Die Provinzial erweitert ihre Digitalisierungsstrategie um einen zusätzlichen Baustein: Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter aus den Fachbereichen sollen als sogenannte „Citizen Developer“ eigenständig Automatisierungslösungen entwickeln und umsetzen. Dafür setzt das Unternehmen auf Robotic Process Automation (RPA) und Low-Code-Technologien.
Nach Angaben des Versicherers ergänzen die Citizen Developer die bestehenden Digitalisierungsmaßnahmen rund um moderne Kernsysteme, digitale Services, Künstliche Intelligenz und datenbasierte Anwendungen. Ziel ist es, wiederkehrende Routineaufgaben zu automatisieren und Abläufe effizienter zu gestalten.
„Unsere Digitalisierung steht bewusst auf mehreren Säulen: Wir investieren in moderne Kernsysteme, digitale Services, KI und datenbasierte Lösungen – und ergänzen dies durch intelligente Automatisierungen direkt aus den Fachbereichen“, sagt Dr. Rainer Sommer, Vorstand für Vertragsservice & Schaden Komposit und Technologie im Provinzial Konzern. „Citizen Developer leisten darauf aufbauend einen wichtigen Beitrag. Sie kennen die Abläufe und Kundenerwartungen genau und sorgen dafür, dass viele kleine Verbesserungen in Summe einen spürbaren Unterschied machen.“
Ergänzung zur klassischen IT
Die Weiterentwicklung der zentralen IT-Systeme bleibt weiterhin Aufgabe der professionellen IT. Die Citizen Developer arbeiten dagegen direkt in ihren Fachbereichen. Dort identifizieren sie wiederkehrende Tätigkeiten wie Datenprüfungen, Datentransfers oder die Bearbeitung standardisierter Massenvorgänge und automatisieren diese mit der Plattform UiPath.
Die Projekte entstehen laut Provinzial in enger Abstimmung mit der IT sowie dem unternehmenseigenen Automation-Team, das technische Standards, Sicherheit und Governance sicherstellt. Zusätzlich unterstützt eine interne Community den Austausch zwischen den Citizen Developern.
Für die Qualifizierung hat Provinzial gemeinsam mit T-Systems ein mehrwöchiges Schulungsprogramm entwickelt. Mitarbeitende lernen darin, Prozesse zu analysieren, Automatisierungspotenziale zu identifizieren und Software-Roboter zu entwickeln, zu testen und produktiv einzusetzen.
Mehr als 30 Anwendungsfälle im Einsatz
Inzwischen arbeiten nach Unternehmensangaben mehr als 20 Citizen Developer an über 30 Anwendungsfällen. Einsatzgebiete sind unter anderem der Vertragsservice, das Prozess- und Qualitätsmanagement Schaden, die Lebensversicherung sowie die Migration großer Vertragsbestände.
Automatisiert werden beispielsweise standardisierte Routineprozesse, die bislang manuell bearbeitet wurden. Auch die Massenerfassung und Migration von Verträgen sowie automatisierte Datentransfers zwischen verschiedenen Systemen zählen zu den Einsatzfeldern. Ziel ist es, Bearbeitungszeiten zu verkürzen und Fehlerquellen durch manuelle Eingaben zu reduzieren.
„Entscheidend ist weniger ein IT-Studium als vielmehr Neugier und die Bereitschaft, sich in neue Themen hineinzudenken“, sagt Sebastian Speier aus dem Bereich Vertragsservice und einer der ersten Citizen Developer. „Die Schulung nimmt einen sehr gut an die Hand – man wird Schritt für Schritt befähigt, eigene Roboter zu bauen. Besonders motivierend ist, wie schnell man sieht, welchen Unterschied die Automatisierung im Alltag macht. Und es macht wirklich Spaß, besonders wenn der eigene Roboter läuft.“
















