EXTRA PKV für Mediziner – „Eine gute PKV-Lösung für Mediziner ist ein langfristiges Gesamtkonzept“

Foto: Florian Sonntag
Die Diskussionsteilnehmer v.l.n.r.: Hartmut Paland, Leiter Vertriebsdirektion Nord, Deutsche Ärzte Finanz Beratungs- und Vermittlungs-AG; Andreas Wurtinger, Leiter Produktmanagement und Vertriebskanal DÄF für die AXA Krankenversicherung AG; Jörg Dorka, Senior Partner, Deutsche Ärzte Finanz Beratungs- und Vermittlung-AG; Andreas Krüger, INTER Versicherungen, Regionalleiter Maklervertrieb

Ärztinnen, Ärzte und Medizinstudierende gelten als attraktive Zielgruppe für die PKV. Doch wer sie beraten will, braucht mehr als Tarifwissen. Cash. diskutierte mit Versicherern und Vertriebssexperten, warum Spezialisierung und ein tiefes Verständnis von Kundengruppe und Markt entscheidend sind. Denn nicht überall, wo „Arzt“ draufsteht, ist auch Arzt drin.

Warum ist die Zielgruppe Ärztinnen, Ärzte und Medizinstudierende für Sie relevant?

Wurtinger: Weil sie zwei Dinge mitbringt: wirtschaftliche Leistungsfähigkeit und ein sehr ausgeprägtes Gesundheitsverständnis. Kaum jemand kann die Qualität medizinischer Versorgung so realistisch einschätzen wie Ärzte selbst. Sie erleben täglich, wo die gesetzliche Krankenversicherung an Grenzen stößt, welche Therapien nicht sofort verfügbar sind und welchen Unterschied innovative Medikamente oder schnelle Zugänge zur Spitzenmedizin machen. Für niedergelassene Mediziner kommt ein weiterer Aspekt hinzu: Fällt der Praxisinhaber aus, steht im Zweifel der gesamte Betrieb still. Einkommen, Mitarbeiter, Patientenversorgung – alles hängt an der eigenen Arbeitsfähigkeit. Hochwertige Absicherung ist hier kein Komfort, sondern betriebswirtschaftliche Notwendigkeit.

Krüger: Natürlich sprechen wir von einer gut situierten Klientel. Und das ist vertrieblich attraktiv. Aber entscheidend ist die langfristige Perspektive. Wir begleiten Mediziner über Jahrzehnte: vom Studium über Assistenz- und Facharztzeit bis zur möglichen Niederlassung. Privat und beruflich entwickeln sich ständig neue Fragestellungen. Wer hier sauber berät, baut eine außergewöhnliche Loyalität auf. Diese Treue erlebt man selten in dieser Form.

Paland: Deshalb ist Spezialisierung auf akademische Heilberufe so wichtig. Es ist eine anspruchsvolle und stark umworbene Zielgruppe. Die Karrierewege sind vielfältig – Klinik, MVZ, eigene Praxis. Jede Station bringt eigene wirtschaftliche und versicherungstechnische Herausforderungen mit sich. Genau das macht die Beratung komplex und gleichzeitig spannend.

Welche Erwartungen bringen Mediziner mit?

Paland: Sie erwarten Beratung auf Augenhöhe. Ärzte kennen die Unterschiede zwischen GKV und PKV sehr genau. Wer sie berät, sollte die verschiedenartigen Einkommensquellen kennen. Weiter ist wichtig zu wissen, wie selbstständige Ärztinnen und Ärzte ihre Leistungen abrechnen und wie typische Karriereverläufe aussehen. Das Grundverständnis wird vorausgesetzt – und zwar zu Recht.

Krüger: Der Arzt möchte eine Betreuung, die seinem beruflichen Anspruch gerecht wird. Dazu gehört Wissen über das ärztliche Versorgungswerk, berufspolitische Rahmenbedingungen und die Besonderheiten des Heilwesens. Ärzte sind kritisch, stellen präzise Fragen und hinterfragen Details. Das ist anspruchsvoll, aber bereichernd. Wer viele Mediziner betreut, entwickelt ein sehr feines Gespür für diese Zielgruppe. Dieses spezifische Know-how hat nicht jeder Anbieter.

