Der Ölpreis ist am Montag, 19. Oktober 2026, deutlich zurückgefallen. Der Dezember-Kontrakt der Nordsee-Sorte Brent büßte im frühen Handel fast zwei Prozent ein und rutschte auf 107,83 US-Dollar je Barrel. Das berichtet die Nachrichtenagentur dpa-AFX. Am Freitag zuvor hatte Brent noch bei 109,86 US-Dollar geschlossen, ein Tagesplus von 3,7 Prozent. Im Tagesverlauf erreichte der Kurs erstmals seit Mai 2026 die Marke von 110 US-Dollar, wie der US-Sender CNBC meldet. Ursächlich dafür sind frische Attacken rund um den Persischen Golf sowie auf saudisches Territorium. US-Energieminister Chris Wright setzt dagegen auf Beruhigungssignale zur Versorgungslage.
Warum der Ölpreis zuletzt auf ein Fünf-Monats-Hoch stieg
Die britische Seefahrtsbehörde UKMTO registrierte am Freitag zwei Angriffe auf Schiffe vor der saudischen Hafenstadt Al Jubayl. Ein unbekanntes Projektil traf einen Tanker. Eine von einem Boot abgefeuerte Panzerfaust beschädigte ein zweites Schiff am Heck. Einen Tag später meldeten die iranische Revolutionsgarde (IRGC) und die staatliche Agentur IRNA zwei brennende Großtanker in der Straße von Hormuz. Beide Schiffe hätten jeweils rund zwei Millionen Barrel Rohöl geladen und seien auf Minen getroffen. Eine unabhängige Bestätigung dieser Darstellung gibt es bislang nicht.
Noch gravierender war die Attacke der jemenitischen Huthi-Rebellen auf den internationalen Flughafen von Riad am 10. Oktober, bei der laut saudischen Behörden mindestens zwölf Menschen ums Leben kamen und über 300 verletzt wurden. Für Saudi-Arabien war dies der folgenreichste Anschlag seit über zehn Jahren. Der Golf-Kooperationsrat verurteilte die wiederholten Huthi-Angriffe am 18. Oktober und sagte dem Königreich seine Unterstützung zu.
Chris Wright beschwichtigt - Tankerdaten widersprechen ihm
Beim WPC Energy Congress in Riad bemühte sich Wright, die Anspannung an den Märkten zu dämpfen. Nach seinen Angaben habe sich der Öltransport durch die Straße von Hormuz bereits wieder auf 80 bis 90 Prozent des Niveaus vor Kriegsbeginn eingependelt, was ungefähr 13 bis 14 Millionen Barrel täglich entspreche. Bei Raffinerieprodukten falle die Erholung mit erst 25 bis 30 Prozent deutlich geringer aus, räumte Wright ein.
Davon abweichende, unabhängig erhobene Tankerdaten des Analysehauses Kpler ergeben für den Monat September ein anderes Bild. Demnach flossen durch die Straße von Hormuz lediglich rund neun Millionen Barrel pro Tag. Das sind etwa 44 Prozent des Vorkriegsniveaus. Für Berater und Anleger ist die Diskrepanz ein Hinweis, offizielle Entwarnungen zur Lage am Ölmarkt nicht unkritisch zu übernehmen.
Diesel-Engpass setzt Europa unter Druck
Bereits Anfang Oktober forderte Wright Deutschland und Frankreich auf, ihre Diesel-Notreserven vor Beginn des Winters freizugeben. Gegenüber dem Sender Fox News sagt er: „This is a time for a coordinated release of diesel stores as we go into harvest season and we go into winter heating oil season.“ Und: „Now’s the time to bring more diesel to the market, and that diesel is available.“ Andernfalls erwäge die US-Regierung ein Exportverbot für Diesel. Auf Unterstützung aus Europa setzt der Minister dabei große Hoffnungen.
Die Internationale Energieagentur (IEA) reagierte und gab rund 100 Millionen Barrel an Notreserven frei, davon mehr als 20 Millionen Barrel Diesel. Die Organisation nennt die Störung durch den Nahost-Krieg die größte Angebotsstörung in der Geschichte des globalen Ölmarkts. Die Flüsse durch die Straße von Hormuz fielen von rund 20 Millionen Barrel pro Tag vor dem Krieg auf ein Rinnsal. Zugleich kürzten die Golfstaaten ihre Gesamtproduktion um mindestens zehn Millionen Barrel pro Tag.
Hinzu kommen die Ausfälle bei den Produkten. Laut IEA-Oktoberbericht sorgten Produktions- und Lieferausfälle im Nahen Osten und in Russland dafür, dass dem Markt im Vergleich zum Vorjahresmonat September Diesel- und Gasöl-Exporte von etwa 1,3 Millionen Barrel täglich fehlten.
Vom Tief Ende 2025 zum Krisenhoch: Der Ölpreis im Rückblick
Die aktuelle Schwankungsbreite wirkt besonders groß, da ihr Ausgangspunkt ein außergewöhnlich niedriges Preisniveau war. Im Jahresdurchschnitt 2025 lag der Ölpreis für ein Barrel Brent bei nur 69 US-Dollar. Inflationsbereinigt war das der niedrigste Stand seit 2020. Ursache waren ein globales Überangebot, eine schwache Nachfrage und höhere Förderziele der OPEC+-Staaten.
| Datum | Brent-Preis | Kontext |
|---|---|---|
| 16.12.2025 | 59,93 US-Dollar | 52-Wochen-Tief, Überangebot am Markt |
| 07.04.2026 | 138,21 US-Dollar | 52-Wochen-Hoch, Eskalation im Nahen Osten |
| 01.07.2026 | rund 70 US-Dollar | Zwischentief, ab Ende Juli Anstieg wegen stockender Iran-USA-Verhandlungen |
| 16.10.2026 | 109,86 US-Dollar | Schlusskurs, höchster Stand seit Mai 2026 |
| 19.10.2026 | 107,83 US-Dollar | Rückgang im frühen Montagshandel |
Ukraine-Krieg verschärft die Energiekrise zusätzlich
Parallel zur Nahost-Krise, die den Ölpreis treibt, spitzt sich der Ukraine-Konflikt erneut zu. Mitte Oktober gab Präsident Wolodymyr Selenskyj bekannt, dass die von US-Präsident Donald Trump ausgehandelte Vereinbarung zur Verschonung von Energieanlagen aus ukrainischer Sicht nicht mehr gelte. Russland berichtete daraufhin, am 15. Oktober sei die Raffinerie Rjasan, etwa 180 Kilometer von Moskau gelegen, von der Ukraine angegriffen worden.














