EXTRA PKV für Mediziner – „Eine gute PKV-Lösung für Mediziner ist ein langfristiges Gesamtkonzept“

Foto: Florian Sonntag
Die Diskussionsteilnehmer v.l.n.r.: Hartmut Paland, Leiter Vertriebsdirektion Nord, Deutsche Ärzte Finanz Beratungs- und Vermittlungs-AG; Andreas Wurtinger, Leiter Produktmanagement und Vertriebskanal DÄF für die AXA Krankenversicherung AG; Jörg Dorka, Senior Partner, Deutsche Ärzte Finanz Beratungs- und Vermittlung-AG; Andreas Krüger, INTER Versicherungen, Regionalleiter Maklervertrieb

Ärztinnen, Ärzte und Medizinstudierende gelten als attraktive Zielgruppe für die PKV. Doch wer sie beraten will, braucht mehr als Tarifwissen. Cash. diskutierte mit Versicherern und Vertriebssexperten, warum Spezialisierung und ein tiefes Verständnis von Kundengruppe und Markt entscheidend sind. Denn nicht überall, wo „Arzt“ draufsteht, ist auch Arzt drin.

Warum ist die Zielgruppe Ärztinnen, Ärzte und Medizinstudierende für Sie relevant?

Wurtinger: Weil sie zwei Dinge mitbringt: wirtschaftliche Leistungsfähigkeit und ein sehr ausgeprägtes Gesundheitsverständnis. Kaum jemand kann die Qualität medizinischer Versorgung so realistisch einschätzen wie Ärzte selbst. Sie erleben täglich, wo die gesetzliche Krankenversicherung an Grenzen stößt, welche Therapien nicht sofort verfügbar sind und welchen Unterschied innovative Medikamente oder schnelle Zugänge zur Spitzenmedizin machen. Für niedergelassene Mediziner kommt ein weiterer Aspekt hinzu: Fällt der Praxisinhaber aus, steht im Zweifel der gesamte Betrieb still. Einkommen, Mitarbeiter, Patientenversorgung – alles hängt an der eigenen Arbeitsfähigkeit. Hochwertige Absicherung ist hier kein Komfort, sondern betriebswirtschaftliche Notwendigkeit.

Krüger: Natürlich sprechen wir von einer gut situierten Klientel. Und das ist vertrieblich attraktiv. Aber entscheidend ist die langfristige Perspektive. Wir begleiten Mediziner über Jahrzehnte: vom Studium über Assistenz- und Facharztzeit bis zur möglichen Niederlassung. Privat und beruflich entwickeln sich ständig neue Fragestellungen. Wer hier sauber berät, baut eine außergewöhnliche Loyalität auf. Diese Treue erlebt man selten in dieser Form.

Paland: Deshalb ist Spezialisierung auf akademische Heilberufe so wichtig. Es ist eine anspruchsvolle und stark umworbene Zielgruppe. Die Karrierewege sind vielfältig – Klinik, MVZ, eigene Praxis. Jede Station bringt eigene wirtschaftliche und versicherungstechnische Herausforderungen mit sich. Genau das macht die Beratung komplex und gleichzeitig spannend.

Welche Erwartungen bringen Mediziner mit?

Paland: Sie erwarten Beratung auf Augenhöhe. Ärzte kennen die Unterschiede zwischen GKV und PKV sehr genau. Wer sie berät, sollte die verschiedenartigen Einkommensquellen kennen. Weiter ist wichtig zu wissen, wie selbstständige Ärztinnen und Ärzte ihre Leistungen abrechnen und wie typische Karriereverläufe aussehen. Das Grundverständnis wird vorausgesetzt – und zwar zu Recht.

Krüger: Der Arzt möchte eine Betreuung, die seinem beruflichen Anspruch gerecht wird. Dazu gehört Wissen über das ärztliche Versorgungswerk, berufspolitische Rahmenbedingungen und die Besonderheiten des Heilwesens. Ärzte sind kritisch, stellen präzise Fragen und hinterfragen Details. Das ist anspruchsvoll, aber bereichernd. Wer viele Mediziner betreut, entwickelt ein sehr feines Gespür für diese Zielgruppe. Dieses spezifische Know-how hat nicht jeder Anbieter.

