Frau Schmidt, warum hat sich J.P. Morgan Asset Management entschieden, 2025 seinen ersten ELTIF aufzulegen?
Schmidt: 2025 war aus unserer Sicht ein idealer Zeitpunkt. Zum einen hat sich der regulatorische Rahmen mit ELTIF 2.0der 2024 in Kraft getreten ist, deutlich verbessert. Die Reform ermöglicht Asset Managern mehr Flexibilität, um alternative Anlagestrategien im europäischen Private-Wealth- und Retail-Segment anzubieten.
Zum anderen sehen wir eine stark steigende Nachfrage. Institutionelle Investoren investieren seit Jahrzehnten in alternative Anlagen – etwa in Immobilien, Infrastruktur, Private Equity oder Private Credit. Privatanleger hingegen hatten bislang nur eingeschränkten Zugang zu diesen Anlageklassen. Hier besteht eine deutliche Lücke. Mit ELTIF 2.0 eröffnet sich nun die Möglichkeit, diese Lücke zu schließen.
Wir freuen uns daher, 2025 eine Multi-Alternatives-Lösung anbieten zu können, die das gesamte Spektrum alternativer Anlagen abdeckt. Dabei bauen wir auf der Stärke der J.P.-Morgan-Alternatives-Plattform auf.
J.P. Morgan investiert seit über 60 Jahren in alternative Anlagen und überwacht in diesem Bereich mehr als 400 Milliarden US-Dollar. Unser Team „Alternative Investment Strategy Solutions“ entwickelt seit über 15 Jahren Multi-Alternatives-Strategien.
Der Multi-Alternatives-ELTIF wurde konzipiert, um durch die Kombination verschiedener alternativer Anlageformen höhere Renditen bei gleichzeitig reduziertem Risiko zu erzielen. Es ist für uns ein wichtiger Schritt, institutionelle Qualität nun auch Privatanlegern zugänglich zu machen.
Welches konkrete Kundenproblem soll der ELTIF lösen?
Schmidt: Der ELTIF soll Anlegern die Vorteile zugänglich machen, die alternative Anlagen – insbesondere in einem Multi-Alternatives-Portfolio – bieten können. Im Vergleich zu traditionellen Portfolios aus Aktien und Anleihen sprechen wir bei Alternatives häufig von drei zentralen Mehrwerten: „AID“, also Alpha, Inflationsschutz und Diversifikation.
A steht für Alpha. Damit meinen wir die zusätzliche Renditeprämie, die alternative Anlagen langfristig gegenüber klassischen Aktien- und Anleiheinvestments liefern können. In unserem langfristigen Erwartungsrahmen gehen wir davon aus, dass beispielsweise Private Equity oder auch mit Immobilien deutliche Renditeaufschläge gegenüber öffentlichen Märkten erzielen können. Hinzu kommt eine Illiquiditätsprämie, die Investoren für die langfristige Kapitalbindung erhalten.
I steht für Inflationsschutz. Vor allem reale Vermögenswerte wie Infrastruktur, Transport oder Immobilien bieten impliziten sowie expliziten Schutz vor Inflation, etwa durch indexierte Cashflows oder reale Sachwertkomponenten. Klassische Aktien- und Rentenanlagen können diesen Schutz oft nicht in gleicher Form bieten. In einem potenziell inflationsgeprägten makroökonomischen Umfeld gewinnen reale Assets daher an Bedeutung.
D steht für Diversifikation. Alternative Anlagen weisen im Vergleich zu traditionellen Aktien- und Anleihemärkten häufig eine geringere Korrelation auf. Besonders reale Assets können das Portfolio stabilisieren und in Stressphasen zur Risikoreduktion beitragen.
Ein Multi-Alternatives-ELTIF kombiniert diese Eigenschaften. Im Unterschied zu Single-Asset-Strategien bietet er eine durchdachte Kombination der wichtigsten alternativen Anlageklassen, die untereinander ebenfalls nur gering korreliert sind. Dadurch entstehen eine breitere Risikostreuung, zusätzliche Renditechancen und insgesamt ein robusteres Portfolio im Vergleich zu Investments in einzelne alternative Sektoren . Zugleich erhalten auch Privatanleger Zugang zu Anlageformen, die früher vor allem institutionellen Investoren vorbehalten waren – und das mit vergleichsweise niedrigen Mindestanlagesummen.
Verstehen Investoren solche Produkte ausreichend?
Schmidt: Der ELTIF ist per Definition ein langfristiges Investment. Um die Vorteile – Alpha, Inflationsschutz und Diversifikation – vollständig zu realisieren, braucht es Geduld. Anleger müssen das Verständnis entwickeln, dass alternative Anlagen Zeit benötigen, um ihre Potenziale zu entfalten. Gleichzeitig muss das Liquiditätsmanagement realistisch sein. „Künstliche“ oder übermäßig aggressive Liquiditätsversprechen können problematisch werden, wenn sie nicht mit der Struktur der zugrunde liegenden Anlagen übereinstimmen. Wir setzen deshalb auf ein solides, nachhaltiges Liquiditätskonzept, das sicherstellt, dass alle Investoren – bestehende wie neue – fair behandelt werden und die gleiche Investmenterfahrung machen. Kurzum: Es braucht Aufklärung und Geduld. Aber bei richtiger Strukturierung bieten ELTIFs eine attraktive, resiliente Lösung für langfristig orientierte Privatanleger.
