Altersvorsorgedepot 2027: Warum sich der Einstieg mit 55 noch lohnt

Google Cash. bei Google als bevorzugte Quelle markieren
Altes Sparbuch neben einem Tablet mit grüner Wachstumskurve auf einem Holztisch.
Bild: KI-generiert
Zum Jahreswechsel löst das digitale Altersvorsorgedepot das klassische Riester-Modell ab.

Zum Jahreswechsel 2026/2027 löst das Altersvorsorgedepot die Riester-Rente ab. Eine Modellrechnung von Finanzen.net zeigt: Auch mit 55 Jahren lohnt sich der Einstieg noch - allerdings nicht in erster Linie wegen der höheren Zulage. Welche Steuerregel am Ende entscheidet, lesen Sie hier.

Das Altersvorsorgedepot 2027 ersetzt die Riester-Rente. Der Bundestag verabschiedete das zugrunde liegende Altersvorsorgereformgesetz am 27. März 2026; die Zustimmung des Bundesrats folgte am 8. Mai 2026. Zum 1. Januar 2027 startet das neue Produkt. Eine Modellrechnung von Finanzen.net zeigt: Selbst wer erst mit 55 Jahren einsteigt, profitiert von der neuen Förderung. Entscheidend ist dabei allerdings weniger die höhere Zulage als eine Steuerregel.

Was ist das Altersvorsorgedepot?

Das Altersvorsorgedepot ist das neue, staatlich geförderte Standardprodukt für die private Altersvorsorge und damit der Nachfolger der Riester-Rente. Sparer zahlen eigene Beiträge ein und erhalten dafür Zulagen vom Staat. Im Gegensatz zu Riester gibt es keine verpflichtende Beitragsgarantie mehr. Stattdessen können Anleger zwischen verschiedenen Garantiestufen oder einem Depot ganz ohne Garantie wählen. Erstmals öffnet sich das Produkt zudem für Selbstständige und Mitglieder berufsständischer Versorgungswerke, die bei Riester weitgehend ausgeschlossen waren.

Förderung des Altersvorsorgedepots: Höhere Zulagen als bei Riester

Die staatliche Förderung fällt höher aus als bei Riester. Statt der bisherigen Pauschale von 175 Euro zahlt der Staat künftig 50 Cent je eingezahltem Euro bis zu einem Eigenbeitrag von 360 Euro im Jahr. Für den darüber hinausgehenden Betrag zwischen 360,01 und 1.800 Euro legt der Staat zusätzlich 25 Cent je Euro drauf. Schöpft ein Sparer diesen Rahmen voll aus, erreicht er bis zu 540 Euro Grundzulage pro Jahr.

Zusätzlich erhalten Eltern für jedes kindergeldberechtigte Kind eine Kinderzulage. Dabei gibt der Staat je gespartem Euro des Elternteils einen weiteren Euro dazu, maximal bezogen auf einen Eigenbeitrag von 300 Euro im Jahr.

MerkmalRiester-RenteAltersvorsorgedepot (ab 2027)
Grundzulage175 Euro pauschalbis zu 540 Euro, gestaffelt
Kinderzulagekeine Angabe1 Euro je gespartem Euro, bis 300 Euro Eigenbeitrag pro Kind
Beitragsgarantieverpflichtendwählbar: 80 Prozent, 100 Prozent oder keine
Kostenobergrenze Standardproduktkeine Angabe1,0 Prozent effektive Jahreskosten
FörderberechtigteSelbstständige und Versorgungswerke weitgehend ausgeschlossenzusätzlich Selbstständige und Versorgungswerke
Quelle: Deutsche Rentenversicherung Bund, Deutscher Bundestag

Garantie, Zugang und Bestandsschutz: Was sich sonst ändert

Beim Altersvorsorgedepot stehen drei Varianten zur Wahl: ein Erhalt von 80 Prozent der eingezahlten Beiträge, ein Erhalt von 100 Prozent oder der vollständige Verzicht auf eine Garantie zugunsten einer Anlage in Fonds und ETFs. Wer bereits einen Riester-Vertrag besitzt, muss dagegen nichts unternehmen. Bestehende Verträge genießen Bestandsschutz und bleiben in ihrer bisherigen Form bestehen. Wer möchte, kann freiwillig ins neue Produkt wechseln, ohne die bislang erhaltenen Fördergelder zurückzahlen zu müssen.


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Modellrechnung zum Altersvorsorgedepot 2027: Das kann ein 55-Jähriger erzielen

Finanzen.net verdeutlicht die Wirkung der neuen Förderung anhand eines Beispiels mit einem 55 Jahre alten Sparer. Für die volle Förderung muss er selbst 1.800 Euro im Jahr aufbringen. Damit sichert er sich die höchstmögliche Grundzulage von 540 Euro. In Summe landen so jährlich 2.340 Euro in seinem Depot. Über zehn Jahre ergeben sich je nach angenommener Rendite unterschiedliche Endwerte.