Wurtinger: Und genau das muss sich in der Produktgestaltung widerspiegeln. Ein Versicherer, der sich im Heilwesen positioniert, muss berufstypische Besonderheiten abbilden: Eigen- und Ehegattenbehandlung, Regelungen zur Teilarbeitsunfähigkeit, Reha- und Kurleistungen, die im Versorgungswerk nicht selbstverständlich sind. Entscheidend ist aber vor allem die Flexibilität. Der Karriereweg eines Arztes – Studium, Assistenzzeit, Facharzt, gegebenenfalls Niederlassung – verändert den Absicherungsbedarf erheblich. Dessder Versicherungsschutz mit dieser Entwicklung Schritt hält. Eine gute Lösung wächst mit dem Berufsleben mit.

Hartmut Paland: „Wer jung einsteigt, schafft sich später viele Handlungsspielräume.“ Foto: Florian Sonntag

Was unterscheidet einen Arzttarif von einem klassischen PKV-Tarif?

Paland: Der zentrale Unterschied liegt in der Dynamik des Berufsbildes. Mediziner haben diverse Karriereoptionen. Die Karriere beginnt als Student, später folgt die Assistenzarzttätigkeit und häufig schließt sich die Tätigkeit als Facharzt an. In vielen Fällen folgt die Niederlassung in eigener- oder Gemeinschaftspraxis. Alternativ wird der Karriereweg in einem MVZ oder einer Klinik als beispielsweise Oberarzt oder Chefarzt angepeilt. Mit jeder Berufsphase verändern sich Einkommen, Verantwortung und Absicherungsbedarf deutlich. Ein Arzttarif muss diese Entwicklung abbilden können. Deshalb sind Optionsmöglichkeiten in einem guten Tarif integraler Bestandteil – sie ermöglichen unter bestimmten Voraussetzungen Leistungsanpassungen ohne erneute Gesundheitsprüfung. Genau diese Flexibilität unterscheidet einen speziellen Arzttarif von einer klassischen PKV, die stärker statisch angelegt ist.

Krüger: Es geht letztlich um Gestaltungsfreiheit. Der eine Zahnarzt sagt: Material- und Laborkosten brauche ich nicht, das läuft über eigene Netzwerke. Der andere will ein Rundum-sorglos-Paket inklusive Honorar-, Material- und Laborkostenabsicherung. Ein Versicherer, der das Heilwesen wirklich versteht, kann diese Unterschiede abbilden. Diese Bandbreite macht einen echten Arzttarif aus, auch wenn heute viele eher zur Komplettlösung tendieren.

Welche Relevanz haben Optionstarife? 

Wurtinger: Sie sind aus meiner Sicht unverzichtbar. Die ärztliche Laufbahn verläuft in klaren Etappen: Studium, Assistenzzeit, Facharzt, gegebenenfalls Niederlassung. Mit jeder Phase verändern sich Einkommen und Absicherungsbedarf. Ein moderner Arzttarif braucht deshalb Optionsanlässe, um Leistungen ohne erneute Gesundheitsprüfung anpassen zu können. Gerade für Studierende ist ein eigenständiger Optionstarif sinnvoll. Sie können häufig noch nicht voll in die PKV wechseln, aber ihren aktuellen Gesundheitszustand sichern und später aufstocken. 

Paland: Genau hier liegt der strategische Vorteil. Die Jahresarbeitsentgeltgrenze muss zunächst überschritten werden, bevor eine Vollversicherung möglich ist. Über einen Optionstarif kann man jedoch frühzeitig vorsorgen. Wer jung und gesund einsteigt, schafft sich später klare Handlungsspielräume – und viele Assistenzärztinnen und -ärzte erreichen die Einkommensgrenze schneller, als gedacht.

