Zuversicht oder Stimmungstief?

Zwei Studien liefern Erkenntnisse über die Zuversicht der Deutschen vor dem Hintergrund der Finanzkrise und geben ein konträres Bild ab.

Während die Allianz in Kooperation mit der Universität Hohenheim herausfand, dass die persönliche Zuversicht der Bundesbürger im November trotz der aktuellen Hiobsbotschaften wächst, konstatiert die Arag zusammen mit TNS Emnid ein rapides Sinken der Zuversicht. Beide Unternehmen haben 1.000 Personen befragt.

Allianz: Mehrheit beurteilt persönliche Lage gut

Laut der Allianz-Studie beurteilen 60 Prozent der Interviewpartner ihre aktuelle persönliche Lage als gut oder sehr gut (sehr gut: 14 Prozent, gut: 46 Prozent). Damit hat sich die Einschätzung der individuellen Lage im Vergleich zum September (54 Prozent) ? noch vor dem Kollaps der Finanzmärkte ? sogar leicht verbessert.

Die Gesamtsituation in Deutschland hingegen betrachtet nur jeder Fünfte (21 Prozent) als gut oder sehr gut. Im September war es noch jeder Vierte (26 Prozent). Deutlich gesunken gegenüber dem Vergleichsmonat September sind die speziellen Zuversichtswerte für Deutschland bei der allgemeinen Wirtschaftslage (- sieben Prozentpunkte) und Sicherheit der Arbeitsplätze (- sechs Prozentpunkte). Wenn es um die Finanzmärkte geht, sehen 48 Prozent der Befragten der Zukunft mit Sorge entgegen. Nur zwölf Prozent sind bei diesem Aspekt zuversichtlich.

Rückzug ins Private

Durchgehend gestiegen sind dagegen sämtliche Zuversichtswerte in den persönlichen Bereichen, darunter die Zuversicht für das Zuhause (+ sieben Prozentpunkte), die Familie und Partnerschaft (+ vier Prozentpunkte) oder die persönliche Versorgung im Alter (+ acht Prozentpunkte). ?Die Bürgerinnen und Bürger scheinen in Zeiten der Krise den Rückzug ins Private zu schätzen?, sagt Professor Frank Brettschneider von der Universität Hohenheim.

Arag: Düstere Stimmung bei den Deutschen

Dem aktuellen Arag Deutschland Trend zufolge ist das Stimmungsbild der Deutschen wesentlich düsterer. Lediglich 8,2 Prozent (Vorjahr: 35,2 Prozent) glauben an eine positive Konjunkturentwicklung. Und nur noch 13,5 Prozent (2007: 58,7 Prozent) glauben an wachsende Beschäftigungszahlen. Entsprechend rechnet ein Fünftel der Befragten mit einer Senkung des Lebensstandards im kommenden Jahr.

Ostdeutsche sind misstrauischer

Auch die Bankenwelt kann sich wenig Hoffnung machen, im kommenden Jahr aus der Vertrauenskrise herauszukommen. 62,1 Prozent der Bürger glauben, dass das Vertrauen in die Banken weiter sinken wird. 37 Prozent befürchten, dass ihre Ersparnisse (Sparguthaben und Geldanlagen) in Gefahr sind. Besonders drastisch fällt dieser Wert in Ostdeutschland aus. Dort glauben 56,3 Prozent der Befragten, dass ihr Geld nicht mehr sicher ist. In Westdeutschland liegt dieser Wert bei 32,2 Prozent. Aber auch die Versicherungswirtschaft darf sich nicht in zu großer Sicherheit wiegen. 44,6 Prozent der Deutschen meinen, dass auch die Glaubwürdigkeit der Assekuranz durch die Finanzkrise gefährdet ist. (aks)

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