Der Fonds verfolgt also einen Multi-Alternative-Ansatz. Was ist die Kernidee dahinter?
Schmidt: Die Kernidee ist, die jeweiligen Stärken einzelner alternativer Anlageklassen zu kombinieren und ihre Schwächen zu reduzieren. Jede Alternative Anlageklasse hat ihre Vor- und Nachteile.
- Immobilien können beispielsweise in bestimmten Marktphasen – wie während der Covid-19-Pandemie – unter Druck geraten.
- Infrastruktur ist oft sehr stabil, bietet aber unter Umständen weniger starkes Aufwärtspotenzial.
- Private Equity kann hohe Renditen erzielen, geht aber mit höheren Schwankungen einher.
Unsere Überzeugung ist: Gerade wenn man die ersten Investments in die Alternatives tätigt, sollte man statt alles auf eine Anlageklasse zu setzen, verschiedene Bausteine kombinieren. Da sie untereinander nur gering korreliert sind, profitieren Anleger von breiter Diversifikation. So lassen sich Renditechancen nutzen und gleichzeitig Risiken besser abfedern – ganz nach dem Prinzip, nicht alle Eier in einen Korb zu legen – ganz ähnlich wie Anleger bei traditionellen Anlageklassen auf eine ausgewogene Mischung setzen, indem sie Aktien und Anleihen im Verhältnis 60/40 kombinieren.
Sie sprechen von mehr als 15 alternativen Bausteinen. Welche Anlageklassen und Strategien sind konkret enthalten?
Schmidt: Der Multi-Alternatives-ELTIF zielt auf Investments in mehr als 15 alternative Sub-Sektoren ab und bietet Zugang zu einer Plattform mit einem verwalteten Vermögen von über 100 Milliarden US-Dollar. Die Struktur lässt sich in fünf zentrale Kategorien einteilen:
1. Transport
Diese Strategie bildet einen wichtigen Bestandteil des einkommensorientierten Portfoliobereichs. Es handelt sich um langfristig gebundene, essenzielle Assets für den globalen Handel – etwa Schifffahrt, Energie- und Logistikinfrastruktur oder Flugzeugleasing. Diese Strategien sind breit diversifiziert und können jährliche Cashflows im hohen einstelligen Prozentbereich generieren. Sie zeichnen sich durch stabile Erträge und hohe Bonität der Vertragspartner aus.
2. Infrastruktur
Hierzu zählen Versorger, Energie- und erneuerbare Infrastrukturprojekte, vor allem in OECD-Ländern. Diese Anlagen bieten stabile, oft inflationsgeschützte Cashflows. Wir investieren über etablierte, breit diversifizierte Strategien mit einem sehr großen bestehenden Anlagevolumen und über tausend Einzelassets.
3. Immobilien
Dies umfasst globale Immobilienstrategien in den Segmenten Büro, Einzelhandel, Industrie und Wohnimmobilien – mit regionaler Streuung über die USA, Europa und Asien. Auch hier verfügen wir über mehr als 60 Jahre Erfahrung.
4. Private Credit
Private Credit ist ein weiterer zentraler Baustein des Portfolios. Diese Anlageklasse bietet attraktive laufende Erträge und kann zusätzliches Renditepotenzial erschließen. Auch hier verfügen wir über jahrzehntelange Investmenterfahrung.
5. Private Equity
Private Equity sorgt im Portfolio für Wachstums- und Wertsteigerungspotenzial.
Diese fünf Hauptkomponenten bilden gemeinsam ein breit diversifiziertes und resilientes Portfolio für Anleger.
Wie sehen Sie den ELTIF-Markt in den kommenden Jahren?
Schmidt: Mit ELTIF 2.0 erwarten wir deutlich mehr Produktentwicklung und Innovation. Institutionelle Investoren haben oft 20 bis 50 Prozent ihres Portfolios in alternativen Anlagen investiert. Im Retail-Bereich besteht hier noch erhebliches Aufholpotenzial. Gleichzeitig ist Vorsicht geboten – insbesondere bei Produktdesign und Risikomanagement. Ein kritischer Punkt ist die Liquiditätsgestaltung. Manche Produkte versprechen Liquidität, die mit der tatsächlichen Illiquidität der zugrunde liegenden Anlagen schwer vereinbar ist. Das kann zu Problemen führen. Wichtig ist ein umsichtiges Liquiditätsmanagement, das sowohl neue als auch bestehende Investoren fair behandelt. Erzwungene Verkäufe zur Bedienung von Rückgaben können langfristig schädlich für das Portfolio sein. Wir sehen Multi-Alternatives-Lösungen als besonders geeignet, da sie Anlegern eine ganzheitliche Lösung bieten. Investoren müssen nicht selbst entscheiden, welche alternative Anlageklasse wann und in welchem Umfang sinnvoll ist – das übernimmt das professionelle Management. Insgesamt hat der ELTIF-Markt aus unserer Sicht eine vielversprechende Zukunft, insbesondere für europäische Privatanleger.












