Rente mit 63 abschaffen: Frei lehnt jeden Kompromiss ab

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Eine Torte mit gerade ausgepusteten Zahlenkerzen in Form von 63.
Bild: KI-generiert
Die Alterssicherungskommission empfiehlt, den abschlagsfreien Renteneintritt mit 63 ersatzlos zu streichen.

CDU-Fraktionschef Thorsten Frei lehnt jeden Kompromiss bei der Abschaffung der Rente mit 63 ab. Arbeitsminister Alexander Schweitzer sucht dennoch eine Einigung mit Ländern und Gewerkschaften. Cash. ordnet ein, welche Modelle diskutiert werden und wen die Rentenreform betrifft.

CDU-Fraktionschef Thorsten Frei will die Rente mit 63 abschaffen und sieht dabei keinen Raum für Zugeständnisse. „Diesen Verhandlungsspielraum, den sehe ich wirklich nicht“, sagt Frei im Interview mit Welt TV. Damit bezieht er in einer Debatte Position, die die Koalition seit dem Bericht der Alterssicherungskommission vom 23. Juni 2026 beschäftigt.

Mehrere unionsgeführte Länder und Gewerkschaften stemmen sich allerdings gegen eine vollständige Streichung der abschlagsfreien Frührente. Der neue Bundesarbeitsminister Alexander Schweitzer (SPD) sucht deshalb nach einem Kompromiss.

Was die Rentenkommission empfiehlt

Hintergrund des Streits ist der Bericht der Alterssicherungskommission, oft auch Rentenkommission genannt. Bundesregierung und Koalitionsausschuss hatten das Gremium eingesetzt. Am 23. Juni 2026 übergab es seinen Bericht mit 33 Reformempfehlungen. Empfehlung sechs schlägt die Abschaffung des abschlagsfreien Renteneintritts für besonders langjährig Versicherte vor. Empfehlung acht schlägt zudem vor, die Altersgrenze für die Frührente mit Abschlägen in absehbarer Zeit von 63 auf 64 Jahre zu erhöhen. Danach soll sie parallel zur Regelaltersgrenze weiter steigen.

Am 2. Juli 2026 reagierte der Koalitionsausschuss positiv auf den Bericht und stellte eine vollständige, rasche Umsetzung sämtlicher 33 Empfehlungen in Aussicht. Auf diese Zusage beruft sich Frei bis heute: Sie werde eingehalten. Den Vorschlag der Kommission nennt er wirklich klug und gerecht im Sinne der Generationengerechtigkeit. Es sei nicht gerechtfertigt, eine kleine Gruppe von Menschen auf Kosten der jüngeren Generation zu begünstigen.

Diese Versicherten nutzen die Rente mit 63 heute

Wie viele Versicherte betroffen sind, zeigen Zahlen des Bundesarbeitsministeriums. Beim Rentenzugang des Jahres 2025 erhielten 244.695 Menschen die abschlagsfreie Rente für besonders langjährig Versicherte. Die Angaben stammen aus einer Antwort auf eine Kleine Anfrage der Linksfraktion, die am 1. Oktober 2026 veröffentlicht wurde. 134.645 dieser Neurentner hatten mindestens 47 Beitragsjahre eingezahlt und damit mehr als die geforderten 45 Jahre.

Regional fällt die Nutzung unterschiedlich aus. Daten der Deutschen Rentenversicherung zufolge nutzten 2025 rund 32,9 Prozent der ostdeutschen Neurentner die abschlagsfreie Rente nach 45 Beitragsjahren. In Westdeutschland waren es rund 27,3 Prozent. Ostdeutsche Rentnerinnen bringen es im Durchschnitt auf 40 Beitragsjahre, ihre westdeutschen Pendants auf 34. Bei den Männern liegen im Osten durchschnittlich 42 Beitragsjahre vor, im Westen sind es 39. Würde die Koalition die Rente mit 63 abschaffen, träfe das in Ostdeutschland anteilig mehr Neurentner als im Westen.

RegionAnteil abschlagsfreier Neurentner 2025Beitragsjahre Frauen im SchnittBeitragsjahre Männer im Schnitt
Ostdeutschland32,9 Prozent4042
Westdeutschland27,3 Prozent3439
Quelle: Deutsche Rentenversicherung

Widerstand aus Ländern und Gewerkschaften

Der Plan trifft auf erheblichen Gegenwind. Berichten vom 4. August 2026 zufolge sprachen sich sieben der 16 Ministerpräsidenten gegen die Abschaffung aus. Die drei CDU-Ministerpräsidenten Michael Kretschmer (Sachsen), Sven Schulze (Sachsen-Anhalt) und Mario Voigt (Thüringen) wandten sich zudem in einem gemeinsamen Schreiben an die Bundesregierung. Kretschmer stellt klar: An der Rente nach 45 Beitragsjahren werde festgehalten.

