Private Markets boomen – viele Anleger profitieren aber nach wie vor nicht

Beratungsszene zu Private Markets
Foto: ChatGPT
Eine Morningstar-Studie zeigt wachsende KI-Akzeptanz und Hürden bei Private Markets.

Künstliche Intelligenz gewinnt bei Anlegern an Vertrauen, ersetzt persönliche Beratung aber bislang nicht. Gleichzeitig stoßen Private Markets trotz wachsender Bedeutung weiterhin auf Zurückhaltung. Eine neue Morningstar-Studie zeigt, woran das liegt.

Private Markets gewinnen weltweit an Bedeutung und gelten für viele Investoren als renditestarke Ergänzung klassischer Anlagen. Nach Angaben von Morningstar gibt es inzwischen 1.643 nicht börsennotierte Unternehmen mit einer Bewertung von mehr als einer Milliarde US-Dollar. Dennoch bleiben viele Privatanleger zurückhaltend.


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Laut der Studie „Investor Perspectives: Retail Investor“ investieren 72 Prozent der britischen Anleger nicht in Private Markets. Mehr als die Hälfte meidet alternative Anlagen vollständig. Nur 18 Prozent geben an, diese Investments zu verstehen. Fehlendes Wissen scheint damit eine der größten Hürden für den Einstieg zu sein.

Auch die langfristige Bindung solcher Anlagen bereitet vielen Investoren Schwierigkeiten. Morningstar empfiehlt bei alternativen Investments einen Anlagehorizont von mindestens zehn Jahren. Gleichzeitig fühlen sich 41 Prozent der Befragten nur mit einer maximalen Haltedauer von drei Jahren wohl.

KI gewinnt Vertrauen, bleibt aber Ergänzung

Parallel verändert künstliche Intelligenz zunehmend das Anlageverhalten privater Investoren. Die meisten Anleger sehen KI allerdings eher als unterstützendes Werkzeug denn als Ersatz für menschliche Beratung.

So akzeptieren 51 Prozent der britischen Anleger die Verantwortung für Verluste, die aus KI-gestützten Empfehlungen entstehen. Bei menschlicher Beratung wird die Verantwortung deutlich häufiger geteilt: 37 Prozent geben sich selbst die Schuld, 28 Prozent dem Berater und 34 Prozent beiden gleichermaßen.

Das Vertrauen in generative KI hat in den vergangenen zwei Jahren spürbar zugenommen. 2026 geben 45 Prozent der Befragten an, großes Vertrauen in KI bei Anlageentscheidungen zu haben. 2024 lag dieser Wert noch bei 29 Prozent. Gleichzeitig sank der Anteil der Anleger mit geringem Vertrauen von 38 Prozent im Jahr 2024 auf 27 Prozent im Jahr 2025.

Trotzdem bleibt die tatsächliche Nutzung begrenzt. 68 Prozent der Anleger verlassen sich weiterhin nicht auf KI bei Investmententscheidungen. Lediglich zwei Prozent nutzen sie für den Großteil ihrer Entscheidungen. Laut Morningstar zeigt sich dieses Muster über alle Altersgruppen hinweg.

Berater bleiben wichtige Orientierungshilfe

Die Studie unterstreicht zugleich die Bedeutung persönlicher Beratung. 89 Prozent der britischen Anleger, die mit Finanzberatern zusammenarbeiten, bewerten diese als sehr wertvoll für ihre Anlagestrategie. Viele Investoren kämpfen laut Morningstar weiterhin mit Informationsüberflutung und Vertrauensfragen.

Bei alternativen Anlagen bleiben Kryptowährungen die populärste Anlageklasse. Der Anteil der Anleger sank jedoch leicht von 25 Prozent im Jahr 2025 auf 23 Prozent im Jahr 2026. Private Equity verlor ebenfalls an Bedeutung und fiel von 26 auf 22 Prozent. Dagegen stieg der Anteil bei Private Debt von sechs auf acht Prozent.

Joseph Agostinelli, Senior Director Market Research bei Morningstar, erklärt: „Investoren signalisieren klar den Bedarf an menschlichem Urteilsvermögen in einer zunehmend digitalen Investmentlandschaft. Zwar wächst das Vertrauen in KI, doch sie ersetzt Berater nicht – vielmehr unterstreicht sie den Wert persönlicher Orientierung, insbesondere in komplexen oder unsicheren Marktphasen. Gleichzeitig zeigen unsere Ergebnisse, dass Zugang und Verständnis weiterhin große Hürden im Bereich Private Markets darstellen, obwohl das Interesse steigt.“

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