Seit der Reform der EU-ELTIF-Verordnung per Januar 2024 hat das Segment nach einem zunächst etwas zögerlichen Start inzwischen kräftig Fahrt aufgenommen: Insgesamt 32 ELTIFs, die aktiv im Vertrieb an deutsche Privatanleger sind, hat die Cash.-Redaktion bei der jüngsten Markterhebung im September 2025 auf Basis der Datenbank der EU-Wertpapieraufsicht ESMA sowie Pressemitteilungen und Websites der Anbieter gezählt.
Der Vertriebsstart jedoch war, soweit zu hören ist, in vielen Fällen langwierig – vor allem für Anbieter, die nicht zu einer großen Finanzgruppe mit eigenem Filialnetz oder etablierten Vertriebskanälen in Deutschland gehören. Neben noch nicht eingespielten Produktprüfungs-Abläufen für das neue Vehikel auf Seiten des Vertriebs dürfte dabei vielfach ein Punkt im Vordergrund gestanden haben: Die Herstellung der Depotfähigkeit der ELTIF-Anteile. Diese wird als ein großer Pluspunkt des Vehikels angesehen. Doch zunächst entpuppte sich die direkte Einbuchung der Anteile ins Kudendepot als Bremsklotz: Die praktische Umsetzung stellte sich als weitaus anspruchsvoller heraus als ursprünglich angenommen, vor allem in Bezug auf die erforderliche laufende Bewertung der Anteile. Denn hierfür sind – anders als bei Wertpapierfonds – keine täglichen Börsenpreise verfügbar.
Inzwischen finden, soweit Informationen vorliegen, mehr und mehr Fonds und Depotbanken entsprechende Lösungen – teilweise auch im Zusammenspiel mit Neobrokern und Plattformen. So ist davon auszugehen, dass 2026 auch der Vertrieb der vielen Fonds auf breiter Front durchstartet. Gesetzliche Restriktionen bezüglich Mindestbeteiligung oder Anlegereignung gibt es nicht mehr. Private Markets für alle, also.
Dabei ist ELTIF indes keineswegs gleich ELTIF. Die Bandbreite der Konzepte ist groß. So reichen die Assetklassen von diversen Facetten an Private-Equity-Fonds über Infrastruktur und Erneuerbare Energien bis zu Private Debt und verschiedenen Multi-Asset-Fonds, die in dem Segment auch Multi-Alternative-Fonds genannt werden.
Doch die Assetklassen sind es nicht allein. Unterscheidungsmerkmal ist daneben, ob es sich um eine geschlossene oder semi-liquide beziehungsweise Evergreen-Struktur handelt, also mit Rückgabemöglichkeit und gegebenenfalls laufenden Mittelzuflüssen. Auch die konzeptionellen Eckdaten wie Mindestanlage, Laufzeit, Mindest-Haltedauer und Kündigungsfristen sind höchst unterschiedlich. Dazu kommt ein Faktor, der wahrscheinlich auch in diesem Segment maßgeblich für den Erfolg oder Misserfolg der Fonds sein wird: Das Management. Auch diesbezüglich ist die Bandbreite groß: Sie reicht von mittelständischen Spezialisten für ein bestimmtes Marktsegment über Tochtergesellschaften von deutschen Banken oder Versicherungskonzernen bis zu global aufgestellten, internationalen Investment-Riesen.
Diese Vielfalt zeigt sich auch beim Roundtable im Rahmen dieses Cash.Extra. Die vertretenen Unternehmen und ihre Produkte könnten unterschiedlicher kaum sein. So gehört J.P. Morgan Asset Management zur gleichnamigen US-Investment-Bank und ist einer der größten Investmentmanager weltweit. Der JP Morgan ELTIFs Multi-Alternatives Fund hat eine Evergreen-Struktur, also eine faktisch unbegrenzte Laufzeit von 99 Jahren, bei einer Mindest-Haltedauer von fünf Jahren. Der Fonds kann in mehr als 15 Teilsektoren der Privatmärkte investieren, die die Bereiche Infrastruktur, Immobilien, Private Debt und Private Equity abdecken. Insgesamt wird ein Portfolio mit mehr als 1.000 Private-Market-Investments rund um den Globus angestrebt. Die Mindestanlage liegt bei einem Euro.
Wenigstens 1.000 Euro müssen Kunden mitbringen, die in den Privado Infrastructure ELTIF von Swiss Life Asset Managers investieren möchten. Das Unternehmen gehört zum Versicherungskonzern Swiss Life, der unter anderem über eine Infrastruktur-Plattform mit einem Investitionsvolumen von zwölf Milliarden Euro verfügt. Davon stammt die Hälfte von der Versicherung selbst. Der Privado Infrastructure soll ebenfalls nur Engagements eingehen, in die auch Swiss Life selbst investiert. Im Fokus sind direkte Investments in Infrastrukturunternehmen und -projekte in OECD-Ländern mit dem Schwerpunkt Europa. Der Fonds ist mit einer Laufzeit von 50 Jahren und grundsätzlich vierteljährlicher Rückgabemöglichkeit konzipiert.
Der MPE Mid Market Private Equity ELTIF hingegen ist ein geschlossenes Konzept, also mit begrenzter Laufzeit, aber ohne vorherige Kündigungsmöglichkeit für die Kunden. Der Dachfonds ermöglicht Privatanlegern ab 5.000 Euro die mittelbare Investition über Private-Equity-Zielfonds in eine Vielzahl nicht börsennotierter, mittelständischer Unternehmen aus der Europäischen Union. Munich Private Equity ist seit über 25 Jahren auf Private-Equity-Dachfonds für Privatanleger spezialisiert, ausschließlich auf diese Assetklasse fokussiert und beziffert das bisherige Anlagevolumen auf insgesamt 2,3 Milliarden Euro in über 160.000 Anlageverträgen. Mit dem ELTIF setzt das Unternehmen das Konzept nun (auch) mit dem neuen Vehikel fort.
Lesen Sie auf den nächsten Seiten unter anderem, warum die Unternehmen ihre Fonds so konzipiert haben wie sie sind, wie sie das Vehikel ELTIF generell sehen, in welche Richtung sich die jeweiligen Assetklassen entwickeln, wie gut und über welche Vertriebskanäle die Platzierung läuft und welche Folgen die aktuellen geopolitischen Turbulenzen und Kriege haben.
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