Vermögensübergang setzt Berater unter Druck

Vermögensverwalter am Computer
Foto: Adobe Stock / DC Studio
Die Erwartungen und Risikoneigungen unterscheiden sich deutlich zwischen den Generationen.

Der anstehende Generationenwechsel bei Vermögen stellt Berater vor grundlegende Herausforderungen. Milliardenwerte wechseln den Besitzer – doch viele Kundenbeziehungen gehen verloren. Eine aktuelle Studie zeigt, worauf es jetzt ankommt.

Für rund 1,1 Milliarden Babyboomer beginnt ein neuer Lebensabschnitt: Sie treten in ihr neuntes Lebensjahrzehnt ein. Parallel dazu steht ein historischer Vermögensübergang bevor. Bis 2045 sollen allein in den USA mehr als 84 Billionen US-Dollar an die nächste Generation vererbt werden. Für Vermögensverwalter und Berater bedeutet das eine tiefgreifende Zäsur.

Die Branche blickt mit Sorge auf diese Entwicklung. Laut „Great Wealth Transfer Report“ sehen 46 Prozent der befragten Berater eine existenzielle Bedrohung für ihr Geschäft. Bereits heute berichten 33 Prozent, dass sie im Zuge des Generationswechsels erhebliche Vermögenswerte verloren haben. Grundlage der Analyse ist eine Befragung von 2.700 Beratern weltweit durch Natixis Investment Managers.

Ein zentraler Punkt ist die Frage, ob Erben bestehende Kundenbeziehungen fortführen. Die Daten zeigen ein gemischtes Bild. Während 66 Prozent der Babyboomer, die dem Erblasser am nächsten stehen, einen neuen Verwalter bevorzugen oder Vermögen bereits verlagert haben, zeigen sich jüngere Generationen stabiler. 48 Prozent der Generation X und 50 Prozent der Millennials wollen ihr Vermögen beim bisherigen Anbieter belassen.


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Dass Kunden den Anbieter wechseln, liegt nur selten an der Wertentwicklung. In einer weiteren Befragung von 7.050 Anlegern in 21 Ländern geben lediglich acht Prozent an, dass schlechte Performance ausschlaggebend sei. Deutlich häufiger fehlt die persönliche Bindung: 25 Prozent nennen eine fehlende Beziehung als Grund für einen Wechsel.

Umgekehrt bleibt Vertrauen ein zentraler Faktor. 30 Prozent der Anleger möchten beim bisherigen Verwalter bleiben, weil sie ihn kennen und seinem Rat vertrauen. Entsprechend sehen 76 Prozent der Berater im Aufbau langfristiger Familienbeziehungen die wichtigste Strategie, um Vermögen zu sichern.

Neben der Beziehungspflege gewinnt das Verständnis für unterschiedliche Anlegerpräferenzen an Bedeutung. Die Erwartungen und Risikoneigungen unterscheiden sich deutlich zwischen den Generationen, was eine differenzierte Beratung erfordert.

Jüngere Anleger setzen stärker auf Private Assets

Millennials zeigen sich besonders renditeorientiert. 75 Prozent von ihnen möchten die Chance nutzen, den Markt zu schlagen. Gleichzeitig sehen 61 Prozent dieser Altersgruppe sowie 55 Prozent der Generation X in Private Assets ein geeignetes Mittel zur Risikosteuerung. Bei den Babyboomern teilen diese Einschätzung lediglich 42 Prozent.

Viele jüngere Anleger gehen davon aus, dass ihnen durch reine Investments in öffentliche Märkte Chancen entgehen. Beispiele wie nicht börsennotierte Wachstumsunternehmen prägen diese Sichtweise. Allerdings besteht weiterhin Wissensbedarf: 61 Prozent der Millennials und 57 Prozent der Generation X glauben, dass Private Assets täglich bewertet werden.

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