Capgenimi: KI-Vorreiter setzen sich in der Schadenversicherung ab

Foto: Adobe Stock/ peno
Schaden- und Unfallversicherer nutzen Künstliche Intelligenz zunehmend, doch der wirtschaftliche Nutzen bleibt oft begrenzt.

Schaden- und Unfallversicherer nutzen Künstliche Intelligenz zunehmend, doch der wirtschaftliche Nutzen bleibt oft begrenzt. Nach dem „World Property & Casualty Insurance Report 2026“ des Capgemini Research Institute zählt nur ein kleiner Teil der Branche zu den Unternehmen, die KI bereits strategisch einsetzen.

Diese Gruppe, im Bericht als „intelligence trailblazers“ bezeichnet, erreicht über drei Jahre ein bis zu 21 Prozent höheres Umsatzwachstum als Wettbewerber. Zudem verzeichneten diese Versicherer laut Studie einen Anstieg des Aktienkurses um rund 51 Prozent. Ein Grund für die Lücke liegt in der fehlenden Messbarkeit. 42 Prozent der Versicherer erfassen demnach keine KI-Kennzahlen. Ohne belastbare Daten bleiben viele Projekte im Teststadium: 60 Prozent der Anbieter befinden sich noch in der Erkundungs- oder Proof-of-Concept-Phase.

KI braucht klare Zuständigkeiten

„Die Versicherungsbranche steht vor ihrem Moment der Wahrheit: Die Vorreiter liefern den Beweis dafür, dass sich KI zu einem echten Wettbewerbsvorteil entwickelt, der sich direkt auf das Geschäftsergebnis auswirkt. Voraussetzung dafür ist, dass Versicherer sie von Anfang an in ihre Geschäftsstrategie einbetten“, so Dr. Joachim Rawolle, Leiter Versicherungen bei Capgemini in Deutschland. Die erfolgreicheren Versicherer investieren laut Studie fast viermal häufiger in Change Management, das über Grundlagenschulungen hinausgeht.

Zudem verfügen sie fast dreimal häufiger über eine Infrastruktur für erklärbare KI und verankern KI fast doppelt so häufig direkt in Stellenbeschreibungen. Viele Unternehmen setzen dagegen vor allem auf Technik. Im Schnitt fließen 72 Prozent der KI-Investitionen in Technologie und Infrastruktur, aber nur 28 Prozent in Change Management, Schulungen und organisatorische Anpassungen. Capgemini spricht hier von einem „Architektur-Mismatch“.

ROI bleibt für viele Versicherer unklar

Mehr als die Hälfte der Schaden- und Unfallversicherer sieht keinen klaren „Return on Investment“ für KI-Initiativen. Ebenso viele geben an, dass unklar ist, wer im Unternehmen die Verantwortung für KI trägt. Und auch auf Mitarbeiterebene zeigen sich Grenzen. So nannten 67 Prozent der Versicherer fehlende KI-Kompetenzen als Hürde.


Das könnte Sie auch interessieren:

47 Prozent der Beschäftigten mit Zugang zu KI-Tools berichten, dass sich ihr Arbeitsalltag auch nach 18 Monaten Nutzung nicht verändert hat. Hinzu kommt eine Vertrauensfrage. 43 Prozent der Mitarbeiter nennen Arbeitsplatzsicherheit als größtes Anliegen. Nur 14 Prozent haben eine sehr klare Vorstellung davon, wie KI in ihre Arbeit passt.

Datenbasis und Zusammenarbeit entscheiden

Nach Einschätzung von Capgemini müssen Versicherer KI stärker in Zusammenarbeit, Entscheidungen und Prozesse einbetten. Fast die Hälfte der Arbeitszeit entfällt auf teamübergreifende Zusammenarbeit, während viele KI-Tools weiterhin nur einzelne Aufgaben unterstützen. Hinzu kommt, dass auch die Datenreife ein Engpass bleibt. Nur zwöfl Prozent der Versicherer sehen sich bei der Datenbasis auf einem sehr hohen Reifegrad, obwohl viele Anwendungsfälle auf bislang unstrukturierten Daten beruhen.

Für die Studie befragte Capgemini 344 Führungskräfte von Schaden- und Unfallversicherern, 809 Beschäftigte aus Underwriting, Schadenbearbeitung, Vertrieb und Kundenservice sowie 1.113 Versicherungsnehmer in Nord- und Südamerika, Europa und dem asiatisch-pazifischen Raum.

Weitere Artikel
Abonnieren
Benachrichtigen bei
0 Comments
Inline-Feedbacks
Alle Kommentare anzeigen