24. Oktober 2013, 07:55
Teilen bei: Ihren XING-Kontakten zeigen | Ihren XING-Kontakten zeigen

Versicherungsombudsmann: “Bei der BU geht es häufig um falsche Gesundheitsangaben”

Professor Dr. Günther Hirsch, seit April 2008 Versicherungsombudsmann, erläutert, wie sich die jüngsten Urteile des Bundesgerichtshofs (BGH) auf das Beschwerdeaufkommen ausgewirkt haben. Zudem stehen die Themen Falschberatung und Überschussbeteiligung im Fokus der Schlichtungsstelle.

Versicherungsombudsmann

Versicherungsombudsmann Professor Dr. Günther Hirsch: “Die meisten Vermittlerbeschwerden werden gegen gebundene Vermittler und Versicherungsvertreter geführt, weniger gegen Makler.”

Der im Mai dieses Jahres von Ihnen vorgestellte Jahresbericht 2012 hat einen Rückgang der Beschwerden um 2,7 Prozent gegenüber 2011 festgestellt. Welche Entwicklungen im Beschwerdeaufkommen stellen Sie jetzt, ein halbes Jahr später, fest?

Versicherungsombudsmann Dr. Hirsch: Für das laufende Jahr 2013 zeichnet sich bisher ein deutlicher Anstieg der Eingangszahlen ab.

Wie erklären Sie sich das?

Hierfür sind ersichtlich aktuelle BGH-Urteile zur Lebensversicherung mitursächlich. In der Lebensversicherung spielt das Thema Rückkaufswerte eine große Rolle, da in 2012 und 2013 richtungsweisende Entscheidungen des Bundesgerichtshofs dazu ergangen sind, zuletzt am 11. September 2013.

Wir überprüfen insoweit rechnerisch – etwa die Themen Mindestrückkaufswert oder Stornoabzug –sowie rechtlich, seien es Verjährungsfristen oder Klauselwirksamkeit – die Entscheidung des Versicherers im Hinblick auf die neue Rechtslage. Dem erhöhten Beschwerdeaufkommen zu diesen Fragen steht eine Vermehrung der Fälle gegenüber, in denen ich dem Versicherungsnehmer zu einer Nachzahlung verhelfen konnte, häufig im Wege der Vermittlung einer gütlichen Einigung.

Welche Themen stehen bei den Versicherten darüber hinaus im Fokus?

Nach wie vor kommt den Themen Falschberatung bei der Vertragsvermittlung und Dokumentationsmängel große Bedeutung in der Beschwerdepraxis zu. In der Rechtsschutzversicherung wirft die zeitliche Zuordnung des Rechtsschutzfalles schwierige Probleme auf.

Bei der Berufsunfähigkeitsversicherung geht es häufig um falsche Angaben bei Vertragsschluss zu den Gesundheitsfragen.

Laut Jahresbericht verringerten sich die Beschwerden gegen Versicherungsvermittler um rund zwölf Prozent auf 396 – der niedrigste Stand, seitdem Sie 2007 für diesen Bereich die Zuständigkeit übernommen haben. Wie ist das zu erklären?

Diese Zahl betrifft nur Beschwerden, die sich persönlich gegen den Vermittler wenden, in denen also ein spezielles Vermittlerverfahren durchgeführt wird, für das eigene Kompetenzen und Verfahrensregelungen gelten.

Häufig führen Beschwerden im Zusammenhang mit der Vermittlung des Vertrages allerdings zu einem Verfahren gegen den Versicherer und zählen demgemäß zu den Unternehmensbeschwerden, wenn das Verhalten des Vermittlers diesem rechtlich zuzurechnen ist.

Die geringe Zahl reiner Vermittlerbeschwerden spiegelt wider, dass Fehler bei der Vermittlung häufig den Vertrag infizieren und das Anliegen des Beschwerdeführers sich deshalb an den Versicherer richtet.

