Der Klimawandel sorgt in Deutschland zunehmend für Extremwetter und damit auch für mehr Hagelschäden an Autos. Zwar verlief das Jahr 2025 aus Sicht der Versicherer vergleichsweise ruhig, doch von einer echten Entwarnung kann keine Rede sein. Das zeigt der neue „Hagelatlas 2026“ der Verti Versicherung.
Schadenarmes Jahr 2025
Nach Angaben des Gesamtverbands der Deutschen Versicherungswirtschaft (GDV) verursachten Naturgefahren im Jahr 2025 Schäden von rund 2,6 Milliarden Euro. Etwa 700 Millionen Euro davon entfielen auf den Kfz-Bereich. Damit war 2025 zwar eines der schadenärmsten Hageljahre der vergangenen zehn Jahre. Gleichwohl sehen die Versicherungsexperten darin keine Trendwende. Noch 2023 hatten schwere Unwetter allein im Kfz-Bereich Schäden von rund 2,1 Milliarden Euro verursacht. Insgesamt summierten sich die Naturgefahrenschäden damals auf etwa 6,2 Milliarden Euro.
Der vergleichsweise ruhige Verlauf des vergangenen Jahres sei laut GDV eher „Glückssache“ gewesen. Denn langfristig nähmen Intensität und Häufigkeit extremer Wetterereignisse weiter zu. Das spiegelt sich auch in den Schadenmeldungen wider, die von Jahr zu Jahr stark schwanken.
Regionale Hagel-Hotspots
Regional zeigen sich dabei deutliche Unterschiede. Besonders betroffen waren 2025 Nordrhein-Westfalen, Baden-Württemberg und Bayern. Auch Niedersachsen, Sachsen und Thüringen verzeichneten eine erhöhte Hagelhäufigkeit. Weniger Schäden meldeten dagegen Bremen, Mecklenburg-Vorpommern und Schleswig-Holstein.

Vor allem Süddeutschland gilt seit Jahren als Hagel-Hotspot. Das liegt an den geografischen Bedingungen: In den Alpenregionen steigt feuchtwarme Luft besonders schnell auf und trifft in höheren Luftschichten auf kalte Temperaturen – ideale Voraussetzungen für kräftige Gewitter und große Hagelkörner. Auch Mittelgebirgsregionen wie Schwarzwald, Harz oder Thüringer Wald gelten als besonders gefährdet. Trotzdem kann Hagel grundsätzlich überall in Deutschland auftreten – oft überraschend und sehr lokal begrenzt.

Wie unterschiedlich sich die Unwetter verteilen, zeigt auch das Städteranking des Hagelatlas. Unter den Großstädten mit mehr als 500.000 Einwohnern lag 2025 Leipzig an der Spitze – vor Dortmund und München. Dahinter folgen Duisburg, Stuttgart, Köln, Düsseldorf, Hannover, Bremen und Frankfurt. Auffällig: Die Reihenfolge verändert sich nahezu jedes Jahr. Denn Hagelzellen treffen häufig nur einzelne Stadtteile oder Straßenzüge, während andere Bereiche komplett verschont bleiben.
Die Dellenmonate Mai bis August
Besonders hoch ist das Risiko zwischen Mai und August. In dieser Zeit treffen feuchtwarme Luft, starke Sonneneinstrahlung und große Temperaturunterschiede besonders häufig aufeinander. Dadurch entstehen kräftige Aufwinde in Gewitterwolken – die wichtigste Voraussetzung für Hagel.
Die Schäden an Fahrzeugen reichen von kleinen Dellen bis hin zu sicherheitsrelevanten Defekten. Besonders häufig sind Beulen in der Karosserie, Lackschäden oder gesprungene Scheiben. Aber auch Spiegel, Antennen oder empfindliche Technik wie Sensoren und Kameras können beschädigt werden. Gerade Schäden an der Frontscheibe können schnell zum Sicherheitsrisiko werden.
Entsprechend wichtig ist Vorsorge. Experten empfehlen, Wetterwarnungen aufmerksam zu verfolgen und Fahrzeuge möglichst in Garagen oder unter Carports abzustellen. Wer unterwegs überrascht wird, kann mit Hagelschutzplanen, Decken oder Luftpolsterfolie versuchen, Schäden zumindest abzumildern. Ebenso wichtig ist der passende Versicherungsschutz: Hagelschäden werden in der Regel von Teil- oder Vollkaskoversicherungen übernommen – nicht jedoch von einer reinen Haftpflichtversicherung.
Teures Blech
Wie teuer ein Hagelschaden werden kann, hängt stark vom Einzelfall ab. Laut Verti liegen die Reparaturkosten häufig im vierstelligen Bereich. Entscheidend sind unter anderem Fahrzeugtyp, Anzahl der Dellen und die betroffenen Fahrzeugteile. Besonders teuer wird es, wenn ganze Karosserieteile ersetzt oder Scheiben ausgetauscht werden müssen.
„Die Kosten hängen stark vom Schadenbild ab“, sagt Alexander Held, Direktor Technical/Produkt bei Verti. Entscheidend sei vor allem, Schäden schnell zu dokumentieren und der Versicherung zu melden. Denn selbst kleine Einschläge könnten später größere Probleme verursachen – etwa wenn aus einem zunächst kaum sichtbaren Treffer ein Riss in der Frontscheibe wird.
Die Studie von Verti analysiert jährlich regionale Schwerpunkte, typische Schadensmuster und gibt Hinweise, wie sich Autofahrer besser schützen können.













