Als die DVAG vor mehr als einem halben Jahrhundert – im Jahr 1975 – von Dr. Reinfried Pohl und seiner Frau Anneliese gegründet wurde, war der damalige Bundeskanzler Helmut Schmidt (SPD) gerade einmal ein Jahr im Amt, die deutsche Wiedervereinigung noch in weiter Ferne und Computer allenfalls kühlschrank-große Rechenmaschinen für wenige Spezialisten.
Seitdem hat das Unternehmen nicht nur eine Reihe von Regierungen kommen und gehen sehen. Es hat alle Herausforderungen, etwa durch das Auf und Ab der Wirtschaft, durch Krisen wie die Pandemie, aber auch durch Innovationen und diverse Regulierungsrunden im Finanz- und Versicherungsvertrieb, gemeistert. Heute ist die DVAG mit rund 18.000 Vermögensberaterinnen und Vermögensberatern, etwa acht Millionen Kunden und einem betreuten Gesamtbestand von 262,7 Milliarden Euro die mit Abstand größte eigenständige Finanzberatung in Deutschland. Auch 2025 ist sie – trotz eines dynamischen Marktumfeldes – insgesamt und in den wichtigsten Geschäftsfeldern erneut gewachsen.

Trotz aller Veränderungen und Anpassungen bleibt das Unternehmen dem Kern des Geschäftsmodells seit über 50 Jahren treu. So ist die DVAG noch immer ein Familienunternehmen, mehrheitlich im Besitz der Familie Pohl und wird in zweiter Generation von Andreas Pohl als Vorstandsvorsitzendem geführt. Von Beginn an setzt das Unternehmen auf Allfinanzberatung, also die ganzheitliche Beratung der Kunden in Bezug auf den Vermögensaufbau, die Absicherung und die Altersvorsorge, durch selbstständige Vermögensberaterinnen und Vermögensberater. Zielsetzung sind langfristige, idealerweise lebenslange Geschäftsbeziehungen auf Augenhöhe. Unter anderem deshalb investiert die DVAG jährlich über 90 Millionen Euro in die Aus- und Weiterbildung der selbstständigen Vermögensberater.
Neben dem wirtschaftlichen Erfolg spielen auch klar definierte und gelebte Unternehmenswerte eine wichtige Rolle. Dabei haben die Prinzipien Kontinuität, Verlässlichkeit und Verantwortung einen hohen Stellenwert. „Wir erhalten unsere einzigartige, familiär geprägte Unternehmenskultur und übernehmen gesellschaftliche Verantwortung“, ist eines der strategischen Ziele der DVAG. So engagiert sie sich in verschiedenen sozialen Projekten und hebt stets hervor, dass sie als Familienunternehmen nicht an kurzfristige Aktionärsinteressen gebunden ist, sondern sich am langfristigen Unternehmenserfolg orientieren kann.
Aktuell steht die Finanzbranche in Deutschland einmal mehr vor Herausforderungen und grundlegenden Veränderungen. Da sind zum einen Themen wie die zuletzt schwache und fragile allgemeine wirtschaftliche Entwicklung des Landes, die geplante Neuordnung der Altersvorsorge oder die vielen internationalen Krisen und Einflüsse. Zum anderen muss sie sich mit den umwälzenden Neuerungen im Rahmen der Digitalisierung – insbesondere durch künstliche Intelligenz – auseinandersetzen. Cash. fragte Andreas Pohl nach der aktuellen Entwicklung der DVAG, der grundlegenden Strategie des Unternehmens und den Planungen für die Zukunft.
Wie kommentieren Sie das zurückliegende Geschäftsjahr und das Ergebnis 2025 der DVAG?
Pohl: 2025 war für uns ein Jahr des Rückblicks und des Aufbruchs. Wir haben in diesem Jahr unser 50-jähriges Bestehen gefeiert. Ein halbes Jahrhundert Unternehmensgeschichte, das erfüllt mich mit Stolz und Dankbarkeit. Wir haben in diesen fünf Jahrzehnten Millionen von Menschen über viele Lebensphasen begleitet und ihnen finanzielle Sicherheit gegeben. Das ist ein großer Erfolg und gleichzeitig eine Verpflichtung.
Darüber hinaus waren wir einmal mehr erfolgreich und konnten 2025 erneut ein Rekordergebnis verzeichnen. Dies zeigt, dass nachhaltiger Erfolg nur dort entsteht, wo Tradition und Zukunft zusammengedacht werden.

Die Welt ist derzeit an vielen Stellen in Unordnung. Die BaFin warnte unlängst vor plötzlichen Marktverwerfungen im Finanzsystem. Wie stabil ist die deutsche Finanz- und Versicherungswirtschaft insgesamt?
Pohl: Ich glaube, die wichtigste Botschaft ist zunächst: Ja, die Welt ist unruhiger geworden, aber es gibt feste Anker. Unsere Aufgabe als größter eigenständiger Finanzvertrieb ist es, einer dieser Anker zu sein. Wir arbeiten mit den existenziellsten Themen des Lebens: Altersvorsorge, Sicherheit, Vermögensaufbau. Gerade hier sind Verlässlichkeit und Vertrauen unverzichtbar.
