BVK warnt erneut vor Staatsfonds und verteidigt persönliche Beratung

Foto: Screenshot Cash.
BVK-Präsident Michael H. Heinz (links) und -Vizepräsident Gerald Archangeli

Der geplante staatlich organisierte Fonds für die private Altersvorsorge stößt beim BVK weiter auf deutliche Ablehnung. Vor allem die Rolle des Staats als Anbieter und Regulierer zugleich sehen die Vermittler kritisch. Gleichzeitig erkennt der Verband einzelne Verbesserungen an.

Der Bundesverband Deutscher Versicherungskaufleute (BVK) lehnt den geplanten staatlich organisierten Fonds für die private Altersvorsorge weiter entschieden ab. Auf einer Pressekonferenz anlässlich des 125-jährigen Bestehens des Verbands kritisierte BVK-Präsident Michael H. Heinz insbesondere die Doppelrolle des Staates als Anbieter, Regulierer und Aufsicht. „Das ist ein absolutes No-Go, völlig daneben“, so Heinz zu dem Gesetzesvorhaben, das morgen (Freitag) im Bundesrat abschließend verabschiedet werden soll. „Ich habe mir nicht vorstellen können, dass so etwas unter einer CDU-geführten Bundesregierung beschlossen wird.“

Der BVK bezweifelt zudem, dass ein standardisiertes staatliches Vorsorgeprodukt den unterschiedlichen Lebenssituationen der Bürger gerecht werden kann. Heinz verweist auf offene Fragen bei Kapitalschutz, Kostenstruktur, Rendite und Verrentung. Gleichzeitig hebt er die Bedeutung persönlicher Beratung hervor. Die Vermittler würden ihre Kunden oft über Generationen begleiten.

BVK verteidigt persönliche Beratung

Besonders kritisch bewertet der Verband auch Überlegungen, Anlageprodukte künftig ohne Beratung und Dokumentation leichter zugänglich zu machen. In diesem Punkt gibt es offenbar einen Konflikt auch mit dem Gesamtverband der Deutschen Versicherungswirtschaft (GDV), der die Versicherer vertritt. Von Vorstandsvorsitzenden oder Vertriebsvorständen von Versicherungsgesellschaften selbst habe er hingegen noch keine Zustimmung zu diesem Punkt gehört, betonte Heinz.

„Die Beratung und Dokumentation ist ein für uns unverzichtbares Asset im Sinne des Verbraucherschutzes“, sagte Heinz. Der BVK lehne es ab, gesetzliche Beratungs- und Dokumentationspflichten aufzuweichen, um Produkte schneller vertreiben zu können.

Selbstständige künftig förderfähig

Trotz der grundsätzlichen Kritik erkennt der BVK einzelne Verbesserungen im Gesetzgebungsvorhaben an. BVK-Vizepräsident Gerald Archangeli verweist darauf, dass Selbstständige künftig in die geförderte private Altersvorsorge einbezogen werden sollen.

„Das war eine Kernforderung, die erst in letzter Minute aufgenommen wurde“, erklärte Archangeli. Aus Sicht des Verbandes sei dies ein wichtiger Schritt, weil Selbstständige bislang von vergleichbaren Fördermodellen weitgehend ausgeschlossen gewesen seien.

Zudem begrüßt der BVK die geplante Lockerung bisheriger Garantievorgaben in geförderten Vorsorgeprodukten. Dadurch könnten Renditechancen verbessert werden.

Sorge vor Wettbewerbsverzerrung

Der Verband sieht dennoch erhebliche Risiken für den Wettbewerb. Heinz fordert gleiche Regeln für alle Marktteilnehmer. Wer Altersvorsorgeprodukte vertreibe, müsse denselben Anforderungen bei Beratung, Dokumentation und Zulassung unterliegen. Auch neue Anbieter wie Finfluencer oder Neobroker dürften aus Sicht des BVK nicht von regulatorischen Vorgaben ausgenommen werden. „Wir haben alle die gleichen Spielregeln“, betont Heinz.

Für Vermittler sieht der Verband die persönliche Analyse individueller Kundenbedürfnisse weiterhin als zentrales Geschäftsmodell. Archangeli erklärt, es werde keine Strategie geben, gezielt staatliche Standardprodukte zu vertreiben. Im Mittelpunkt stehe weiterhin die Bedarfsanalyse einschließlich biometrischer Risiken.

Heinz betonte, dass die BVK-Mitglieder sich nicht als Produktverkäufer verstehen, sondern als langfristiger Begleiter der Kunden. „Unser Ansatz ist lebenslanges Begleiten und Beraten“, sagte er. Die Einbeziehung des Staatsfonds in die Beratung sei allenfalls denkbar, wenn die Kunden statt der nicht vorgesehenen Provision ein entsprechendes Honorar zahlen. „Wo dann die Kostenersparnis für die Kunden sein soll, weiß ich allerdings nicht“, so Heinz.

Auf die Frage, wann ein solches staatliches Standardprodukt frühestens starten werde, verwiesen Heinz und Archangeli auf den politisch festgelegten Starttermin Anfang 2027 und ließen insofern offen, ob sie dies für realistisch halten. Ob ein solches Angebot bei den Bürgern tatsächlich breite Akzeptanz findet, lasse sich derzeit jedoch noch nicht abschätzen.

Initiative für Vermittlerinnen

Der Verband stellte zudem eine Initiative für Vermittlerinnen vor. Frauen seien im Versicherungsvertrieb nach wie vor deutlich unterrepräsentiert – ein Zustand, den der BVK aktiv verändern will. Er setze damit ein klares Zeichen für mehr Unterstützung, Sichtbarkeit und bessere Rahmenbedingungen für Vermittlerinnen, unter anderem bei den im Rahmen einer Online-Umfrage als größte Herausforderungen im Berufsalltag am häufigsten genannten Stichworten Vereinbarkeit von Beruf und Familie (60 Prozent), Selbstmarketing und Sichtbarkeit (59 Prozent) sowie Anerkennung im Markt und bei Kunden (57 Prozent).

Der BVK feiert heute mit rund 700 Gästen sein 125-jähriges Bestehen im Berliner Admiralspalast. Zu den angekündigten Festrednern zählt unter anderem Ex-Bundespräsident Christian Wulff.

Weitere Artikel
Abonnieren
Benachrichtigen bei
0 Comments
Inline-Feedbacks
Alle Kommentare anzeigen