Wurtinger: Und genau das muss sich in der Produktgestaltung widerspiegeln. Ein Versicherer, der sich im Heilwesen positioniert, muss berufstypische Besonderheiten abbilden: Eigen- und Ehegattenbehandlung, Regelungen zur Teilarbeitsunfähigkeit, Reha- und Kurleistungen, die im Versorgungswerk nicht selbstverständlich sind. Entscheidend ist aber vor allem die Flexibilität. Der Karriereweg eines Arztes – Studium, Assistenzzeit, Facharzt, gegebenenfalls Niederlassung – verändert den Absicherungsbedarf erheblich. Dessder Versicherungsschutz mit dieser Entwicklung Schritt hält. Eine gute Lösung wächst mit dem Berufsleben mit.

Hartmut Paland: „Wer jung einsteigt, schafft sich später viele Handlungsspielräume.“ Foto: Florian Sonntag

Was unterscheidet einen Arzttarif von einem klassischen PKV-Tarif?

Paland: Der zentrale Unterschied liegt in der Dynamik des Berufsbildes. Mediziner haben diverse Karriereoptionen. Die Karriere beginnt als Student, später folgt die Assistenzarzttätigkeit und häufig schließt sich die Tätigkeit als Facharzt an. In vielen Fällen folgt die Niederlassung in eigener- oder Gemeinschaftspraxis. Alternativ wird der Karriereweg in einem MVZ oder einer Klinik als beispielsweise Oberarzt oder Chefarzt angepeilt. Mit jeder Berufsphase verändern sich Einkommen, Verantwortung und Absicherungsbedarf deutlich. Ein Arzttarif muss diese Entwicklung abbilden können. Deshalb sind Optionsmöglichkeiten in einem guten Tarif integraler Bestandteil – sie ermöglichen unter bestimmten Voraussetzungen Leistungsanpassungen ohne erneute Gesundheitsprüfung. Genau diese Flexibilität unterscheidet einen speziellen Arzttarif von einer klassischen PKV, die stärker statisch angelegt ist.

Krüger: Es geht letztlich um Gestaltungsfreiheit. Der eine Zahnarzt sagt: Material- und Laborkosten brauche ich nicht, das läuft über eigene Netzwerke. Der andere will ein Rundum-sorglos-Paket inklusive Honorar-, Material- und Laborkostenabsicherung. Ein Versicherer, der das Heilwesen wirklich versteht, kann diese Unterschiede abbilden. Diese Bandbreite macht einen echten Arzttarif aus, auch wenn heute viele eher zur Komplettlösung tendieren.

Welche Relevanz haben Optionstarife? 

Wurtinger: Sie sind aus meiner Sicht unverzichtbar. Die ärztliche Laufbahn verläuft in klaren Etappen: Studium, Assistenzzeit, Facharzt, gegebenenfalls Niederlassung. Mit jeder Phase verändern sich Einkommen und Absicherungsbedarf. Ein moderner Arzttarif braucht deshalb Optionsanlässe, um Leistungen ohne erneute Gesundheitsprüfung anpassen zu können. Gerade für Studierende ist ein eigenständiger Optionstarif sinnvoll. Sie können häufig noch nicht voll in die PKV wechseln, aber ihren aktuellen Gesundheitszustand sichern und später aufstocken. 

Paland: Genau hier liegt der strategische Vorteil. Die Jahresarbeitsentgeltgrenze muss zunächst überschritten werden, bevor eine Vollversicherung möglich ist. Über einen Optionstarif kann man jedoch frühzeitig vorsorgen. Wer jung und gesund einsteigt, schafft sich später klare Handlungsspielräume – und viele Assistenzärztinnen und -ärzte erreichen die Einkommensgrenze schneller, als gedacht.

Krüger: Wer über die Eltern privat versichert war, bleibt oft im Ausbildungstarif. Schwieriger ist es bei Studierenden aus der gesetzlichen Familienversicherung. Dort hört man häufig: „Warum jetzt schon zahlen?“ Hier braucht es Aufklärung, um den langfristigen Nutzen zu verdeutlichen.

Dorka: In der Praxis erleben wir leider oft, dass das Thema zu spät kommt. Beantragen junge Ärzte nach dem Studium die PKV, zeigt sich: Rund 20 Prozent sind nicht mehr problemlos versicherbar, weitere 20 Prozent nur mit Zuschlägen. Intensive Diagnostik im Studium hinterlässt Spuren. Deshalb unser Rat: Wer ernsthaft krank ist, geht selbstverständlich zum Arzt. Wer nur Verdachtsmomente klären möchte, sollte prüfen, ob ein Optionstarif gesichert ist. Das verschafft Handlungsspielraum und schützt vor späteren Einschränkungen.

Welche Leistungsmerkmale sind für Ärzte zudem noch wichtig?

