In Ihrer Mitteilung zu der Transaktion ist einerseits von „Zusammenschluss“ die Rede, andererseits betonen Sie die „unternehmerische Eigenständigkeit der beiden Firmen“. Wie ist das zu verstehen und was bedeutet es konkret?
Steinmeyer: Das bedeutet, dass die Unternehmen in ihrer operativen Grundstruktur, unter ihrem Namen und ihrer Führung eigenständig bleiben. Der Zusammenschluss ist strategischer Natur und zielt auf die Hebung gemeinsamer Potenziale ab. Konkret bedeutet die unternehmerische Eigenständigkeit Folgendes: Die Unternehmensidentität bleibt erhalten, sodass Name, Standort und operative DNA von Netfonds bestehen bleiben („Wir bleiben wir“). Der Netfonds Vorstand und die Führungsstruktur auf allen Ebenen bleiben in der jetzigen Besetzung bestehen und treffen die operativen Entscheidungen im Alltagsgeschäft weiterhin eigenverantwortlich. Zudem bleiben die bestehenden Arbeitsinfrastrukturen und Prozesse grundsätzlich unverändert. Die nächsten Monate werden dazu genutzt, die Ansätze zu identifizieren und zu priorisieren, in denen gemeinsames Potenzial genutzt werden kann.
Voncke: Der wirtschaftliche Zusammenschluss erfolgt auf Ebene der gemeinsamen Holding. Operativ bleiben beide Unternehmen vollständig eigenständig, mit eigener Marke, eigener Plattform und klar getrennten Verantwortlichkeiten. Zusammengeführt wird die strategische Ausrichtung, nicht das operative Geschäft.
Welche Rolle wird künftig das Haftungsdach von Netfonds im Gesamtkonzept spielen?
Steinmeyer: Das Haftungsdach ist und bleibt eine zentrale Kerndienstleistung der Netfonds Gruppe, die wir konsequent weiter ausbauen werden. Es bildet den Ankerpunkt für unsere Investment-Kompetenz und regulatorische Stabilität. Wir fokussieren uns dabei auf die Zielgruppe der Private Banker und Vermögensverwalter und bieten bereits heute ein umfassendes Leistungsangebot. Durch die Allianz bringen wir unsere Investment-Expertise ein, um auch den Partnern von Blau Direkt im Bereich Finanzanlagenvermittlung gemäß Paragraf 34f GewO die bestmöglichen Mehrwerte zu bieten.
Blau Direkt hat kürzlich in einem Statement gegenüber Cash. „eine zunehmend autonome Plattform, in der perspektivisch Hunderte spezialisierte KI-Agenten unter fachlicher Aufsicht unserer Experten in Lübeck arbeiten“ angekündigt. Bleibt es auch in der neuen Konstellation bei dieser Zielsetzung und wo ist künftig noch Platz für die Makler?
Voncke: Ja, diese Zielsetzung besteht weiterhin und wir gehen sogar davon aus, dass sich die Umsetzung durch die gemeinsamen IT-Potenziale künftig noch beschleunigen wird. Für uns ist dabei klar: Der Makler ist und bleibt der entscheidende Faktor in der Wertschöpfungskette. Durch fortschreitende Automatisierung wird seine Rolle sogar noch relevanter. Denn persönliche Beratung, langjährige Praxiserfahrung und tiefe fachliche Expertise werden künftig noch stärker zum entscheidenden Unterscheidungsmerkmal. Der Einsatz von KI-Agenten im Hintergrund dient genau dazu, Makler im Alltag zu entlasten: Manuelle Tätigkeiten werden auf ein Minimum reduziert, administrative Prozesse zwischen Versicherern, Maklern und Endkunden weitestgehend automatisiert. Gleichzeitig statten wir Vermittler mit den richtigen Informationen und Werkzeugen aus, damit sie in Beratung und Service bestmöglich aufgestellt sind.
Wie kommentieren Sie die generelle Kritik, die der Verband BVK im letzten Herbst auf der DKM geäußert hat, wonach durch den Einsatz von KI bei Maklerpools eine Abhängigkeit der Makler von den Dienstleistern entstehen könnte, „die wir uns vor einem Jahr noch nicht hätten vorstellen können“?
Steinmeyer: Unser Ziel ist es, Lösungen für unsere Kunden zu schaffen. Dazu gehört, ihre Wettbewerbsfähigkeit zu gewährleisten, was heute wesentlich durch Automatisierung erreicht werden kann. Wir bieten diese Lösungen in einem „sicheren Umfeld”, denn wir berücksichtigen dabei auch die regulatorischen und technischen Anforderungen. Dies nicht zu tun, ist aus unserer Sicht ein größeres
Risiko. Nicht alle Pools und Plattformanbieter können oder wollen diese Lösungen anbieten – wir aber schon.
Voncke: Ich glaube, entscheidend ist die Perspektive aus dem Alltag der Makler. Technologie wird dann als Abhängigkeit wahrgenommen, wenn sie einschränkt. Unser Ansatz ist deshalb klar: Die Nutzung unserer Lösungen ist immer darauf ausgerichtet, den Makler zu entlasten und ihm mehr Freiraum zu geben. Wir reduzieren manuelle Tätigkeiten, automatisieren administrative Prozesse und sorgen dafür, dass Makler schneller und besser auf relevante Informationen zugreifen können. Dadurch gewinnen sie Zeit für das, was den eigentlichen Unterschied macht, die Beratung ihrer Kunden. Am Ende entsteht keine Abhängigkeit durch Technologie, sondern ein echter Produktivitätsgewinn. Und genau darin sehen wir unseren Auftrag als Infrastrukturdienstleister und Technologieanbieter.
