Krüger: Wer über die Eltern privat versichert war, bleibt oft im Ausbildungstarif. Schwieriger ist es bei Studierenden aus der gesetzlichen Familienversicherung. Dort hört man häufig: „Warum jetzt schon zahlen?“ Hier braucht es Aufklärung, um den langfristigen Nutzen zu verdeutlichen.

Dorka: In der Praxis erleben wir leider oft, dass das Thema zu spät kommt. Beantragen junge Ärzte nach dem Studium die PKV, zeigt sich: Rund 20 Prozent sind nicht mehr problemlos versicherbar, weitere 20 Prozent nur mit Zuschlägen. Intensive Diagnostik im Studium hinterlässt Spuren. Deshalb unser Rat: Wer ernsthaft krank ist, geht selbstverständlich zum Arzt. Wer nur Verdachtsmomente klären möchte, sollte prüfen, ob ein Optionstarif gesichert ist. Das verschafft Handlungsspielraum und schützt vor späteren Einschränkungen.

Welche Leistungsmerkmale sind für Ärzte zudem noch wichtig?

Paland: Ganz klar: das Krankentagegeld. In der PKV ist es meist integraler Bestandteil – und das aus gutem Grund. Der selbstständige Arzt, der sich beim Skifahren das Bein bricht, fällt womöglich sechs Wochen aus. Eine Berufsunfähigkeitsversicherung wird in diesem Beispielfall eher nicht greifen, aber die Einnahmen brechen sofort weg. Wer sein Einkommen aus eigener Leistung erzielt, braucht für solche Fälle einen verlässlichen Ausgleich. Genau dafür ist das Krankentagegeld da.

Dorka: Aus Beratersicht ist es ein absolutes Muss. In meinem Bestand gibt es kaum einen Arzt ohne Tagegeld – und wenn doch, dann nur mit klar dokumentierter Begründung. Natürlich existieren Ausnahmen: etwa Ehepartner ohne Erwerbseinkommen oder Mandanten mit erheblichem Vermögen. Ich hatte eine Ärztin, deren Familie finanziell so solide aufgestellt war, dass objektiv keine Einkommenslücke entstand. Das sind aber Sonderfälle. Wichtig ist: Wird kein Tagegeld vereinbart, gehört das sauber in die Beratungsdokumentation. Sonst ist man im Leistungsfall angreifbar.

Krüger: Ich erinnere mich an eine sehr vermögende Augenärztin mit mehreren Immobilien. Ihr Argument: „Zur Not verkaufe ich etwas.“ Irgendwann mag das rechnerisch stimmen. Aber für die große Mehrheit gilt: Ohne Tagegeld entsteht im Krankheitsfall schnell ein Liquiditätsproblem – gerade bei Selbstständigen mit Praxis-, Personal- und Versorgungswerksbeiträgen.

Wurtinger: Und selbst bei Vermögenden geht es nicht nur um Einkommen, sondern um Vermögensschutz. Wer Kapital veräußern muss, verliert Substanz und Flexibilität. Versicherung sichert nicht nur Cashflow, sondern strategische Freiheit. Gerade junge Ärzte unterschätzen, wie schnell aus einer längeren Erkrankung ein wirtschaftliches Risiko wird. Hier braucht es klare Aufklärung – frühzeitig und ehrlich.

Jörg Dorka: „Wird kein Tagegeld vereinbart, gehört das sauber in die Beratungsdokumentation. Sonst ist man im Leistungsfall angreifbar.“ Foto: Florian Sonntag

Stichwort Versorgungswerke: Welche Relevanz hat es in der Beratung? 