Das bedeutet aber nicht Stillstand. Wir haben frühzeitig verstanden, dass wir Wandel aktiv gestalten möchten. Deshalb haben wir in den vergangenen Jahren die Deutsche Vermögensberatung konsequent auf Resilienz und Anpassungsfähigkeit ausgerichtet. Das betrifft unsere Beratung, unsere Technologie sowie unsere einzigartige Kultur.
Worauf es am Ende ankommt: Wir sind für die Menschen da – auch wenn die Zeiten unübersichtlich sind. Die Vermögensberaterinnen und Vermögensberater stehen dafür jeden Tag an der Seite ihrer Kundinnen und Kunden – mit dem Ziel, einen spürbaren Unterschied im Leben der Menschen zu machen.
Worauf führen Sie zurück, dass die DVAG auch in dem unsicheren Umfeld wächst?
Pohl: Ich führe das vor allem auf zwei Faktoren zurück: unser Allfinanzkonzept und das Vertrauen in unsere Vermögensberaterinnen und Vermögensberater. Mit unserer ganzheitlichen Allfinanzberatung ermöglichen wir langfristige Beziehungen. Unsere Vermögensberaterinnen und Vermögensberater agieren als Finanzcoaches, die die Lebenssituation ihrer Kunden verstehen und diese begleiten – mit dem Ziel, individuelle finanzielle Potenziale bestmöglich zu nutzen. Die Beziehungen zwischen Vermögensberatern und Kunden sind auf Langfristigkeit angelegt und basieren auf Vertrauen. Dieses entsteht nicht über Nacht – und es ist auch nicht selbstverständlich. Gerade in der Finanz- und Versicherungsbranche, in der es um Vorsorge, Vermögensaufbau und finanzielle Sicherheit geht, muss Vertrauen täglich neu aufgebaut werden.
Dabei setzen wir auf drei klare Prinzipien. Erstens auf Kontinuität: Viele unserer Kunden begleiten wir über Jahrzehnte, oft über Generationen hinweg. Zweitens auf Transparenz: Wir reden nicht nur über Chancen, sondern auch über Risiken. Nur so entsteht Glaubwürdigkeit. Und drittens auf Nähe: Trotz aller Digitalisierung bleibt der persönliche Kontakt für uns zentral. Gerade in unruhigen Marktphasen brauchen Menschen ein Gegenüber, das zuhört, erklärt und Perspektiven aufzeigt.
Für mich persönlich ist Vertrauen die wertvollste Währung. Wer sie einmal verliert, gewinnt sie nur schwer zurück. Deshalb ist Vertrauen das Fundament für unser Handeln.

Sie betonen die besondere Bedeutung der Vermögensberaterinnen und Vermögensberater für den Erfolg der DVAG. Was macht ihre Rolle so besonders?
Pohl: Unsere Vermögensberaterinnen und Vermögensberater sind das Fundament unseres Geschäftsmodells. Ihr Erfolgsbeitrag lässt sich nicht allein in Zahlen messen. Sie kennen ihre Kundinnen und Kunden und wissen, was diese bewegt. Diese Kontinuität schafft eine Tiefe im Verhältnis, wie sie in der Branche außergewöhnlich ist.
Unsere Beraterinnen und Berater denken nicht in einzelnen Produkten, sondern in Lebenssituationen. Sie begleiten junge Menschen beim Berufseinstieg, junge Familien beim Vermögensaufbau und ältere Generationen bei der Absicherung ihres Lebenswerks. Dieses Denken über alle Phasen hinweg ist Teil unserer DNA, und nur so können wir Lösungen anbieten, die wirklich zum Leben der Menschen passen.
Wir setzen auf ein Modell, das unternehmerische Selbstständigkeit vor Ort mit der Stabilität und Leistungsfähigkeit eines starken Unternehmens verbindet. Unsere Vermögensberaterinnen und Vermögensberater handeln eigenverantwortlich, sind regional verankert und greifen zugleich auf zentrale Strukturen, Erfahrungen und Unterstützung zurück. Diese Kombination aus unternehmerischer Eigenverantwortung und starker Gemeinschaft ist einzigartig.
Für mich sind sie deshalb mehr als Berater – sie sind Botschafter unserer Werte, Wegbegleiter in finanziellen Fragen und ein zentraler Schlüssel für den nachhaltigen Erfolg der DVAG. Ihr gesellschaftlicher Beitrag wird auch in den kommenden Jahrzehnten entscheidend sein.
Welchen Stellenwert hat KI inzwischen bei der DVAG und im Tagesgeschäft der Vermögensberaterinnen und Vermögensberater?
Pohl: KI wird die Finanz- und Versicherungswelt so grundlegend verändern wie einst das Internet. Das reicht von der Analyse großer Datenmengen über automatisierte Risiko- und Marktbeobachtungen bis hin zu neuen Kommunikationsformen. KI ist ein Werkzeug – kein Ersatz für den Menschen.
