Mit nur einem Satz brachte Jerome Powell die Erwartungen an die Fed-Zinsentscheidung im Dezember 2025 binnen weniger Minuten zum Einsturz. Der damalige Fed-Chef bezeichnete eine weitere Zinssenkung am 29. Oktober 2025 als keineswegs ausgemachte Sache. Das fraß kurzzeitig die Gewinne an der Wall Street auf. Mehr als ein Jahr später bleibt die Episode ein Lehrstück dafür, wie stark einzelne Formulierungen der Notenbank die Terminmärkte bewegen können.
Seit dem 15. Mai 2026 führt nicht mehr Powell, sondern Kevin Warsh die US-Notenbank Federal Reserve. Bereits am 13. Mai 2026 bestätigte der Senat Warsh mit einem Stimmenverhältnis von 54 zu 45 als 17. Fed-Vorsitzenden. Einer der prägendsten Kommunikationsmomente aus Powells letzten Amtsmonaten war die Sitzung des Offenmarktausschusses, kurz FOMC, am 29. Oktober 2025. Der Leitzins sank zwar wie erwartet, doch Powell dämpfte in der anschließenden Pressekonferenz die Hoffnung auf eine rasche weitere Senkung.
Der Zinsschritt vom 29. Oktober: Was das FOMC beschloss
Die Notenbank reduzierte den Leitzins um 0,25 Prozentpunkte und legte die neue Zielspanne auf 3,75 bis 4,00 Prozent fest - so steht es in der Mitteilung der Fed vom 29. Oktober 2025. Der Beschluss fiel mit zehn Stimmen klar aus. Nur Stephen Miran forderte einen größeren Schritt von 0,5 Prozentpunkten, Jeffrey Schmid sprach sich für einen unveränderten Satz aus. Zugleich teilte der Offenmarktausschuss mit, den Abbau seiner Wertpapierbestände - besser bekannt als Quantitative Tightening - zum 1. Dezember 2025 einzustellen.
Powells Warnung bremst die Terminmärkte
Im Vorfeld der Pressekonferenz gingen die Terminmärkte laut CME FedWatch mit einer Wahrscheinlichkeit von etwa 90 bis 99,5 Prozent von einer weiteren Dezember-Senkung aus. Powell dämpfte diese Erwartung deutlich: „A further reduction in the policy rate at the December meeting is not a foregone conclusion. Far from it.“ Auf Deutsch: Eine weitere Senkung des Leitzinses im Dezember sei keine ausgemachte Sache - ganz und gar nicht. Er ergänzte: „In the Committee’s discussions at this meeting, there were strongly differing views about how to proceed in December.“ Zu Deutsch: In den Beratungen des Ausschusses habe es bei diesem Treffen deutlich unterschiedliche Ansichten darüber gegeben, wie im Dezember weiter zu verfahren sei.
Infolge dieser Aussage sank die von CME FedWatch ermittelte Wahrscheinlichkeit einer Dezember-Senkung auf rund 65 bis 71 Prozent. Damit zeigte sich, wie direkt Powells Wortwahl die Einschätzung der nächsten Fed Zinsentscheidung veränderte.
Wall Street reagiert gelassen - Nvidia sorgt für Gegengewicht
Die großen US-Indizes gaben am Handelstag nur leicht nach. Der S&P 500 beendete den Handel bei 6.884,45 Punkten und büßte damit 0,08 Prozent ein. Der Dow Jones verzeichnete im gleichen Umfang Verluste und schloss bei 47.666,56 Zählern. Der technologielastige Nasdaq hingegen verbuchte ein Plus von 0,32 Prozent und erreichte 23.903,89 Punkte.
Für den Anstieg beim Nasdaq sorgte vor allem Nvidia: Der Chiphersteller knackte an diesem Tag als erstes Unternehmen weltweit eine Marktkapitalisierung von fünf Billionen US-Dollar und legte um 2,7 Prozent zu. Powells Satz bewegte damit vor allem die Terminmarkt-Erwartungen für die nächste Zinsentscheidung der Fed, nicht aber die allgemeine Marktstimmung. Für Berater und Vermögensverwalter zeigt dieser Vorgang, wie stark die Kommunikation der Notenbank kurzfristige Marktbewegungen auslösen kann, selbst wenn die eigentliche Zinsentscheidung bereits feststeht.
Dezember-Sitzung: Dritter Fed-Zinsentscheid mit historisch vielen Gegenstimmen
Beim Fed-Zinsentscheid im Dezember 2025 reduzierte das FOMC den Leitzins tatsächlich zum dritten Mal in diesem Zyklus - wiederum um 0,25 Prozentpunkte und damit auf eine Spanne von 3,50 bis 3,75 Prozent. Powells Hinweis auf unterschiedliche Meinungen im Ausschuss bewahrheitete sich im Abstimmungsergebnis: Neun Mitglieder sprachen sich für die Senkung aus, drei stimmten dagegen. Miran plädierte wiederum für einen größeren Schritt von 0,5 Punkten, während Austan Goolsbee und Jeffrey Schmid keine Änderung befürworteten. Dass sich drei Mitglieder dagegen aussprachen, gilt innerhalb des FOMC als außergewöhnlich starke Uneinigkeit.
| Datum | Entscheidung | Neue Zielspanne | Abstimmung |
|---|---|---|---|
| 29. Oktober 2025 | Senkung um 0,25 Prozentpunkte | 3,75 bis 4,00 Prozent | 10 dafür, Miran für stärkere Senkung, Schmid dagegen |
| 10. Dezember 2025 | Senkung um 0,25 Prozentpunkte | 3,50 bis 3,75 Prozent | 9 dafür, 3 dagegen (Miran, Goolsbee, Schmid) |
Fed Zinsentscheidung unter neuer Führung: Vom Fed-Chef Powell zu Fed-Chef Warsh
Die geschilderte Episode zählt zu den letzten bedeutenden öffentlichen Auftritten Jerome Powells in seiner Rolle als Fed-Chef. Sein Mandat endete am 15. Mai 2026, zwei Tage nachdem der Senat Kevin Warsh mit 54 zu 45 Stimmen bestätigt hatte. Seither steht Warsh als 17. Vorsitzender an der Spitze der Notenbank. Auf welche Weise er künftig mit Markterwartungen und Pressekonferenzen rund um die Fed-Zinsentscheidung umgehen wird, lässt sich anhand der bislang verfügbaren Angaben noch nicht einschätzen.











