Der Einstieg von Warburg Pincus bei Netfonds bringt zwei große Maklerplattformen unter ein gemeinsames Eigentümerdach. Wie genau soll die Zusammenarbeit zwischen Netfonds und Blau Direkt im operativen Geschäft künftig organisiert werden – und wo bleiben beide Plattformen bewusst getrennt?
Steinmeyer: Die Unternehmen selbst bleiben mit ihren Besonderheiten bestehen. Name, Standort und operative DNA von Netfonds bleiben erhalten. Der Netfonds-Vorstand und die Führungsstruktur auf allen Ebenen bleibt in seiner jetzigen Besetzung bestehen und wird weiterhin die operativen Entscheidungen im Alltagsgeschäft eigenverantwortlich leiten. Die bestehenden Arbeitsinfrastrukturen und Prozesse bleiben grundsätzlich unverändert. Die Unternehmen bleiben operativ in ihrer Grundstruktur, ihrem Namen und ihrer Führung eigenständig. Wir werden die nächsten Monate dazu nutzen, die Ansätze zu identifizieren und zu priorisieren. Gemeinsames Potenzial gibt es eindeutig.
Welche konkreten technologischen Projekte planen Sie gemeinsam, insbesondere im Bereich Künstliche Intelligenz und Automatisierung für Vermittler?
Steinmeyer: Grundsätzlich erhalten die Partner von Netfonds erweiterten Zugriff auf modernste Versicherungsprozesse, während Blau-Partner von der Investment-Kompetenz von Netfonds profitieren. Es werden zudem stärkere Investitionen in IT-Teams erfolgen, um die Entwicklung im Technologiebereich weiter signifikant zu beschleunigen und durch die Integration der „Tjara“-Infrastruktur marktführende Lösungen für Bestandsnachfolge im Investment- und Versicherungsbereich zu schaffen. Beide Unternehmen zählen in ihren jeweiligen Segmenten zu den Technologieführern. Gemeinsam investieren wir jährlich rund 14 Millionen Euro in die Weiterentwicklung unserer Infrastruktur, Plattformlösungen und automatisierten Prozessen. Versicherung und Investment wachsen technologisch enger zusammen. In der KI-Ära erschließen wir neue Potenziale und definieren gemeinsam das Betriebssystem der Branche. Wir verfügen über beste Voraussetzungen, Makler beim Einsatz von KI mit voller Kraft nach vorne zu bringen.
Welche Veränderungen werden angeschlossene Makler und Partner kurzfristig spüren – etwa bei Plattformfunktionen, Prozessen oder Produktzugängen?
Steinmeyer: Wir werden die nächsten Wochen und Monate nutzen, um gemeinsame Maßnahmen zu identifizieren und priorisieren. Beide Plattformen sind durch moderne APIs konnektiv – auf dieser Basis lässt sich einiges entwickeln.
Der Börsenrückzug von Netfonds ist ein zentraler Teil der Transaktion: Welche strategischen Freiheiten erwarten Sie konkret von der privaten Eigentümerstruktur unter Warburg Pincus?
Steinmeyer: Es entfällt der „recht große Aufwand“, insbesondere Veröffentlichungspflichten, alle Anforderungen zu erfüllen, die mit einer Börsennotierung zusammenhängen. Netfonds gewinnt einen Partner mit umfangreicher Sektorerfahrung in den Bereichen Finanzdienstleistungen und Technologien und Fokus auf nachhaltigem Wachstum seiner Portfoliounternehmen, der zusätzliche Ressourcen und finanzielle Stabilität für die Erreichung unserer gesetzten Ziele verschafft. Der neue Prozess bei strategisch wichtigen Entscheidungen kann den „umständlichen Weg zur Bank“ ersparen. Dies ermöglicht die einfachere und schnellere Realisierung wesentlicher Investitionen, die das Wachstum beschleunigen. Warburg Pincus ist ein strategisch denkender Wachstumsinvestor, der den weiteren Weg unterstützt und Netfonds zusammen mit Blau Direkt zu einem führenden Anbieter im Markt für Software- und Infrastrukturdienstleistungen für die Finanz- und Versicherungsbranche macht.
Die Fragen stellte Kim Brodtmann, Cash.