Paland: Bei spezialisierten Beratern ist das Versorgungswerk selbstverständlich Bestandteil jeder Beratung – und es muss es auch sein. Viele Ärzte setzen es gedanklich mit der gesetzlichen Rentenversicherung gleich. Tatsächlich gibt es gravierende Unterschiede. Ein zentrales Beispiel: In der gesetzlichen Rentenversicherung teilen sich Rentner und Rentenversicherungsträger die Beiträge zur Kranken- und Pflegeversicherung. Im ärztlichen Versorgungswerk trägt der Ruheständler diese Beiträge vollständig selbst. Das klingt technisch, hat aber enorme finanzielle Auswirkungen. Wer im Alter weiterhin privat krankenversichert ist – was bei Ärzten sehr häufig der Fall ist – muss die Beiträge komplett aus eigener Tasche zahlen. Deshalb gehört in jede Beratung die klare Botschaft: Es braucht im Ruhestand ausreichend Liquidität, um diese Belastung dauerhaft tragen zu können.

Wurtinger: Entscheidend sind zwei Fragen: Was leistet das Versorgungswerk – und was nicht? Ein häufig unterschätztes Thema sind Reha- und Kurleistungen. Anders als in der gesetzlichen Rentenversicherung bestehen hier in der Regel keine Ansprüche. Das bedeutet: Reha und Kur müssen über den PKV-Tarif oder zusätzliche Bausteine abgesichert werden. Gerade bei Ärzten mit hoher Arbeitsbelastung kann das im Ernstfall existenziell sein. Hinzu kommt: Jeder Arzt im Versorgungswerk finanziert seine Kranken- und Pflegebeiträge im Ruhestand vollständig selbst. Deshalb gewinnen Instrumente zur Beitragsentlastung besondere Bedeutung.

Beitragsanpassungen sorgen immer wieder für Unruhe: Welche Relevanz spielt der auslösende Faktor in der Beratung? 

Wurtinger: Der auslösende Faktor ist Teil der Systemlogik. Senkt man ihn, gibt es häufigere, aber kleinere Anpassungen. Lässt man ihn höher, kommen größere Sprünge. Beides hat Vor- und Nachteile. Wichtig ist dabei natürlich, dass unabhängig vom konkreten auslösenden Faktor die BAP kein freiwilliger Vorgang ist, sondern gesetzlich vorgeschrieben. In der Branche wird das durchaus diskutiert, aber am Ende geht es weniger um Regulierung als um Transparenz. Wenn Kunden verstehen, warum Anpassungen erfolgen, verlieren sie viel von ihrem Schrecken, egal ob bei Kranken- oder Pflegeversicherung. Am Ende ist es tatsächlich vor allem ein psychologischer Effekt. 

Krüger: Wichtig ist die klare Botschaft: Versicherer wollen keine Beitragsanpassungen. Sie passieren nicht freiwillig. Eine Anpassung bedeutet enormen Aufwand, Prüfungen, Aktuare, Kommunikation – das kostet Geld. Und letztlich trägt diese Kosten die Versichertengemeinschaft. Aber: Wenn der gesetzliche Schwellenwert erreicht ist, muss gehandelt werden. Das ist regulatorisch vorgegeben. Das verstehen viele – sie vergessen es nur wieder.

Paland: Und der Blick zur GKV hilft ebenfalls. Dort steigen Beiträge faktisch jedes Jahr – über Zusatzbeiträge oder die Anhebung der Beitragsbemessungsgrenze. Für Gutverdiener führt das automatisch zu höheren Belastungen. Das kann in einem Kundengespräch ruhig gegenüber gestellt werden: Wie sähe die Situation in der GKV aus?

