versicherern?

Die damit verbundenen Rechtsrisiken gefährden zunehmend die langfristigen Geschäftsmodelle der Versicherer. Gerichtsurteile, die rückwirkend die Grundlagen von vor Jahren oder Jahrzehnten geschlossenen Verträgen ändern, sind problematisch. Sie machen langlaufende Verträge unkalkulierbar.

Doch darauf sind wir angewiesen – Risiken kalkulierbar zu machen und auf dieser Basis Lösungen für die Menschen anzubieten. Hier brauchen wir größere Rechtssicherheit und damit Planbarkeit.

Was ist die Aufgabe im Verband, die Sie als erstes angehen werden?

Große Priorität hat, an dem Ansehen unserer Branche zu arbeiten. Das ist in der Wahrnehmung verbesserungswürdig und hat direkte Auswirkungen auf den Markt und die Politik.

Die Branche muss berechtigte Kritikpunkte angehen und zeigen, dass sie zu Veränderungen bereit ist. Aber auch unberechtigte Kritik sollte klar benannt und durch bessere Erklärung aufgelöst werden.

Es ist darüber hinaus an der Zeit, die Leistungsfähigkeit der Versicherer offensiver und deutlicher herauszustellen. Damit meine ich nicht nur im Einzelnen unsere Produkte und den Service, den wir bieten.

Ich meine auch die gesellschafts- und sozialpolitische Verantwortung, die wir wahrnehmen, bis hin zur volkswirtschaftlichen Bedeutung der Versicherer in Deutschland und Europa.

Viele wissen gar nicht, dass Versicherer dank ihrer Investitionen eine Vielzahl an Innovationen begleiten, wie beispielsweise im Energie- und Umweltsektor. Es ist unser Ziel, das stärker ins öffentliche Bewusstsein zu rücken.

Bei der Verabschiedung Ihres Amtsvorgängers Rolf-Peter Hoenen auf dem Versicherungstag 2012 lobten Sie dessen GDV-Präsidentschaft als „vorbildlich“. Welche Dinge werden Sie von ihm übernehmen?

Es sind vor allem die Bemühungen um mehr Verbraucherschutz. Dazu gehört der Verhaltenskodex für den Vertrieb von Versicherungen ebenso wie die erweiterte Zuständigkeit des Versicherungsombudsmanns oder die Verbandsempfehlung einer Gesamtkostenquote für die Lebensversicherung, um einige Stichworte zu nennen.

Der Ende 2010 eingeführte Verhaltenskodex für den Vertrieb wurde im vergangenen Jahr zudem inhaltlich weiterentwickelt und konkretisiert. Aber nicht nur das. Er hat auch verpflichtenden Charakter bekommen. Die Unternehmen werden die Implementierung des Kodex künftig extern überprüfen lassen.

Hier halte ich es mit meinem Vorgänger und bin sicher, die Unternehmen werden diesen Kodex mit Leben füllen, und dem entstandenen Negativbild positive Praxisbeispiele entgegensetzen.

Ziel ist es darüber hinaus, die Vermittlungsqualität in unserer Branche weiter zu stärken.

Zum Lesen des kompletten Artikels bestellen Sie die aktuelle Ausgabe 2/2013 beim Cash.-Einzelverkauf.

 

Interview: Lorenz Klein

Foto: GDV / Uli Jooss

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1 Kommentar

  1. Der Vater aller Dinge

    „Die Werte schaffende Arbeit, diese einzige Quelle des Wohlstands, wird durch den Geldstreik lahm gelegt. Fleiß, Erfindungsgeist, Sparsamkeit, Wohlstand graben sich im Konjunkturzyklus selbst ihr Grab, führen zwangsläufig zu Arbeitslosigkeit, Armut und Not. Es liegt eine tiefe Tragik in diesem Zusammenhang. Je fleißiger, erfindungsreicher und sparsamer die Arbeitenden sind, umso früher sinkt der Sachkapitalzins unter die Rentabilitätsgrenze, umso früher müssen Geldstreik und Wirtschaftskrise eintreten.

    Es ist das Unglück der Arbeitenden, dass ihnen im Kapitalismus dauernd ein Teil ihres Arbeitsertrages vorenthalten wird und in die Taschen der Zinsbezieher fließt. Aber es ist der Gipfelpunkt der Tragödie, dass sie nur deshalb in die Not fast dauernder Unterbeschäftigung gestoßen werden, weil die Zinsbezieher das ihnen zufließende arbeitslose Einkommen, soweit nicht zum Verbrauch bestimmt, nur dann investieren, wenn neuer Zins winkt.

    In völliger Verkennung der Krisenursache spricht man von einer allgemeinen „Überproduktion“ als Folge der „planlosen“ und „chaotischen“ „freien“ Wirtschaft und versucht durch „Planwirtschaft“ dem Preisverfall Einhalt zu gebieten.

    In solchen Zeiten schreit – nein, brüllt – alles nach der „starken Hand“, nach einem Führer. Das war schon so, als im alten Athen im Verlauf einer Wirtschaftskrise der weise Solon zum Gesetzgeber mit allen Vollmachten eines Diktators bestellt wurde und war nicht anders in der 1929 einsetzenden Weltwirtschaftskrise, in der allgemein die Vollmachten der Regierungen totalitäre Formen annahmen. Erst wenn die Arbeitslosigkeit lang genug gedauert hat, um das Sachkapital durch das Wachstum der Bevölkerung, natürlichen Verschleiß usw. so zu verknappen, dass die erwartete (nicht tatsächliche) Rendite den Geldzinsfuß übersteigt, oder wenn durch Kriegsrüstungen usw. das Rentabilitätsprinzip wieder hergestellt ist, lässt sich das Geld auf neue Investitionen ein und gibt den Weg frei für einen neuen Aufschwung. Der Zyklus wiederholt sich. Er bedeutet dauernde Massenarmut.“

    Otto Valentin (aus „Die Lösung der Sozialen Frage“, 1952)

    Von allen bisherigen, durch eine seit jeher fehlerhafte Geld- und Bodenordnung ausgelösten allgemeinen Wirtschaftskrisen unterscheidet sich die gegenwärtige „Finanz- und Schuldenkrise“ dadurch, dass der Krieg nur solange der Vater aller Dinge sein konnte, wie es noch keine Atomwaffen gab.

    Damit stehen wir heute vor der größten anzunehmenden Katastrophe der Weltkulturgeschichte, die auch ohne Atomkrieg unsere ganze „moderne Zivilisation“ auslöschen kann – und zwar umso schneller, je länger der finale Zusammenbruch des Geldkreislaufs zuvor von der „hohen Politik“ durch Erhöhung der Staatsverschuldungen und Geldmengenausweitungen hinausgezögert wurde!

    http://www.deweles.de/intro.html

    Kommentar von Stefan Wehmeier — 5. Februar 2013 @ 12:32

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