Auch vier Gewerkschaften positionierten sich öffentlich gegen die Abschaffung der abschlagsfreien Rente nach 45 Beitragsjahren: Verdi, IG Metall, DGB und IG BAU.


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Kompromissmodell mit 46 oder 47 Beitragsjahren

Rund vier Stunden lang, von 20 Uhr bis kurz vor Mitternacht, suchte die Koalition am 24. September 2026 im Kanzleramt nach einem Ausweg. Berichten zufolge lag dabei ein Kompromissmodell auf dem Tisch. Es hebt die erforderlichen Beitragsjahre auf 46 oder 47 an und beschränkt die abschlagsfreie Rente auf körperlich belastende Berufe. An diesem Abend einigte man sich jedoch auf nichts.

Personalwechsel mitten in der Kompromisssuche

Mitten in die laufenden Verhandlungen platzte ein personeller Umbruch an der Spitze des Arbeitsministeriums: Am 12. Oktober 2026 gab Bärbel Bas (SPD) sowohl ihr Amt als Bundesarbeitsministerin als auch den SPD-Parteivorsitz auf. Sie begründete diesen Schritt damit, Zeit für die Trauerbewältigung nach dem Tod ihrer Stieftochter zu benötigen. Bereits zwei Tage danach vereidigte der Bundestag den früheren rheinland-pfälzischen Ministerpräsidenten Alexander Schweitzer als ihren Nachfolger.

Schweitzer zeigt sich zuversichtlich, dass eine Einigung gelingt. Den Status der Empfehlungen betont er dabei eigens: „Kommissionsvorschläge sind Kommissionsvorschläge sind Kommissionsvorschläge“, sagt er. Frei hält dagegen: Die Koalition habe sich darauf verständigt, das Gesamtkunstwerk in seinen Grundzügen umzusetzen. Dazu stehe er auch ganz persönlich.

Zeitplan der Rentenreform verschiebt sich

Der Fahrplan hat sich zuletzt verschoben. Mitte Oktober gab Bundeskanzler Merz als Zielmarke noch einen Kabinettsbeschluss innerhalb des laufenden Jahres aus. Anschließend sollte vor dem Jahreswechsel eine erste Lesung im Bundestag stattfinden, gefolgt von der abschließenden Abstimmung in Bundestag und Bundesrat Anfang 2027. Der zunächst für den 1. Januar 2027 vorgesehene Starttermin lässt sich Stand Ende Oktober jedoch nicht mehr einhalten. Für den Kabinettsbeschluss wird nun der Dezember 2026 angepeilt, die endgültige Verabschiedung soll im ersten Quartal 2027 erfolgen. Ob und wann die Koalition die Rente mit 63 abschaffen wird, ist damit weiterhin offen.

Warum die Rente mit 63 heute länger dauert

Für die heutigen Jahrgänge ist die abschlagsfreie Rente nach 45 Beitragsjahren ohnehin längst nicht mehr mit 63 Jahren zugänglich. Da die Altersgrenze seit 2012 schrittweise steigt, liegt der frühestmögliche Rentenbeginn faktisch bei rund 64,5 Jahren.

Rente mit 63 abschaffen: Die wichtigsten Fragen im Überblick

Wird die Rente mit 63 jetzt abgeschafft?

Noch nicht endgültig. Die Alterssicherungskommission empfiehlt die Abschaffung, der Koalitionsausschuss hat die Umsetzung angekündigt. Der Kabinettsbeschluss wird derzeit für Dezember 2026 erwartet, während Bundestag und Bundesrat die endgültige Verabschiedung im ersten Quartal 2027 vornehmen sollen.

Rente mit 63 abschaffen - ab wann wäre das möglich?

Nach dem zuletzt bekannten Zeitplan könnte das Gesetz frühestens im ersten Quartal 2027 beschlossen werden. Der ursprünglich angepeilte Starttermin zum 1. Januar 2027 gilt bereits als nicht mehr erreichbar.

Kann ich mit 63 Jahren noch abschlagsfrei in Rente gehen?

Für die heutigen Jahrgänge nicht mehr. Die Altersgrenze für die abschlagsfreie Rente nach 45 Beitragsjahren steigt seit 2012 schrittweise. Der früheste Zugang liegt deshalb bereits jetzt bei rund 64,5 Jahren.

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