Warum ein Betriebsausfall teurer ist als der Schaden selbst

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KI-generiertes Bild (OpenAI, gpt-image-2.5-sunburst): Rotes Warnlicht im Rechenzentrum. Im Bild erkennbar: keine erkennbaren realen Personen oder Marken. Rechte vor der Veröffentlichung prüfen.
Allianz Commercial registrierte 2025 mehr als 48.000 Störungen bei Cloud- und Software-Diensten, die das Risikobild für Betriebsunterbrechungen erweitern.

Eine Analyse von Allianz Commercial zeigt: Schäden aus der Betriebsunterbrechungsversicherung liegen im Schnitt bei über 850.000 Euro – rund 70 Prozent mehr als bei reinen Sachschäden.

Schäden aus der Betriebsunterbrechungsversicherung kosten Industrieunternehmen im Schnitt mehr als 850.000 Euro. Reine Sachschäden liegen mit knapp 500.000 Euro rund 70 Prozent darunter. Das geht aus einer Analyse von Allianz Commercial hervor, die der Industrieversicherer jetzt veröffentlicht hat. Grundlage bilden 7.888 Schadensfälle aus der industriellen Betriebsunterbrechungsversicherung, die zwischen dem 1. Januar 2021 und dem 31. Dezember 2025 erfasst wurden. Ihr Gesamtwert liegt bei rund 6,74 Milliarden Euro.

Auffällig ist dabei die Dynamik. Die Schadenhäufigkeit blieb stabil, während der durchschnittliche Schadenwert in den vergangenen zwei Jahren jeweils um mehr als 30 Prozent kletterte. Die Kosten wachsen also deutlich schneller als die Zahl der Vorfälle.

Thomas Lillelund führt Allianz Commercial seit Anfang 2025. Zuvor verantwortete er bei AIG das Geschäft in Europa, im Nahen Osten und in Afrika. Das Umfeld beschreibt Lillelund so: „Das Geschäftsumfeld ist von geopolitischen Spannungen, Handelsbarrieren, Cybervorfällen und wachsender Abhängigkeit von Technologien wie Künstlicher Intelligenz geprägt.“

Feuer und Naturkatastrophen treiben die Schäden

Nach Schadenwert ist Feuer die teuerste Ursache. Auf Brände und Explosionen entfallen mehr als 40 Prozent des untersuchten Gesamtwerts – das entspricht umgerechnet rund 2,9 Milliarden Euro. Laut der Mitteilung führten sie in Deutschland, Singapur, Hongkong, Großbritannien und den USA jeweils die Liste der teuersten Ursachen für Betriebsunterbrechungen an. Die beiden teuersten Ereignisse ohne Naturkatastrophenbezug im Datensatz waren zudem Brände in Halbleiterfabriken.

Naturkatastrophen folgen mit 34 Prozent des Schadenwerts. Nach Fallzahl führen sie die Statistik mit 26 Prozent allerdings an. Zusammen entfallen auf Feuer, Explosion und Naturkatastrophen damit mehr als drei Viertel des gesamten Schadenwerts.

SchadenursacheAnteil am GesamtschadenwertAnteil an der Schadenanzahl
Feuer und Explosionmehr als 40 Prozent (rund 2,9 Milliarden Euro)keine gesonderte Angabe
Naturkatastrophen34 Prozent26 Prozent
Feuer/Explosion und Naturkatastrophen zusammenmehr als 75 Prozent–

Cloud-Ausfälle erweitern das Risikobild

Technische Abhängigkeiten kommen hinzu. Allein im Jahr 2025 registrierte Allianz Commercial über 48.000 Störungen im Bereich Cloud- und Software-Dienste. Cybervorfälle zählt Lillelund entsprechend zu den Faktoren, die das Geschäftsumfeld derzeit prägen.


