PwC-Auswertung: Deutsche Banken verdienen wenig

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Kunden finden immer seltener den Weg in eine Bankfiliale hinein.

Banker betreiben in Deutschland ein mühsames Geschäft: Im internationalen Vergleich machen deutsche Privatkundenbanken nur sehr bescheidene Gewinne. Sowohl in Österreich als auch insbesondere in der Schweiz arbeiten Banken weit profitabler. Das hat eine Analyse des europäischen Bankensektors ergeben, die die Unternehmensberatung Strategy& am Mittwoch veröffentlichte. Bei der seit Jahren andauernden Welle der Filialschließungen ist laut Studie das Ende noch nicht erreicht.

Pro Kunde erzielte die Durchschnitts-Privatkundenbank in Deutschland im vergangenen Jahr lediglich 180 Euro Gewinn. Das waren 8 Euro mehr als 2020, aber nur Platz zehn von zwölf verglichenen Ländern und Weltregionen. Nur Banken in Großbritannien und den USA taten sich noch schwerer.

Schweizer Geldhäuser hingegen lagen – vom Wechselkurs begünstigt – mit 528 Euro Gewinn pro Kunde auf Platz eins, die österreichischen Banken mit 234 Euro immerhin noch im Mittelfeld auf Platz 6. Die zur Wirtschaftsprüfungsgesellschaft PwC gehörende Beratung analysierte die Ergebnisse von rund 50 Privatkundenbanken und Bankengruppen in Europa, Nordamerika und Australien mit insgesamt 690 Millionen Kunden.

Insgesamt war 2021 laut Studie für die internationale Bankenbranche ein erfreuliches Jahr, die Umsätze stiegen im Schnitt um vier Prozent. 70 Prozent haben demnach ihre Betriebsergebnisse gesteigert. Die Kundschaft trug viel Geld auf die Banken: Die Einlagen wuchsen um sieben Prozent. Fast ebenso kräftig legte das Kreditgeschäft mit einem Plus von sechs Prozent zu. Beide Trends waren in Deutschland auch in den Vorjahren schon zu beobachten.

Nur noch zwei bis drei Kundengespräche pro Arbeitstag

Bei der seit Jahren andauernden Welle der Filialschließungen in Europa ist laut Studie das Ende noch nicht erreicht. Die Unternehmensberater gehen davon aus, dass die Zahl der Bankfilialen europaweit um acht Prozent zurückging – in der 2020 veröffentlichten Vorgängerstudie prophezeiten Studienautor Andreas Pratz und seine Kollegen, dass die Zahl der Geschäftsstellen von knapp 60.000 im Jahr 2020 bis 2023 auf nur noch 36.000 schrumpfen könnte.

Eine Hauptursache ist demnach, dass die Kunden immer seltener den Weg in eine Bankfiliale hinein finden. Im Schnitt führen die Angestellten im Vertrieb demnach pro Arbeitstag nur noch zwei bis drei Kundengespräche für Beratung oder Verkauf. (dpa-AFX)

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