Dorka: Ein Thema, das im Zusammenhang mit Beitragsanpassungen immer wieder auftaucht, sind sogenannte Tarifoptimierer. Die behaupten, der Versicherer halte massenhaft günstige Alternativtarife zurück – man müsse nur wechseln, dann werde alles billiger. Viele Kunden hören das, klicken sich durchs Internet und werden verunsichert. Von rund 400 betroffenen Kunden haben bei mir am Ende zwei tatsächlich gewechselt. Meine erste Frage ist immer: Haben Sie aktuell echte Beitragsprobleme – oder können Sie die Erhöhung grundsätzlich tragen? In 95 Prozent der Fälle lautet die Antwort: Es ist ärgerlich, aber finanziell machbar. Das ist entscheidend. Dann erkläre ich: Ja, es gibt günstigere Tarife – aber mit Leistungsabstrichen. Kein Zweibettzimmer, kein Chefarzt, vielleicht Primärarztprinzip. Und je länger Sie im bestehenden Tarif bleiben, desto höher sind Ihre Alterungsrückstellungen. Wenn Sie heute wechseln, verlieren Sie einen Teil dieser Substanz. Wenn es finanziell nicht brennt, ist Geduld oft die bessere Strategie. Und nicht selten kommt später die Rückmeldung: Gut, dass ich es nicht gemacht habe, gerade wenn Leistungen tatsächlich gebraucht wurden.

Wurtinger: Das ist ein wichtiger Punkt. Einige der medial stark diskutierten Fälle – etwa Rentner mit sehr hohen Beiträgen – lassen sich häufig auf unkluge Tarif- oder Versichererwechsel zurückführen. Wer mehrfach den Versicherer wechselt oder aus leistungsstarken Tarifen mit hohen Alterungsrückstellungen in günstigere, schwächer kalkulierte Tarife springt, kann sich langfristig selbst schaden. Die Systematik wird oft nicht verstanden oder nicht ausreichend erklärt. Ein Wechsel kann sinnvoll sein – aber nur mit sauberer Analyse. Sonst entstehen Nachteile, die man kaum wieder einholt.

Krüger: In den Fällen, die ich mir genauer angesehen habe, zeigt sich ein klares Muster: Wer im Alter echte Probleme hat, hat häufig mehrfach gewechselt – entweder den Versicherer oder innerhalb der Tarifwelt nach unten. Zehn Jahre später zahlen sie dann wieder mehr als zuvor. Diejenigen hingegen, die im Tarif geblieben sind oder allenfalls die Selbstbeteiligung angepasst haben, stehen meist stabil da. Das dem Kunden rational zu erklären, ist nicht immer einfach. 

Andreas Wurtinger: „Spezialisierung heißt, Erfahrung und die Fähigkeit, komplexe Zusammenhänge verständlich zu erklären.“ Foto: Florian Sonntag

Der Arztberuf ist weiblich. Rund zwei Drittel der Medizinstudierenden sind heute Frauen. An manchen Fakultäten sind es bereits 70 Prozent. Das verändert auch die Beratungsschwerpunkte. Welche Leistungen sind besonders wichtig?

Paland: Zunächst die Beitragsseite: Eine Beitragsbefreiung oder -reduzierung während der Elternzeit ist essenziell. Früher war das oft an den Bezug von Elterngeld geknüpft, inzwischen leisten viele Versicherer unabhängig von der Elternzeit. Das gibt Planungssicherheit.

Krüger: Leistungsseitig spielen spezielle Vorsorgeuntersuchungen in der Schwangerschaft eine große Rolle – etwa Toxoplasmose-Screening oder Amniozentese. Ärztinnen wissen sehr genau, was medizinisch sinnvoll ist, und wollen diese Untersuchungen nicht von einer Indikation abhängig machen. Wichtig ist außerdem, dass Krankentagegeld auch bei schwangerschaftsbedingter Arbeitsunfähigkeit greift.

Wurtinger: Ein weiterer Punkt ist das Kinderkrankengeld. In der GKV Standard, in der PKV lange nicht selbstverständlich – mittlerweile wird es in vielen Tarifen berücksichtigt. Ebenso relevant: Vorsorgeuntersuchungen ohne zwingende medizinische Indikation, Einbettzimmer oder Familienzimmer bei der Entbindung. Und natürlich die Beitragsbefreiung während der Elternzeit. Marktstandard, aber unbedingt zu erwähnen, ist die Kindernachversicherung. Kommt ein Kind mit gesundheitlichen Problemen zur Welt, besteht innerhalb einer Frist – meist zwei bis drei Monate – ein Anspruch auf Aufnahme ohne Gesundheitsprüfung. Diese Frist muss man im Blick haben.

