Auch unter Präsident Donald Trump gibt es in der Wirtschaftspolitik kein „free lunch“ – diese Erfahrung wird Finanzminister Scott Bessent machen müssen. Zuletzt war im Finanzministerium die Sorge um die Zinsentwicklung gewachsen, und diese Sorge ist berechtigt: Im laufenden Jahr müssen etwa 3,8 Prozent der gesamten Wirtschaftsleistung für Zinszahlungen auf die hohen staatlichen Schulden ausgegeben werden. Vor zehn Jahren waren es noch weniger als 2 Prozent gewesen, und auf der Grundlage des Zinsniveaus von Anfang März sollte dieser Wert in den kommenden zehn Jahren auf knapp 6 Prozent steigen. Legt man das aktuelle Zinsniveau zugrunde, wird es allerdings noch knapp einen Prozentpunkt mehr sein. Die gesamte Staatsverschuldung steigt bis 2036 auf 159 Prozent des BIP. Mit dem alten Zinsniveau wären es ebenfalls beunruhigende 154 Prozent gewesen.
Kein Wunder also, dass Finanzminister Bessent bestrebt ist, einen weiteren Anstieg des Zinsniveaus zu begrenzen. Dieses Ziel war schon das wichtigste Motiv für die gemeinsame Aktion mit der japanischen Notenbank zur Stützung des Yen. Jetzt kündigte Bessent an, langlaufende Staatsschuldenpapiere zurückzukaufen und dies wahlweise durch die Ausgabe kurzlaufender T-Bills oder mit Hilfe des Kontos bei der eigenen Notenbank zu finanzieren. Die Aktion erfüllt zunächst ihren Zweck: Die aktuellen Zinsen für 10- und 30-jährige Staatsanleihen liegen etwa 10 Basispunkte unter dem Niveau von Ende Juli. Längerfristig dürfte der Effekt allerdings begrenzt bleiben, denn das zugrunde liegende Problem, die nicht nachhaltige Entwicklung der staatlichen Finanzen, wird keineswegs gelöst. Ein ernsthafter Wille zur Trendumkehr, also zur Begrenzung der Ausgaben, ist bislang nicht zu erkennen.
Steht die Unabhängigkeit der Fed wieder zur Diskussion?
Die Intervention hat nun aber einen inhärenten Zielkonflikt mit der Fed zur Folge: Diese verfehlt schon seit mehr als fünf Jahren ihr Ziel, die Inflationsrate auf 2 Prozent zu begrenzen. Das Entscheidungsgremium der Fed hatte zuletzt klare Signale ausgesandt, dieses Problem stärker in den Fokus zu nehmen und eine Rückführung des Inflationstrends auf 2 Prozent anzustreben. Unklarheiten, ob Fed-Chef Kevin Warsh diesen Kurs mitträgt, dürften nach seiner Rede in Jackson Hole geringer geworden, aber nicht vollständig verschwunden sein. Die Unsicherheit über den Kurs der Fed sorgte nach der Juli-Sitzung für Irritationen und trieb die Zinsen nach oben. Nach Meinung der Marktteilnehmer sind für eine Zielerreichung in absehbarer Zeit jedenfalls mindestens zwei Zinserhöhungen notwendig. Womöglich reicht das nicht aus, sodass die Fed ihren Zinserhöhungszyklus weiter vorantreiben muss. So oder so dürften steigende Zinsen am kurzen Ende der Zinskurve aus Sicht des Finanzministeriums problematisch sein, weil die Wirkung höherer Zinsen auf die gesamten Verbindlichkeiten angesichts häufiger Refinanzierungsnotwendigkeiten schnell eintritt und sich die Lage der Staatsfinanzen damit weiter verschlechtert. Die absehbare Folge wären weiter steigende Langfristzinsen, weil die Investoren eine höhere Risikoprämie verlangen würden.
Ob und wann dieser Konflikt zwischen Treasury und Fed eskaliert und wie er aufgelöst wird, bleibt abzuwarten. Die Diskussion um die Unabhängigkeit der Fed könnte dadurch in eine neue Runde gehen. Als Ausdruck sinkenden Vertrauens in die Seriosität der US-Politik im Allgemeinen und der Finanzpolitik im Besonderen verliert der US-Dollar an Wert.
Autor Axel D. Angermann analysiert als Head of Economics & Chief Economist der FERI Gruppe die konjunkturellen, geldpolitischen und strukturellen Entwicklungen aller für die Asset Allocation wesentlichen Märkte












