Buchrezension von Celine Nadolny: „Die Essenz des Erfolges“

Foto: Celine Nadolny

"Die Essenz des Erfolges" von Phil Jackson ist nicht nur für alle eingefleischten Basketball-Fans ein unglaublich spannendes Werk. Es ist voller Entdeckungen und Enthüllungen über die faszinierenden Persönlichkeiten aus der Welt des Basketballs.

Diesen durfte dieser legendäre Trainer nicht nur begegnen, sondern er formte sie und holte mit ihnen insgesamt elf NBA-Meisterschaften.

Vor allem für Fans der Chicago Bulls, aber auch der Los Angeles Lakers sollte Phil Jackson eine Legende sein. Aber auch alle anderen werden an ihm und seinen Erfolgen wohl nicht vorbeikommen. Sechsmal machte er die Bulls und fünfmal die Lakers zum besten Team der Welt. Die NBA-Stars, mit denen er zusammenarbeiten durfte, werden die meisten kennen. Vor allem jene, die unter ihm zu Legenden wurden. Die Herausforderung für den Coach Phil Jackson bestand darin, aus diesem Star-Ensemble ein Team aufzubauen, das gemeinsamen Siegeswillen entwickelte. Denn diesen braucht es, um auf höchster Ebene erfolgreich zu werden.

Wie viele Trainer scheitern Jahr für Jahr, obwohl sie vermeintlich ideale Bedingungen für den Erfolg des Teams präsentiert bekommen. Die Sportart ist dabei übrigens egal. Phil Jacksons Karriere zeichnet dagegen eine beinahe durchgehende Spur des Erfolgs. Kein anderer Trainer in der Geschichte des professionellen Basketballs gewann mehr Meisterschaften als er. Die Essenz dieses Erfolges möchte er in diesem Buch herunterbrechen und uns ein Stück weit Einblick in seine Geschichte geben.

Daraus können nicht nur Sporttrainer, sondern auch alle anderen Menschen viel mitnehmen.

Trainer leisten mehr als man denkt

Generell habe ich den Eindruck, dass wir in der Unternehmenswelt zu häufig auf Trainer im Sport herabblicken. Dabei stehen sie mitunter unter deutlich größerem und vor allem nahezu dauerhaftem Erfolgsdruck. Wir können sehr viel von ihnen lernen: Wie sie es beispielsweise schaffen, stetig neue Spieler in ihre Teams einzubauen, mit verschiedenen Charakteren umzugehen und gemeinsame Ziele zu verfolgen.

Insbesondere der Spitzensport ist an vielen Stellen ein Ort der Individualisten und Egoisten. Schwierige Charaktere, die vornehmlich ihren eigenen Zielen nachgehen wollen, auf eine Linie zu bekommen – das schaffen sicherlich nicht viele. Ich persönlich ziehe den Hut vor Menschen, die das Jahr für Jahr schaffen und wie Phil Jackson ein Vermächtnis aufbauen. Und das schreibe ich, ohne auch nur ansatzweise Basketball-Fan zu sein. Ich kannte Jackson bis zur Dokumentation über Michael Jordan überhaupt nicht. Deswegen las ich umso interessierter in diesem Buch über seine Gedankenwelt.

Es ist ein Werk über die Quellen von Motivation. Eines über Wettbewerb auf höchstem Niveau. Wo es mehr braucht, um erfolgreich zu werden, als nur besonders gut zu sein. Phil Jackson überzeugte Michael Jordan, den wohl besten Basketballspieler seiner Zeit, sich selbstlos in den Dienst der Mannschaft zu stellen. Auch wenn das für Michael Jordan bedeutete, für den Teamerfolg an der ein oder anderen Stelle auf persönliche Rekorde zu verzichten. Dabei bezieht sich das Buch nicht nur auf den Sport. Sondern es vermittelt auch uns Nicht-Profisportlern, wie wir in uns und anderen das Beste hervorbringen können.