Dorka: Im Gespräch mit Ärztinnen betone ich neben der Beitragsfrage vor allem die Leistungsperspektive: Wenn es bei der Geburt Komplikationen gibt, wollen Sie dann als Privatpatientin behandelt werden – oder um Termine kämpfen? Gerade Ärztinnen wissen, was Versorgungsqualität bedeutet. In dieser Phase steht die Leistung klar im Vordergrund. Der Beitrag ist dann zweitrangig.

PKV für Heilberufe ist ein spezielles Beratungsfeld. Wie muss ein Vermittler „gepolt“ sein, um hier erfolgreich zu sein?

Krüger: Wer Mediziner berät, braucht mehr als Tarifwissen. Eine gewisse intellektuelle Belastbarkeit gehört dazu. Man muss verstehen, wie der Arzt zum Arzt wird, wie Karrierewege verlaufen und wie das ärztliche Versorgungswerk funktioniert. Und man braucht Diplomatie. Ich habe erlebt, dass Kollegen das Versorgungswerk frontal kritisierten – und der Arzt saß im Verwaltungsausschuss. Damit war das Gespräch beendet. Natürlich gibt es Lücken. Aber entscheidend ist, wie man sie formuliert. Ärzte merken sehr genau, ob man sich wirklich auskennt und ob man sie ernst nimmt. Und ich sage es klar: Wer nur PKV kann, sollte sich nicht Ärzteberater nennen. Es geht um Gesamtzusammenhänge – Versorgungswerk, Praxisgründung, steuerliche Aspekte, Absicherungsstrategie. Und wenn man nicht alles selbst abdecken kann, holt man sich Spezialisten dazu. Das ist professionell, kein Makel.

Paland: Es ist ein anspruchsvolles Beratungsfeld. Wer sich hier positioniert, braucht Fachwissen, Spezialisierung und ein klares Profil. Ärzte erwarten Beratung auf Augenhöhe – fachlich wie persönlich. 

Dorka: Was uns hilft, ist eine klare Struktur mit Service-Centern und Mentoring. Ein junger Berater mit zwei oder drei Jahren Erfahrung kann viel. Aber wenn ein Konkurrenzangebot auf dem Tisch liegt und es heißt: „Die sind günstiger“, dann braucht es Erfahrung. Dann sitze ich dabei und sage: Schauen wir uns an, wie sich Tarife über zehn oder zwanzig Jahre entwickelt haben. Welche wurden geschlossen? Wo sind Kunden heute noch zufrieden – und wo nicht? Diese Marktkenntnis entsteht nicht in kurzer Zeit. Mentoring bedeutet: Der junge Kollege steht nicht allein da. Er bekommt Einordnung und Hintergrund. Sonst glaubt man schnell, man habe den Markt verstanden – was realistisch nicht stimmt.

Wurtinger: Hinzu kommt: Junge Mediziner informieren sich heute zuerst digital. Sie googeln, sie bekommen KI-Zusammenfassungen. Ich schätze KI sehr. Aber bei komplexen Themen wie PKV, Versorgungswerk oder Tarifwechsel stößt reine Online-Recherche an Grenzen. Langfristige Tarifentwicklungen, Wechselwirkungen, Detailregelungen: das bildet kein Algorithmus vollständig ab. Deshalb bleibt persönliche Beratung in diesem Segment unverzichtbar. Spezialisierung heißt Erfahrung, Einordnung und die Fähigkeit, komplexe Zusammenhänge verständlich zu erklären. Genau das erwarten Ärzte.

Andreas Krüger: „Noch wichtiger ist: Versteht der Versicherer Heilwesen. Nicht überall wo Arzt draufsteht, ist auch Arzt drin.“ Foto: Florian Sonntag

Was macht am Ende eine gute PKV-Lösung für Mediziner aus?

