Die abschlagsfreie Altersrente für besonders langjährig Versicherte, umgangssprachlich als „Rente mit 63“ bekannt, könnte vor dem Aus stehen. Die Alterssicherungskommission empfiehlt, die Möglichkeit eines abschlagsfreien vorzeitigen Renteneintritts nach 45 Versicherungsjahren schrittweise abzuschaffen. Bundeskanzler Friedrich Merz und Bundesarbeitsministerin Bärbel Bas haben angekündigt, die Vorschläge der Kommission möglichst umfassend umzusetzen.
Noch handelt es sich nicht um geltendes Recht. Dennoch zeichnet sich eine politische Richtung ab: Beschäftigte, die bislang mit einem vorgezogenen Ruhestand ohne Rentenabschläge gerechnet haben, müssten künftig länger arbeiten oder finanzielle Einbußen durch Abschläge akzeptieren.
Nach den Empfehlungen der Kommission soll ein vorzeitiger Renteneintritt grundsätzlich nur noch mit Abschlägen möglich sein. Gleichzeitig soll die Regelaltersgrenze künftig stärker an die Entwicklung der Lebenserwartung gekoppelt werden. Für rentennahe Jahrgänge ist ein Vertrauensschutz vorgesehen. Wie dieser konkret ausgestaltet wird, soll erst im Gesetzgebungsverfahren entschieden werden.
Welche Folgen hätte ein Aufschub?
Für Arbeitnehmer hätte eine spätere Rente gleich mehrere Auswirkungen:
- Längere Erwerbstätigkeit: Betroffene müssten je nach Ausgestaltung der Reform mehrere Monate oder sogar Jahre länger arbeiten.
- Höhere Rentenansprüche: Zusätzliche Beitragsjahre erhöhen die erworbenen Entgeltpunkte und damit die spätere Monatsrente.
- Weniger Rentenbezugsjahre: Gleichzeitig verkürzt sich statistisch die Zeit, in der die gesetzliche Rente bezogen wird.
- Mehr Belastung für körperlich Arbeitende: Gerade Beschäftigte in körperlich anstrengenden Berufen könnten Schwierigkeiten haben, bis zum höheren Rentenalter im Erwerbsleben zu bleiben.
- Neue Bedeutung privater Vorsorge: Wer früher aus dem Berufsleben ausscheiden möchte, muss die Einkommenslücke künftig häufiger durch private oder betriebliche Altersvorsorge schließen.
Entlastung der Rentenkasse und Kritik an den Plänen
Befürworter der Reform verweisen auf eine langfristige Stabilisierung der gesetzlichen Rentenversicherung. Nach Berechnungen der Bertelsmann Stiftung könnten pro Rentnerjahrgang rund 9,5 Milliarden Euro eingespart werden. Gleichzeitig würden dem Arbeitsmarkt etwa 125.000 zusätzliche Arbeitskräfte erhalten bleiben.
Kritiker warnen dagegen vor sozialen Härten. Besonders Menschen mit langen Erwerbsbiografien in belastenden Tätigkeiten oder unterbrochenen Versicherungsverläufen könnten benachteiligt werden. Sie fordern deshalb umfassende Vertrauensschutzregelungen und Härtefallklauseln.
Auch wenn die Reform bislang nicht beschlossen ist, raten Experten Beschäftigten, ihre persönliche Altersvorsorge frühzeitig zu überprüfen. Dazu gehört, den aktuellen Rentenbescheid zu kontrollieren, die Zahl der bereits erworbenen Versicherungsjahre zu prüfen, mögliche Versorgungslücken zu berechnen sowie betriebliche und private Vorsorgemaßnahmen bei Bedarf auszubauen. Zudem kann eine individuelle Rentenauskunft der Deutschen Rentenversicherung helfen, die Auswirkungen möglicher Gesetzesänderungen besser einzuschätzen.







