Christine Lagarde beendet ihre Amtszeit als Präsidentin der Europäischen Zentralbank früher als geplant. Wie die EZB mitteilt, informierte Lagarde EU-Ratspräsident António Costa und den EZB-Rat am 29. Oktober 2026 darüber, dass sie ihr Amt zum 7. Februar 2027 niederlegt - rund neun Monate vor dem regulären Ende ihrer achtjährigen Amtszeit. Als möglicher Nachfolger gilt der Spanier Pablo Hernández de Cos, der seit Juli 2025 die Bank für Internationalen Zahlungsausgleich in Basel leitet.
Ihren vorzeitigen Rückzug begründet Lagarde mit der Neutralitätspflicht ihres Amtes. „Ich glaube nicht, dass ich neutral bleiben kann“, sagt sie laut Euronews auf einer Pressekonferenz. Mehrere Medien bringen den Zeitpunkt zudem mit der französischen Präsidentschaftswahl im Frühjahr 2027 in Verbindung, offiziell bestätigt ist dieser Zusammenhang jedoch nicht.
Enger Zeitplan für die Nachfolge an der EZB-Spitze
Die Nachfolgeregelung ergibt sich aus Artikel 283 des Vertrags über die Arbeitsweise der Europäischen Union (AEUV). Danach ernennt der Europäische Rat den künftigen EZB-Präsidenten auf Empfehlung der Eurostaaten, nachdem er das Europäische Parlament und den EZB-Rat angehört hat. Eurogruppen-Präsident Kyriakos Pierrakakis rief die Mitgliedstaaten dazu auf, ihre Kandidatenvorschläge bis zum 6. November 2026 einzureichen. Nur drei Tage später sollte die Eurogruppe eine erste Bestandsaufnahme der eingegangenen Nominierungen vornehmen.
Die wichtigsten Termine im Überblick
| Datum | Schritt |
|---|---|
| 29. Oktober 2026 | Lagarde informiert EZB-Rat und EU-Ratspräsident über ihren Rücktritt |
| 6. November 2026 | Frist für die Kandidatenvorschläge der Eurostaaten |
| 9. November 2026 | erste Bestandsaufnahme der Eurogruppe |
| Dezember 2026 | erwartete politische Einigung im Europäischen Rat |
| 7. Februar 2027 | Lagarde legt ihr Amt nieder |
Pablo Hernández de Cos gilt als Favorit Spaniens
Rückendeckung erhält Pablo Hernández de Cos vor allem aus seiner Heimat: Bereits im September 2026 sprach sich Spaniens Regierungschef Pedro Sánchez öffentlich für ihn aus. „Of course, he has my support. He has the leadership, also the capacity and the knowledge. It’d be a very positive thing not only for Spain but also for Europe to have someone like him leading the central bank“, sagt Sánchez im Interview mit Bloomberg. Vor seinem Wechsel zur Bank für Internationalen Zahlungsausgleich stand de Cos von 2018 bis 2024 an der Spitze der spanischen Notenbank Banco de España.
Weitere Kandidaten: Klaas Knot und Joachim Nagel
Neben de Cos werden zwei weitere Notenbanker genannt. Der Niederländer Klaas Knot leitete von 2011 bis 2025 die De Nederlandsche Bank und saß in dieser Zeit im EZB-Rat; zusätzlich stand er von Ende 2021 bis Mitte 2025 an der Spitze des Financial Stability Board. Als deutscher Kandidat gilt Bundesbankpräsident Joachim Nagel, der die Deutsche Bundesbank seit Januar 2022 führt. Deutschland stellte in der mehr als 25-jährigen Geschichte der EZB bislang noch nie den Präsidenten.
| Kandidat | Land | Aktuelle Position | Frühere Station |
|---|---|---|---|
| Pablo Hernández de Cos | Spanien | Generaldirektor der Bank für Internationalen Zahlungsausgleich, seit Juli 2025 | Gouverneur der Banco de España, 2018-2024 |
| Klaas Knot | Niederlande | bis 2025 Präsident der De Nederlandsche Bank, zugleich Mitglied des EZB-Rats | Vorsitzender des Financial Stability Board, 2021-2025 |
| Joachim Nagel | Deutschland | Präsident der Deutschen Bundesbank, seit Januar 2022 | - |
Warum drei Spitzenposten fast zeitgleich neu besetzt werden
Der personelle Umbruch bei der EZB reicht über die Präsidentschaft hinaus. Auch EZB-Direktorin Isabel Schnabel scheidet aus: Zum 3. Januar 2027 wechselt sie als Financial Counsellor zum Internationalen Währungsfonds. Zudem endet Ende Mai 2027 das Mandat von Chefvolkswirt Philip R. Lane. Die Eurostaaten müssen damit binnen weniger Monate gleich drei zentrale Personalien klären - Beobachter rechnen deshalb eher mit einem politischen Gesamtpaket als mit isolierten Einzelentscheidungen.
Bereits im Februar 2026 hatte François Villeroy de Galhau überraschend seinen vorzeitigen Rücktritt als Gouverneur der Banque de France erklärt. Seit Juni desselben Jahres führt Emmanuel Moulin die französische Notenbank.
Was der Führungswechsel für Zinsen und Anleihen bedeutet
Die Personalfrage an der EZB-Spitze ist für Finanzmarktteilnehmer, Vermögensverwalter und institutionelle Anleger hochrelevant. Die geldpolitische Ausrichtung der neuen EZB-Führung kann Zinserwartungen, Anleihemärkte und den Euro-Wechselkurs beeinflussen. Mehrere Berichte beschreiben Klaas Knot als Vertreter einer eher straffen Geldpolitik, während sie Pablo Hernández de Cos moderater und pragmatischer einordnen. Eine offiziell bestätigte Einordnung ihrer geldpolitischen Positionen liegt bislang nicht vor.
Eine politische Einigung über die Nachfolge erwarten Beobachter für Dezember 2026 beim Europäischen Rat. Damit soll der Übergang rechtzeitig vor Lagardes Rücktritt am 7. Februar 2027 stehen.