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Wiederherstellung dauert länger

Schadenfälle nach Naturkatastrophen ziehen sich teils über Jahre. Rund zwei Jahre nach dem Hurrikan Helene im September 2024 waren laut Angaben von Allianz Commercial zahlreiche damit zusammenhängende Schäden aus Betriebsunterbrechungen noch nicht abschließend geregelt. Der Grund lag dabei nicht in strittigen Deckungsfragen, sondern darin, dass sich betroffene Unternehmen noch nicht vollständig erholt hatten.

Lillelund ordnet das so ein: Das Ausmaß des physischen Schadens allein bestimme die endgültigen Kosten einer Betriebsunterbrechung nicht mehr.

Betriebsunterbrechungsversicherung: Was die Deckung leistet

Eine Betriebsunterbrechungsversicherung ersetzt den entgangenen Ertrag und die weiterlaufenden Fixkosten, wenn ein versichertes Ereignis den Betrieb stoppt – beispielsweise Feuer, Explosion oder eine Naturkatastrophe. Wie hoch der Schaden ausfällt, hängt deshalb auch davon ab, wie lange der Betrieb stillsteht. Genau an diesem Punkt setzt die Allianz-Analyse an.

Risikowahrnehmung sinkt, Schäden steigen

Die steigenden Schadenwerte stehen in einem auffälligen Gegensatz zur Risikoeinschätzung der Firmen selbst: Im gesondert durchgeführten Allianz Risk Barometer 2026 rutschten Betriebsunterbrechung und Lieferkettenunterbrechung erstmals seit 15 Jahren aus den beiden Spitzenplätzen der weltweit größten Unternehmensrisiken. Sie liegen nun auf Platz drei, hinter Cyberrisiken und Künstlicher Intelligenz. Die Schadendaten deuten hingegen darauf hin, dass das Kostenrisiko weiter zunimmt.

Was Vermittler und Industriekunden prüfen sollten

Auch vertrieblich liefert die Auswertung mehrere Ansatzpunkte. Zunächst das Verhältnis der Deckungssummen: Schäden aus der Betriebsunterbrechungsversicherung liegen im Schnitt rund 70 Prozent über reinen Sachschäden. Zudem rückt die Prävention in den Vordergrund. Alberto Barani, Leiter der Business Interruption Group im Bereich Risk Consulting bei Allianz Commercial, bezeichnet Prävention als wirksamste Form des Risikomanagements. Schon vergleichsweise geringe Investitionen könnten die Folgen einer Störung deutlich verringern.

Schließlich zählt das Tempo der Wiederherstellung. Charlotte Field, bei Allianz Commercial Regional Head Short-tail Claims für Asien, verweist darauf, dass in Asien oft die Geschwindigkeit der Wiederherstellung über die Schadenhöhe entscheidet – und nicht das Ausgangsereignis.

Marktumfeld: Prämienwachstum verliert an Tempo

Der Wachstumskurs des deutschen Schaden- und Unfallversicherungsmarkts hält an, verliert jedoch an Tempo. Laut dem Gesamtverband der Deutschen Versicherungswirtschaft (GDV) kletterten die Prämieneinnahmen dieser Sparte 2025 auf 99,7 Milliarden Euro, ein Plus von 7,7 Prozent. Für das Jahr 2026 rechnet der Verband branchenübergreifend nur noch mit einem Zuwachs von 4,7 Prozent. Dieser Markttrend lässt sich nicht unmittelbar auf das industrielle Geschäft mit der Betriebsunterbrechungsversicherung übertragen, zeigt aber, dass das Prämienwachstum insgesamt nachlässt.

Ein methodischer Vorbehalt bleibt: Die Daten stammen ausschließlich aus dem Industrieversicherungsgeschäft von Allianz Commercial und AGCS. Sie bilden damit keinen repräsentativen Marktdurchschnitt ab, sondern das Portfolio eines einzelnen, allerdings sehr großen Industrieversicherers. Wie weit sich die Trends auf andere Versicherer oder den breiteren deutschen Mittelstandsmarkt übertragen lassen, geht aus dem Bericht nicht hervor.

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