Rendite pro JahrAltersvorsorgedepot nach zehn JahrenUngefördertes Normaldepot nach zehn Jahren
4 Prozent29.218 Eurokeine Angabe
6 Prozent32.694 Euro25.149 Euro
8 Prozent36.610 Eurokeine Angabe
Quelle: Finanzen.net (Modellrechnung)

Für das ungeförderte Normaldepot liegt nur ein Vergleichswert bei 6 Prozent Rendite vor. Auf dieser Stufe liegt das Altersvorsorgedepot nach zehn Jahren rund 7.500 Euro vorn.

Steuern beim Altersvorsorgedepot: Erst die Günstigerprüfung macht den Unterschied

Der Vorsprung durch die Zulage ist allerdings nicht die ganze Rechnung. Im Alter versteuern Sparer die komplette Auszahlung aus dem Altersvorsorgedepot als Einkommen - Eigenbeitrag, Zulagen und Erträge. Für ein gewöhnliches Wertpapierdepot gelten andere Regeln: Dort fällt nur auf die Erträge Abgeltungsteuer an, und der Sparerpauschbetrag stellt bis zu 1.000 Euro im Jahr steuerfrei.

Nach Einschätzung von Finanzen.net lohnt sich das Altersvorsorgedepot 2027 für 55-Jährige trotzdem - wenn auch aus einem anderen Grund, als gewöhnlich angeführt wird. Den Unterschied macht die Günstigerprüfung. Bei einem Grenzsteuersatz von 42 Prozent errechnet Finanzen.net daraus eine jährliche Steuererstattung von rund 443 Euro. Legt der Sparer diese Erstattung zehn Jahre lang bei 6 Prozent Rendite erneut an, wachsen daraus zusätzliche 6.187 Euro. Erst dadurch liegt das Altersvorsorgedepot im Nettovergleich vor dem ungeförderten Depot.

Den Beginn der Auszahlung können Sparer zwischen dem vollendeten 65. und 70. Lebensjahr selbst festlegen. Laut Finanzen.net verlängert ein späterer Beginn die Phase des Ansparens und kann so zu weiteren Jahren mit Rendite und Zulagen führen. Die Deutsche Rentenversicherung nennt für das Standardprodukt einen 20-jährigen Auszahlplan ab 65 Jahren als Regelfall, der mit 85 Jahren endet.

Kosten des Altersvorsorgedepots: Was Anbieter ab 2027 verlangen

Für das Standardprodukt gilt eine gesetzliche Obergrenze von 1,0 Prozent effektiver Jahreskosten. Der ursprüngliche Gesetzentwurf sah dafür noch einen Satz von 1,5 Prozent vor. Bereits vor der Debatte im Bundestag hatte Bundesfinanzminister Lars Klingbeil laut einer Mitteilung von Finanztip angedeutet, die Kostengrenze womöglich enger zu ziehen als ursprünglich vorgesehen. Erste Anbieter haben inzwischen Kostenstrukturen für das Altersvorsorgedepot 2027 angekündigt, die deutlich unter der gesetzlichen Grenze liegen.

AnbieterAngekündigte Kosten ab 2027
Deka / Sparkassen0,1 Prozent
Quirion0,07 bis 0,08 Prozent
Scalable Capitalmaximal 0,15 Prozent ab dem zweiten Jahr
Quelle: Cash.Online

Riester-Rente verliert seit Jahren an Rückhalt

Der Bestand geförderter Riester-Verträge sank nach Zahlen des Bundesministeriums für Arbeit und Soziales zum Jahresende 2025 auf 15,678 Millionen. Das waren 268.000 Verträge weniger als ein Jahr zuvor und bereits der achte Rückgang in Folge. Dieselbe Quelle schlüsselt den Bestand nach Produktarten auf: 9,745 Millionen davon entfielen auf Rentenversicherungen, 2,996 Millionen auf Fondssparpläne, 1,437 Millionen auf Wohn-Riester-Verträge sowie 0,486 Millionen auf Banksparpläne. Zusammengerechnet ergibt das rund 14,664 Millionen Verträge. Woher die Differenz zur genannten Gesamtzahl rührt, geht aus den Angaben nicht hervor.

Der Gesamtverband der Deutschen Versicherungswirtschaft zählte 2025 rund 9,5 Millionen Riester-Rentenversicherungen, 1,7 Prozent weniger als im Jahr zuvor. Der Verband erfasst dabei ausschließlich Rentenversicherungen. Gegenläufig entwickelten sich die Neuabschlüsse: 2025 stiegen sie auf rund 0,1 Millionen Verträge - ein Zuwachs von 330,9 Prozent im Vergleich zum Vorjahr. Vermutlich griffen viele Sparer noch im Vorgriff auf das Auslaufen des Produkts zu.

Oppositionsanträge zum Altersvorsorgedepot 2027 abgelehnt

Im Zuge der Beschlussfassung lehnte der Bundestag zwei Anträge der Opposition ab: Die AfD hatte einen reinen ETF-Sparplan gefordert, die Grünen einen automatischen Bürgerfonds nach schwedischem Vorbild. Daneben erhält die Bundesregierung eine Verordnungsermächtigung für ein öffentliches, staatlich verwaltetes Standarddepot. Es soll als Maßstab für private Anbieter dienen.

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