Unsere Vermögensberaterinnen und Vermögensberater sind für ihre Kundinnen persönliche Ansprechpartner, die sich nicht durch einen Algorithmus ersetzen lassen. Wohl aber können KI-gestützte Tools helfen, Beratung präziser, schneller und individueller zu machen. Die eigentliche Stärke entsteht in der Verbindung von Technologie und Menschlichkeit: KI liefert die Datenbasis und der Mensch gibt die Orientierung. Diese Haltung unterscheidet uns und wird auch in Zukunft unser Geschäftsmodell prägen.
Allgemein leidet die deutsche Wirtschaft unter Fachkräfte- und Nachwuchsmangel. Wie stellt sich die Situation bei der DVAG dar?
Pohl: Wer heute attraktive, sinnstiftende und zukunftsorientierte Perspektiven bietet, positioniert sich als Unternehmen für die nächste Generation. Als Deutschlands größte eigenständige Allfinanzberatung ist es unser Anspruch, genau diesen Raum zu schaffen – für Talente, die gestalten wollen, Verantwortung übernehmen möchten und echte Kundennähe leben. Um die Erfolgsgeschichte fortzuschreiben, bekennen wir uns zu der nachhaltigen Wachstumsstrategie „50 Jahre Zukunft”. Diese sieht unter anderem massive Investitionen in den Vertrieb vor. Ein besonderer Fokus liegt auf der Stärkung der Vermögensberaterinnen und Vermögensberater als selbstständige Unternehmer sowie ihrer Aus- und Weiterbildung. Ziel ist es, die hervorragende Qualität der Finanzberatung auch in den nächsten fünf Jahrzehnten zu sichern.
Maßgeblich für die Attraktivität des Berufsbildes des Vermögensberaters sind die zahlreichen Perspektiven, die sich bei uns bieten. Vor allem junge Talente erwarten Sinn, Flexibilität und Entwicklungsmöglichkeiten. Deshalb investieren wir in moderne Arbeitswelten, in kontinuierliche Weiterbildung und in echte Karriereperspektiven. Nur so bleiben wir ein attraktiver Partner.
Die wirtschaftliche Situation eröffnet uns also Chancen: Die junge Generation bringt neue Ideen, neue Energie und ein anderes Verständnis mit. Das bereichert uns als DVAG und macht uns zukunftsfähig. Die Wachstumsstrategie ist dabei auch ein klares Signal an Talente, Partner und Kundinnen und Kunden: Die DVAG gestaltet Zukunft – verantwortungsvoll, innovativ und erfolgreich.
Welche Aus- und Weiterbildungsmöglichkeiten bieten Sie den Vermögensberaterinnen und Vermögensberatern?
Pohl: Aus- und Weiterbildung hat für uns einen extrem hohen Stellenwert – nicht nur zu Beginn einer Karriere, sondern auch über alle beruflichen Stationen hinweg. Wir investieren jährlich über 90 Millionen Euro in ein breites Qualifizierungsangebot, das sowohl fachliche Themen als auch persönliche Kompetenzen umfasst. Dazu gehören Präsenzseminare, digitale Formate und E-Learnings, die flexibel in den Alltag integrierbar sind. Unsere Programme begleiten unterschiedliche Karrierewege – vom Einstieg über den praxisnahen Qualifikationsweg für Quereinsteiger bis hin zu anerkannten IHK-Abschlüssen und dualen Studienangeboten. Ergänzend dazu unterstützen erfahrene Kolleginnen und Kollegen als Coaches beim Aufbau des eigenen Geschäfts. Für Vermögensberaterinnen und Vermögensberater, die mehr Verantwortung übernehmen möchten, bieten wir zudem ein Leadershipprogramm, das gezielt auf zukünftige Führungsaufgaben vorbereitet.
Insgesamt verfolgen wir das Ziel, Menschen langfristig zu befähigen. Weiterbildung bedeutet für uns nicht, kurzfristige Wissenslücken zu schließen, sondern Perspektiven zu schaffen – fachlich, persönlich und unternehmerisch. Das stärkt nicht nur die Beratungsqualität, sondern fördert auch eine Lernkultur, die dem Anspruch unserer Kundinnen und Kunden ebenso gerecht wird wie den Erwartungen unserer Vermögensberaterinnen und Vermögensberater.
Wo sehen Sie die DVAG im Jahr 2030? Was sind Ihre wesentlichen strategischen Ziele?
Pohl: Ich sehe ein Unternehmen, das technologisch führend ist, aber niemals seine Nähe zu den Menschen verliert. Ein Unternehmen, das wirtschaftlich stark bleibt und gleichzeitig einen positiven Beitrag zur Gesellschaft leistet. Und ein Unternehmen, das für seine Kundinnen und Kunden noch relevanter ist als heute, weil die Herausforderungen in Sachen Vorsorge, Sicherheit und Vermögensaufbau wachsen werden.
Mein Ziel ist, dass wir 2030 zurückblicken und sagen können: Das 50-jährige Jubiläum war ein bedeutender Anlass zum Feiern – und zugleich der Startpunkt für die nächsten 50 Jahre Erfolg.
Interview: Stefan Löwer, Cash.












