Umfrage: Trump-Schock bleibt aus – deutsche Anleger lassen sich nicht verunsichern

Trump und die Kapitalmärkte
Foto: ChatGPT
Umfrage: Deutsche Privatanleger bleiben in Krisen gelassen und halten an Strategien fest.

Geopolitische Spannungen sorgen regelmäßig für Unruhe an den Märkten. Doch eine aktuelle Umfrage zeigt: Viele deutsche Privatanleger reagieren besonnener als erwartet und ändern ihre Strategie kaum. Was hinter dieser Stabilität steckt, überrascht.

Geopolitische Krisen dominieren derzeit die Nachrichtenlage und beeinflussen die Finanzmärkte. Dennoch reagieren deutsche Privatanleger weniger impulsiv als häufig angenommen. Das zeigt eine repräsentative Umfrage des Meinungsforschungsinstituts Civey im Auftrag des Direkt-Brokers tradegate.direct unter rund 2.000 Anlegern.

Rund drei Viertel der Befragten geben an, dass geopolitische Ereignisse wie der Krieg im Iran ihr Anlageverhalten aktuell nur gering beeinflussen. Parallel dazu bleibt das Vertrauen in den Aktienmarkt stabil: 62 Prozent berichten von keiner Eintrübung ihres Vertrauens. Die Ergebnisse deuten darauf hin, dass viele Anleger in Krisenzeiten zunächst beobachten, statt unmittelbar zu reagieren.


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Dieses Muster zeigt sich auch im konkreten Verhalten. 61,5 Prozent verfolgen derzeit eine abwartende Strategie. Etwa 18 Prozent nutzen gezielt Chancen, während knapp 12 Prozent aktiv Risiken reduzieren.

Anleger setzen auf Stabilität im Portfolio

Auch auf Portfolioebene bleibt die Mehrheit zurückhaltend. Rund 70 Prozent der Befragten haben keine Anpassungen vorgenommen. Gleichzeitig ist eine leichte Verschiebung in Richtung Vorsicht erkennbar: Einige Anleger erhöhen ihre Liquidität oder setzen stärker auf defensive Anlageklassen.

Dennis Puschmann, Dipl.-Volkswirt und Direktor bei tradegate.direct, sagt: „Für viele Anleger sind Krisen kein Schock mehr, sondern Teil eines bekannten Musters geopolitischer Spannungen. Entsprechend reagieren sie weniger impulsiv und warten ab, ob daraus tatsächlich nachhaltige wirtschaftliche Effekte entstehen.“

Ein differenzierter Blick zeigt zudem, dass nicht jede Krise gleich stark wirkt. Während der Krieg im Iran selbst nur begrenzte direkte Auswirkungen auf Depots hat, reagieren Anleger sensibler auf steigende Ölpreise.

Ölpreis als entscheidender Einflussfaktor

Zwar bleibt auch bei steigenden Energiepreisen die Mehrheit passiv, doch 35,3 Prozent der Befragten nehmen Anpassungen vor. Diese erfolgen etwa durch breitere Diversifikation oder gezielte Investments in bestimmte Sektoren. Insgesamt bleiben 55 Prozent jedoch auch in diesem Szenario bei ihrer bisherigen Strategie.

Die Ergebnisse spiegeln bekannte Marktmechanismen wider: Geopolitische Konflikte beeinflussen Anleger vor allem dann stärker, wenn konkrete wirtschaftliche Folgen sichtbar werden, etwa über Energiepreise, Inflation oder gestörte Lieferketten.

Ein Blick auf mögliche zukünftige Entwicklungen zeigt zudem einen antizyklischen Ansatz bei vielen Investoren.

Mehr Kaufbereitschaft bei anhaltenden Krisen

Für den Fall eines länger anhaltenden Konflikts würden 17,7 Prozent der Befragten ihren Aktienanteil erhöhen, während lediglich 9,9 Prozent eine Reduzierung planen. Damit überwiegt die Zahl potenzieller Käufer deutlich.

Dennis Puschmann sagt: „Auffällig ist, dass Krisen zunehmend auch als Chance interpretiert werden. Während viele Anleger stabil bleiben, nutzen andere Rücksetzer gezielt für den Einstieg. Das spricht für ein wachsendes Vertrauen in die langfristige Entwicklung von Aktien.“

Die Umfrage wurde zwischen dem 27. März 2026 und dem 12. April 2026 durchgeführt. Befragt wurden rund 2.000 Personen in Deutschland, die in Aktien, ETFs oder Fonds investieren. Die Ergebnisse sind repräsentativ bei einem statistischen Fehler von 4,9 Prozentpunkten.

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