Dennis Rodman galt als untrainierbar

Vielleicht kann Jackson sogar manchen Leser inspirieren, sich einer Sache zu widmen, die größer ist als er selbst. Das gelang ihm z. B. mit Dennis Rodman, der als untrainierbar galt. Oder Kobe Bryant, den er vom rebellischen Teenager zum Leader eines Meisterschaftsteams heranreifen ließ. Das sind nur einige Erfolge eines Phil Jackson, die bereits auf dem Backcover des Buches angeteasert werden. Die womöglich viel wichtigeren kleinen Entscheidungen neben und auf dem Spielfeld finden sich versteckt im Buch. In Gesprächen mit seinen Spielern, Trainerkollegen, der Presse oder den Vereinsverantwortlichen. In Gedanken und Überlegungen zu Transfers, Entwicklungen und Taktiken.

„Manche Trainer sind besessen davon, Trophäen zu gewinnen, während sich andere gerne im Fernsehen sehen. Was mich jedoch bewegt, ist, wenn junge Männer sich zusammenschließen und in den Zauber eintauchen, der sich in dem Moment manifestiert, wenn sie sich – mit Herz und Seele – auf etwas fokussieren, das größer ist als sie selbst. Wenn man das einmal erlebt hat, wird man es nie wieder vergessen.“ Phil Jackson

Man spürt, dass eine NBA-Meisterschaft wohl überlegt und sukzessive aufgebaut sein will. Und selbst, wenn man meint, alles richtig gemacht zu haben, ist der Erfolg noch lange nicht gebucht.

„Wie die meisten Champion-Teams der NBA hatten die Lakers der Jahre 2008/09 damit zu kämpfen, sich von einem Team, das keinerlei Zusammenhalt kannte und stattdessen von der jeweiligen Selbstüberzeugung der Spieler dominiert wurde, zu einer vereinten Mannschaft zusammenzuraufen, in der das Selbst des Einzelnen keine Rolle spielte. Sie waren nicht das hervorragendste Team, das ich je trainiert habe; diese Ehre gebührt den Chicago Bulls der Jahre 1995/96, angeführt von Michael Jordan und Scottie Pippen. Die Spieler waren auch nicht so talentiert wie diejenigen der Lakers-Mannschaft von 1999/00, zu der Spieler wie Shaquille O’Neal, Kobe Bryant, Glen Rice, Robert Horry, Rick Fox und Derek Fisher gehörten, die in spielentscheidenden Momenten Punkte erzielen konnten. Doch in der vereinten DNA der Lakers der Jahre 2008/09 steckte die noch nicht ausgereifte Veranlagung, etwas Großes zu erreichen.“ Phil Jackson

An dieser Stelle ein paar Worte zum Autor:

Phil Jackson ist eine NBA-Legende, die sowohl als Spieler als auch als Trainer eine erfolgreiche Karriere hinlegte. Als Spieler gewann er insgesamt elf NBA-Meisterschaften mit den New York Knicks in den 1970er Jahren. Danach wechselte er ins Coaching und gewann weitere elf Meisterschaften. Sechs mit den Chicago Bulls in den 90er Jahren und fünf mit den Los Angeles Lakers in den 2000er Jahren. Jackson gilt als einer der besten Trainer in der Geschichte der NBA. Er ist bekannt für seine einzigartige Philosophie des Erfolgs, die auf Spiritualität, Zusammenarbeit und mentaler Stärke basiert. Heute ist er als Autor, Redner und Berater tätig und bleibt ein wichtiger Einfluss auf die NBA und die Welt des Sports.

Co-Autor dieses Buches ist Hugh Delehanty, der auch bereits beim sehr erfolgreichen Buch „Eleven Rings“ von Phil Jackson mitgeschrieben hatte.

