Stärkerer US-Dollar belastet Edelmetalle – Gold mit besseren Aussichten als Silber

Gold und Silber
Foto: ChatGPT
Julius Bär sieht Gold nach dem Preisrückgang langfristig im Vorteil, während die Aussichten für Silber verhaltener bleiben.

Äußerungen von US-Finanzminister Scott Bessent haben Gold und Silber deutlich unter Druck gesetzt. Nach Einschätzung von Julius Bär sprechen kurzfristig Kapitalabflüsse und veränderte Zinserwartungen gegen Edelmetalle. Langfristig sieht die Bank jedoch vor allem für Gold weiterhin Potenzial.

Die Äußerungen von US-Finanzminister Bessent zur Dominanz des US-Dollars üben Druck auf die Gold- und Silberpreise aus. Gold sollte aber verlorenen Boden wieder gutmachen können, während die Lage bei Silber weniger eindeutig ist, sagt Carsten Menke, Head Next Generation Research bei Julius Bär:

Gold und Silber sind in Richtung der wichtigen Schwellenwerte von 4.000 bzw. 60 US-Dollar pro Unze gefallen. Auslöser sind offenbar Äußerungen von US-Finanzminister Scott Bessent, die Dominanz des US-Dollars sei unerlässlich, Venezuela kehre zum Dollarsystem zurück und auch der Iran werde seine Rechnungen in Dollar ausstellen. Einfacher ausgedrückt: Die Handelsströme weg vom Dollar sowie die Dollarentwertung an den Edelmetallmärkten sollten sich umkehren. Inwieweit geht es hier um Kapitalflüsse und inwieweit um Fundamentaldaten? 


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Derart scharfe und rasche Bewegungen deuten stets in Richtung Kapitalflüsse, insbesondere wenn wichtige Schwellenwerte durchbrochen werden. Kapitalflüsse werden oft von einem Trend oder von Narrativen wie der Entdollarisierung und der Dollarentwertung angetrieben – beide haben sich in diesem Fall ins Gegenteil verkehrt. So sehr der Trend den Edelmetallmärkten auf ihrem Weg nach oben ein Freund war, so sehr ist er nun ihr Feind. 

Dennoch haben sich auch die fundamentalen Aussichten unbestreitbar verschlechtert. Die Edelmetalle sehen sich nun einer US-Notenbank gegenüber, die sich weitaus mehr Sorgen um die Inflation macht als bisher angenommen. Zwar ist ein Teil des Inflationsdrucks vorübergehend, doch die US-Wirtschaft bleibt sehr widerstandsfähig, was der Inflation eine gewisse Dauerhaftigkeit verleiht. Die Erwartungen hinsichtlich der US-Geldpolitik haben sich somit umgekehrt: Zu Beginn des Jahres ging man noch von Zinssenkungen und einem schwächeren US-Dollar aus, heute rechnet man mit Zinserhöhungen und einem stärkeren US-Dollar. 

Für die Edelmetalle ist die Konsequenz klar: Die Anleger sind von Käufern zu Verkäufern geworden. Dies gilt insbesondere für die westliche Welt, wo die Investitionsnachfrage eng mit der US-Geldpolitik verknüpft ist, was sich im Kauf und Verkauf von physisch gedeckten Produkten widerspiegelt. Anleger kaufen, wenn die US-Zinsen fallen und der US-Dollar nachgibt, und sie verkaufen, wenn die Zinsen steigen und der Dollar an Wert gewinnt. 

Unsere Einschätzung der US-Geldpolitik bleibt vorerst unverändert; wir rechnen nicht damit, dass die Fed die Zinsen anheben wird. Die Investitionsnachfrage dürfte wieder anziehen, insbesondere bei Gold, sobald wieder Klarheit und Überzeugung hinsichtlich der US-Geldpolitik herrschen. Bei Silber ist die Lage weniger eindeutig, da es noch immer unter den Nachwirkungen des spekulationsgetriebenen Rausches leidet, was die Anleger weiterhin zur Zurückhaltung veranlassen dürfte. Gold dürfte zudem durch Käufe der Zentralbanken gestützt werden, die wir nach wie vor als die stärkste strukturelle Kraft am Markt ansehen. 

Allerdings ist bereits viel Schaden angerichtet worden, und es wird wohl einige Zeit dauern, bis der Markt wieder Fuß fasst. Rekordhochs bleiben vorerst außer Reichweite, doch wir gehen davon aus, dass die Preise langfristig das verlorene Terrain wiedergutmachen werden, und bekräftigen daher unsere konstruktive Einschätzung für Gold. Gleichzeitig bleiben wir bei Silber neutral und halten an unserer Long-Position im Gold-Silber-Verhältnis fest.


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