Im Rückgang der reinen Vermittlerbeschwerden schlägt sich vielleicht nieder, dass deren begrenzter Anwendungsbereich allgemein bekannter wird. Die meisten Vermittlerbeschwerden werden gegen gebundene Vermittler und Versicherungsvertreter geführt, weniger gegen Makler.

Seite zwei: Beschwerden gegen Lebensversicherer

Weiter lesen: 1 2 3

Ihre Meinung



 

Versicherungen

Versicherer kommen Kunden in der Krise entgegen

Gegen eine Pandemie sind nur sehr wenige Unternehmen versichert. Privatbürger haben zwar ihre Krankenversicherung, aber keinen Schutz gegen Einkommensverluste. In dieser Lage wollen führende Unternehmen der Branche großzügig sein.

mehr ...

Immobilien

DIC Asset senkt wegen Corona-Krise Gewinnprognose – Dividende bleibt

03Die Immobiliengesellschaft Dic Asset rechnet im laufenden Jahr wegen der Auswirkungen der Corona-Krise nicht mehr mit einer Gewinnsteigerung im Vergleich zu 2019. Die branchenübliche Kennziffer FFO (Funds from Operations) werde 2020 zwischen 94 und 96 Millionen Euro liegen, teilte das Unternehmen am späten Freitagabend in Frankfurt mit. Bisher hatte DIC Asset mit 104 bis 106 Millionen Euro gerechnet. Im Vorjahr waren hier 95,0 Millionen Euro erzielt worden.

mehr ...

Investmentfonds

Corona-Lockdown: Wie der Exit gelingen kann

Die Corona-Krise trifft alle: Um die Verbreitung des Virus zu bremsen, hat Deutschland sich umfassende Beschränkungen auferlegt. Sie tragen dazu bei, dass viele Menschen und Firmen um ihre ökonomische Zukunft fürchten. Die Politik muss deshalb zweierlei schaffen: Einerseits die Gesundheit der Bürger so weit wie möglich schützen und sie andererseits vor noch größeren volkswirtschaftlichen Schäden bewahren, die letztlich zu gesellschaftlichen werden. In diesem Kontext werden Wege aus dem Lockdown debattiert – das IW hat einen entsprechenden Exit-Plan entwickelt. Ein Beitrag von Professor Dr. Michael Hüther, Direktor und Mitglied des Präsidiums, und Dr. Hubertus Bardt, Geschäftsführer und Leiter Wissenschaft.

mehr ...

Berater

DIN-Norm 77230: Prüfungen jetzt online möglich

Wegen der Coronakrise bietet das Defino Institut für Finanznorm Prüfungen für die Zertifizierung zum “Spezialisten für die private Finanzanalyse – DIN 77230” ab sofort auch im Online-Verfahren an.

mehr ...

Sachwertanlagen

BVT schließt institutionellen US-Fonds und investiert erneut in Boston

Die BVT Unternehmensgruppe, München, hat über ihre Kapitalverwaltungsgesellschaft Derigo für den von ihr verwalteten geschlossenen Spezialfonds BVT Residential USA 12 die dritte Investition vorgenommen. Ein Nachfolge-Spezialfonds ist geplant.

mehr ...

Recht

Homeoffice: Der richtige Versicherungsschutz für Laptop und Co.   

Um in der Heimarbeit effektiv und produktiv arbeiten zu können, bedarf es der richtigen Grundausstattung. Hier stehen Arbeitgeber in der Pflicht, ihren Mitarbeitern alle notwendigen Arbeitsmittel zur Verfügung zu stellen. Welcher Mitarbeiter benötigt neben Laptop oder PC noch ein Headset oder gar einen Multifunktionsdrucker? Welche Software wird benötigt, um einen reibungslosen Kommunikationsfluss zu schaffen? Ein Überprüfen der bisherigen Arbeitsprozesse schafft hierbei Klarheit über die bereits vorhandenen Grundvoraussetzungen sowie fehlendes Equipment.

mehr ...