2. Dezember 2014, 10:13

Beratungs- und Gebührenmodelle: Eine Frage der Erlaubnis?

Maklerbetriebe und Mehrfachagenturen geraten zunehmend unter Margendruck. Die Gründe hierfür sind vielfältig: Geänderte Erlaubnisvoraussetzungen, gestiegene Anforderungen an Erstinformationen, komplexe Beratungsprozesse, ein enormer Dokumentationsaufwand sowie gegenwärtig die Senkung der Abschlusscourtagen im Zuge des Lebensversicherungsreformgesetzes (LVRG) sorgen dafür, dass die Kosten-Nutzen-Rechnung immer weniger aufgeht. Es stellt sich die Frage, welche Modelle geeignet sind, den Druck zu kompensieren. Der gesetzliche Rahmen hierfür ist derzeit allerdings eng gesteckt – ein Überblick.

Gastbeitrag von Jürgen Evers, Kanzlei Blanke Meier Evers Rechtsanwälte

Beratungs- und Gebührenmodelle: Eine Frage der Erlaubnis?

Jürgen Evers: “Die Zukunft der Mischmodelle ist offen, da bisher noch keine Gerichtsentscheidungen existieren, die sich mit Paragraf 12 a FinVermV auseinandergesetzt haben. Es gibt also für den Finanzanlagenvermittler zurzeit keine Rechtssicherheit.”

Zunächst ist die Beratung gegenüber Verbrauchern von Maklern gegen erfolgsunabhängiges Entgelt unzulässig. Nach Paragraf 34 d der Gewerbeordnung (GewO) dürfen Makler nur Nicht-Verbraucher rechtlich gegen gesondertes Entgelt beraten.

Vermittler muss sich entscheiden

Der Vermittler muss sich zwischen einer Erlaubnis nach Paragraf 34 f und Paragraf 34 h GewO entscheiden. Nach Paragraf 34 f GewO wird die Vergütung grundsätzlich vom Produktgeber an den Vermittler gezahlt.

Nach Paragraf 34 h GewO wird die Vergütung ausschließlich vom Anleger gezahlt und nach Paragraf 12 a der Verordnung über die Finanzanlagenvermittlung (FinVermV) besteht eine Informationspflicht des Beraters an den Kunden hinsichtlich der Vergütung. Der Versicherungsvermittler erhält seine Vergütung also entweder vom Versicherer, vom Kunden oder in einer Kombination aus beidem.

Der Finanzanlagenvermittler nach Paragraf 34 f GewO erhält seine Vergütung vom Produktgeber oder vom Anleger oder – derzeit umstritten – in einer Kombination aus beidem. Der Honorar-Finanzanlagenberater nach Paragraf 34 h GewO erhält seine Vergütung ausschließlich vom Anleger.

Mischmodelle für die Vergütung?

Es stellt sich daher die Frage, ob ein Finanzanlagenvermittler nach Paragraf 34 f GewO neben der Courtage vom Produktgeber zusätzlich eine Vergütung vom Anleger verlangen darf. Nach der Auffassung des Bundesministeriums für Justiz und Verbraucherschutz sind Mischmodelle unzulässig. Der Vermittler müsste sich demnach entscheiden, ob er vom Anleger oder vom Produktgeber vergütet werden möchte.

Gegen diese Ansicht spricht aber, dass es keine gesetzliche Grundlage für ein Verbot von Mischmodellen gibt. Paragraf 34 f GewO verbietet Mischvergütungen nicht. Paragraf 12 a FinVermV ist eine Verordnung, das bedeutet, sie bedarf einer Ermächtigungsgrundlage. Die Ermächtigungsgrundlagen der FinVermV sind die Paragrafen 11a V, 34 c III, 34 g GewO. Sie beinhalten keine Beschränkung der Freiheit des Finanzanlagenvermittlers, sich durch Provision, Honorar oder eine Kombination aus beidem vergüten zu lassen.