Paland: Ganz klar: das Krankentagegeld. In der PKV ist es meist integraler Bestandteil – und das aus gutem Grund. Der selbstständige Arzt, der sich beim Skifahren das Bein bricht, fällt womöglich sechs Wochen aus. Eine Berufsunfähigkeitsversicherung wird in diesem Beispielfall eher nicht greifen, aber die Einnahmen brechen sofort weg. Wer sein Einkommen aus eigener Leistung erzielt, braucht für solche Fälle einen verlässlichen Ausgleich. Genau dafür ist das Krankentagegeld da.

Dorka: Aus Beratersicht ist es ein absolutes Muss. In meinem Bestand gibt es kaum einen Arzt ohne Tagegeld – und wenn doch, dann nur mit klar dokumentierter Begründung. Natürlich existieren Ausnahmen: etwa Ehepartner ohne Erwerbseinkommen oder Mandanten mit erheblichem Vermögen. Ich hatte eine Ärztin, deren Familie finanziell so solide aufgestellt war, dass objektiv keine Einkommenslücke entstand. Das sind aber Sonderfälle. Wichtig ist: Wird kein Tagegeld vereinbart, gehört das sauber in die Beratungsdokumentation. Sonst ist man im Leistungsfall angreifbar.

Krüger: Ich erinnere mich an eine sehr vermögende Augenärztin mit mehreren Immobilien. Ihr Argument: „Zur Not verkaufe ich etwas.“ Irgendwann mag das rechnerisch stimmen. Aber für die große Mehrheit gilt: Ohne Tagegeld entsteht im Krankheitsfall schnell ein Liquiditätsproblem – gerade bei Selbstständigen mit Praxis-, Personal- und Versorgungswerksbeiträgen.

Wurtinger: Und selbst bei Vermögenden geht es nicht nur um Einkommen, sondern um Vermögensschutz. Wer Kapital veräußern muss, verliert Substanz und Flexibilität. Versicherung sichert nicht nur Cashflow, sondern strategische Freiheit. Gerade junge Ärzte unterschätzen, wie schnell aus einer längeren Erkrankung ein wirtschaftliches Risiko wird. Hier braucht es klare Aufklärung – frühzeitig und ehrlich.

Jörg Dorka: „Wird kein Tagegeld vereinbart, gehört das sauber in die Beratungsdokumentation. Sonst ist man im Leistungsfall angreifbar.“ Foto: Florian Sonntag

Stichwort Versorgungswerke: Welche Relevanz hat es in der Beratung? 

Paland: Bei spezialisierten Beratern ist das Versorgungswerk selbstverständlich Bestandteil jeder Beratung – und es muss es auch sein. Viele Ärzte setzen es gedanklich mit der gesetzlichen Rentenversicherung gleich. Tatsächlich gibt es gravierende Unterschiede. Ein zentrales Beispiel: In der gesetzlichen Rentenversicherung teilen sich Rentner und Rentenversicherungsträger die Beiträge zur Kranken- und Pflegeversicherung. Im ärztlichen Versorgungswerk trägt der Ruheständler diese Beiträge vollständig selbst. Das klingt technisch, hat aber enorme finanzielle Auswirkungen. Wer im Alter weiterhin privat krankenversichert ist – was bei Ärzten sehr häufig der Fall ist – muss die Beiträge komplett aus eigener Tasche zahlen. Deshalb gehört in jede Beratung die klare Botschaft: Es braucht im Ruhestand ausreichend Liquidität, um diese Belastung dauerhaft tragen zu können.

Wurtinger: Entscheidend sind zwei Fragen: Was leistet das Versorgungswerk – und was nicht? Ein häufig unterschätztes Thema sind Reha- und Kurleistungen. Anders als in der gesetzlichen Rentenversicherung bestehen hier in der Regel keine Ansprüche. Das bedeutet: Reha und Kur müssen über den PKV-Tarif oder zusätzliche Bausteine abgesichert werden. Gerade bei Ärzten mit hoher Arbeitsbelastung kann das im Ernstfall existenziell sein. Hinzu kommt: Jeder Arzt im Versorgungswerk finanziert seine Kranken- und Pflegebeiträge im Ruhestand vollständig selbst. Deshalb gewinnen Instrumente zur Beitragsentlastung besondere Bedeutung.

Seite 2: „Wenn Kunden verstehen, warum Anpassungen erfolgen, verlieren sie viel von ihrem Schrecken“

Lesen Sie hier, wie es weitergeht.

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