„In der NBA symbolisieren die Ringe Status und Macht. Ganz gleich, wie protzig oder unförmig ein Meisterschaftsring auch sein mag: Der Traum, einen solchen Ring zu gewinnen, ist es, was die Spieler motiviert, sich durch eine lange NBA-Saison zu quälen. Jerry Krause, der ehemalige General Manager der Chicago Bulls, hatte das verstanden. Als ich 1987 als Assistenztrainer zu dem Team kam, bat er mich, einen der beiden Meisterschaftsringe, die ich als Spieler der New York Knicks gewonnen hatte, zu tragen, und zwar als Motivationsanreiz für die jungen Spieler der Bulls.“ Phil Jackson

Inhaltlich ist das Buch eine klare Erweiterung zu den bekannten Jackson-Elf:

1. Menschenführung – Von innen nach außen

2. Drosselung des Egos

3. Jedem Spieler seine Bestimmung

4. Der Weg zur Freiheit ist ein schönes System

5. Aus dem alltäglichen etwas Heiliges machen

6. Ein Atem – ein Geist

7. Der Schlüssel zum Erfolg ist Einfühlungsvermögen

8. Achte auf deinen Geist, nicht auf die Anzeigetafel

9. Manchmal muss man den Stock herausholen

10. Im Zweifelsfall nichts tun

11. Vergiss den Ring

Es enthält darüber hinaus vor allem viele Geschichten. Der Autor versucht stets, daraus Lehren abzuleiten, die man zumindest ansatzweise auf das eigene Leben übertragen kann. Es geht um Kampfgeist, die Freude am Nichtstun, bittersüße Siege und Situationen, in denen sich das Blatt wendet. Dabei werden keine unschönen Situationen ausgespart, um den Autor in besserem Licht erscheinen zu lassen. Vielmehr liegt der Fokus darauf, dass die Leser möglichst viel mitnehmen können.

„Ich hasse es zu verlieren“

„Ich hasse es zu verlieren. Ich habe es schon immer gehasst. Als Kind war ich so versessen darauf zu gewinnen, dass ich oft in Tränen ausbrach und Kleinholz aus dem Brettspiel machte, wenn einer meiner älteren Brüder, Charles oder Joe, mich in einer Partie besiegte. Sie liebten es, mich aufzuziehen, wenn ich einen Wutanfall bekam, was mich aber nur noch verbissener machte, beim nächsten Mal zu gewinnen. Ich übte und übte, bis ich einen Weg gefunden hatte, sie zu schlagen und ihnen das selbstgefällige Grinsen aus dem Gesicht zu vertreiben.“ Phil Jackson

Phil Jackson ist sich sicher, dass es kontraproduktiv ist, nur auf den Sieg oder die Vermeidung einer Niederlage fixiert zu sein. Vor allem, wenn einem in der Folge die Kontrolle über die eigenen Emotionen aus den Händen gleitet. Für Jackson war es viel wichtiger, die Spieler zu Beginn jeder Saison dazu zu animieren, sich auf den Weg und nicht auf das Ziel zu konzentrieren. Das Wichtigste sei es, das Spiel richtig zu spielen und den Schneid zu haben, sich weiterzuentwickeln. Sowohl als Mensch als auch als Basketballspieler. Wenn man das tue, sei der Erfolg am Ende nur noch eine Frage der Zeit.

Nicht nur etwas für Basketball-Fans

Die Essenz des Erfolgs richtet sich nicht nur an Basketball-Fans, sondern an jeden, der erfolgreicher und erfüllter leben möchte. Dennoch würde ich Menschen, die mit Basketball absolut nichts anzufangen wissen, eher von dem Buch abraten. Es werden schon viele Details aus Spielzeiten thematisiert. Am Ende kommt es nicht ganz an die Tiefe der Bücher von Dale Carnegie heran. Es ist aber eben auch eine Art Biografie und weniger ein reines Sachbuch. Viele Zusammenhänge haben sich für mich zudem nur erschlossen, weil ich vorher bereits die Dokumentation von Michael Jordan gesehen hatte.

Wer den Sport liebt, wird definitiv auf seine Kosten kommen. Und auch für alle anderen ist zweifelsfrei etwas dabei!

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