Paland: Sie muss die Bedürfnisse dieser Zielgruppe präzise treffen – heute und über Jahrzehnte hinweg. Idealerweise beginnt alles mit einem Optionstarif, um den Gesundheitszustand frühzeitig zu „sichern“. Gerade bei Medizinstudierenden sehen wir, wie schnell durch Diagnostik oder Abklärungen Einträge entstehen. Wer früh vorsorgt, verschafft sich strategischen Spielraum. Gleichzeitig braucht es Flexibilität. Der ärztliche Karriereweg ist selten linear: Studium, Assistenzzeit, Notaufnahme oder MVZ, später Facharzt, Niederlassung oder Kliniklaufbahn. Mit jeder Phase verändern sich Einkommen, Haftung, familiäre Situation und Absicherungsbedarf deutlich. Eine gute PKV muss diese Dynamik abbilden können – mit Optionsmöglichkeiten, klar definierten Anpassungsanlässen und einem stabilen Tarifportfolio. Und sie braucht einen wirtschaftlich soliden Versicherer.

Krüger: Finanzstärke ist wichtig. Aber noch wichtiger ist: Versteht der Versicherer Heilwesen wirklich? Nicht überall, wo „Arzt“ draufsteht, ist auch Arzt drin. Es gibt nur wenige Gesellschaften, die dieses Segment seit Jahrzehnten betreiben und die Besonderheiten kennen – vom Versorgungswerk bis zur Praxisgründung. Ich sehe immer wieder neue Arzttarife, die vor allem über den Preis kommen. Das wirkt kurzfristig attraktiv. Wenn ein Tarif jedoch zu knapp kalkuliert ist, holt einen das nach einigen Jahren ein. Dann geht es nicht mehr um ein paar Euro, sondern um Vertrauen. Wir sprechen hier über eine lebenslange Entscheidung, nicht über einen schnellen Anbieterwechsel. Eine gute PKV-Lösung für Mediziner ist kein Tarifvergleich, sondern ein langfristiges Gesamtkonzept: solide kalkuliert, leistungsstark, flexibel – und getragen von einem Versicherer, der Heilberufe wirklich versteht.

Wurtinger: Neben der Finanzstärke, die en sehr wichtiger Faktor ist, kommt es auch besonders auf eine nachhaltige Kalkulation an. Wenn ein Tarif auffällig günstig startet, sollte man hinterfragen, wie stabil er langfristig ist. Gerade in der PKV gilt: Qualität und Stabilität haben ihren Preis. Der letzte Euro Ersparnis im Neugeschäft ist weniger entscheidend als eine verlässliche Beitragsentwicklung.

Dorka: Für mich ist der Kern: PKV ist faktisch lebenslänglich. Theoretisch kann man wechseln – praktisch wird das mit zunehmendem Alter und Vorerkrankungen immer schwieriger. Entscheidet sich jemand mit 24 und erkrankt mit 27 ernsthaft, ist er faktisch gebunden. Dann bleiben meist nur interne Tarifoptionen. Deshalb sage ich meinen jungen Kunden: Stell dir vor, du brauchst diesen Vertrag 40 Jahre. Ist das ein Partner, dem du das zutraust? Wir arbeiten mit einem Berufs- und Lebensphasenmodell: Studium, Assistenz, Facharzt, Niederlassung, Ruhestand – dazu private Phasen wie Partnerschaft oder Kinder. Es gibt Zeiten, in denen die PKV günstiger ist als die GKV, und Phasen – etwa mit Familie –, in denen sie vorübergehend teurer sein kann. Im Ruhestand relativiert sich vieles, wenn sauber vorgesorgt wurde. Entscheidend ist, dass der Kunde diese Dynamik versteht. Dann bleibt er auch bei Beitragsanpassungen oder Rückwerbeversuchen gelassen.

Dieser Artikel ist Teil des EXTRA PKV für Mediziner. Alle Artikel des EXTRA finden Sie hier.

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