Versicherungs- vs. Finanzvermittler

Art. 17 Nr. 1 e) der IMD-2 Fassung des Europaparlaments sieht vor, dass der Versicherungsvermittler dem Kunden vor Abschluss des Versicherungsvertrags mitteilt, ob er im Zusammenhang mit dem Versicherungsvertrag auf Basis einer Gebühr arbeitet, die Vergütung also direkt vom Kunden erhält, oder auf Basis einer Provision arbeitet, die Vergütung also in der Versicherungsprämie enthalten ist. Ebenfalls darf er im Prinzip auf Basis einer Kombination aus beiden arbeiten.

Seite zwei: Konsequenzen für Mischmodelle

Weiter lesen: 1 2


Aktuelle Beiträge
Folgen Sie uns:
Aktuelle Beiträge aus dem Ressort Versicherungen


Topaktuelle Themen auf der Startseite


Cash.Aktuell

Cash. 07/2016

Inhaltsverzeichnis Einzelausgabe bestellen Cash. abonnieren

Themen der Ausgabe:

Income-Fonds  – Mr. Dax im Fonds-Gespräch – PKV - Ferienimmobilien - Recruiting

Ab dem 16. Juni im Handel.

Cash. 06/2016

Inhaltsverzeichnis Einzelausgabe bestellen Cash. abonnieren

Themen der Ausgabe:

Aktiv versus passiv  –Versicherungen für Immobilien –Luftfahrtmarkt – Marktreport Anlageimmobilien

1 Kommentar

  1. Leider wird dieses Thema immer nur vom „Ende“ des Beratungsprozesses her gesehen. Am Anfang steht grds. umfangreicher Zeitaufwand an neutraler, weil bedarfsgerechter Beratung für irgendwelche Finanzgeschäfte. Wer also nicht nur als „Verkäufer“ auftritt, sondern als „FinanzCoach“ mit ganzheitlicher Beratung, kann den gesamten Zeitaufwand an „betriebswirtschaftlicher Beratung“(sogar ohne 34c,d,f) rechtlich sicher mit einem Werkvertrag in Rechnung stellen, wenn es sonst nicht anderen Vergütungen kommt. Näheres im eBook VERMÖGENSPASS bei mwsbraun.de

    Kommentar von Frank L. Braun — 3. Dezember 2014 @ 10:35

Ihre Meinung

Mehr Cash.

Immobilien

Hypoport: Brexit lässt Immobiliennachfrage steigen

Nach Einschätzung des Vorstands der Hypoport AG wird der angekündigte EU-Austritt Großbritanniens keine negativen Auswirkungen auf die Geschäftsmodelle des Finanzdienstleisters ergeben. Viel wahrscheinlicher seien positive Impulse für den inländischen Finanzierungsmarkt.

mehr ...

Investmentfonds

Brexit: Pieter Jansen von NNIP im Exklusiv-Interview

Noch immer dominiert das Brexit-Referendum das Geschehen an den Finanzmärkten. Cash. sprach mit dem niederländischen Experten Pieter Jansen, Senior Strategist Insurance bei NN Investment Partners.

mehr ...

Berater

Langfristiges Wachstumspotenzial Japans intakt

Nach drei fulminanten Jahren hat sich die Stimmung an der Tokioter Börse merklich eingetrübt. Die Anleger verweisen auf die erneute Stärke des Yen. Viele Experten zweifeln mittlerweile auch an der Effektivität der Abenomics, sagt Richard Kaye, Portfoliomanager für japanische Aktien bei Comgest.

mehr ...

Sachwertanlagen

EEG-Reform: “Auf die Marktakteure wird viel Bürokratie zukommen”

Cash. sprach mit Karsten Reetz, geschäftsführender Gesellschafter der Reconcept Gruppe, über die Folgen der EEG-Novelle.

mehr ...

Recht

BVG billigt EZB-Krisenkurs unter Auflagen

Mitten in der Eurokrise beruhigte die EZB mit einem weitreichenden Versprechen die Märkte. Nach jahrelangem Streit billigt Karlsruhe den riskanten Alleingang der Notenbank – aber nicht bedingungslos.

mehr ...