Anzeige
10. Januar 2017, 07:30
Teilen bei: Ihren XING-Kontakten zeigen | Ihren XING-Kontakten zeigen

Regulierung made in UK: Vorbild für den deutschen Vermittlermarkt?

Wenn über neue Gesetze für die Versicherungsbranche in Deutschland diskutiert wird, dann schweift der Blick häufig nach Großbritannien. Dort hat die Regulierung des Finanzsektors viel früher begonnen. Die für Kunden und Makler überwiegend positiven Folgen werden immer offensichtlicher.

Gastbeitrag von Christian Nuschele, Standard Life Deutschland

Regulierung made in UK: Vorbild für den deutschen Vermittlermarkt?

Christian Nuschele: “Viele Vermittler haben ihre Gewinne gesteigert und zusätzliches Personal eingestellt.”

Was sollte wegen der vor vier Jahren gestarteten Finanzmarktrichtlinie Retail Distribution Review (RDR) nicht alles eintreten: “Kunden werden nicht für Beratung zahlen!”, “Die Regulierung erstickt den Markt!”, und “Unabhängige Finanzberater werden zur gefährdeten Art!” prophezeiten Kritiker vor Beginn der Finanzmarktrichtlinie im Januar 2013. Vier Jahre später ist klar: Die Chancen für Vermittlerfirmen und Produktanbieter waren nie größer.

Vermögende Verbraucher sehen RDR positiv

Tatsächlich haben viele Vermittler ihre Gewinne gesteigert und zusätzliches Personal eingestellt. Innovative, neue Geschäftsmodelle sorgen für verbesserte Marktpositionen. Und laut einer Umfrage des Beratungsunternehmens NMG Group sehen 70 Prozent der vermögenden Verbraucher in Großbritannien RDR positiv.

Ziel der Einführung des Honorarsystems 2013 war es ja, die kundenorientierte, unabhängige Beratung voranzutreiben. Das ist offensichtlich gelungen, wie die britische Finanzmarktaufsicht FCA bald nach dem Start von RDR bescheinigte. Dabei war RDR nur die vorläufige Spitze einer seit Ende der 80-er Jahre fortlaufenden Regulierung mit tiefgreifenden Auswirkungen.

Britischer Markt hat sich grundlegend verändert

Produkte, Vermittler und Anbieter haben sich seitdem grundlegend verändert: Waren 1987 noch laufende Beiträge, die private Altersvorsorge und “With profits”-Verträge tonangebend, so dominierten 2013 bereits fondsgebundene Investments in der Altersvorsorge, Einmalzahlungen und Produkte auf Plattformen, mit denen der Kunde individuelle Steuervorteile nutzen kann.

Die Zahl der registrierten Vermittler in Großbritannien ist in den vergangenen Jahrzehnten stetig gesunken: von 185.000 (1987) auf 11.000 abhängige und 35.000 unabhängige Vermittler (“Independent Financial Advisors”, IFAs); Letztere machen 85 Prozent des Neugeschäfts aus.

Seite zwei: RDR führte zu Verbesserung in der Beratung

Weiter lesen: 1 2 3

Newsletter bestellen Top aktuell & kompakt! Werktags um 6.30 Uhr alle Versicherungs-News für Profis von Profis.

2 Kommentare

  1. Guten Morgen, mein Vorredner hat leider recht. Den vermögenden Kunden ist damit sicher geholfen. Aber die breite Masse werden die Verlierer sein. Wenn ich dann als Kunde nur noch die Möglichkeit habe über das Internet abzuschließen, werde ich vermutlich keine Verträge abschließen. Das größte Problem sehe ich darin, dass der Kunde nicht mal weiß welchen Versicherungsbedarf er hat. Was sichere ich wie ab? Dazu kommt das oft kleine Bausteine in den Verträgen vorhanden sein müssen. Nur wenn ich nicht weiß dass es diese gibt werde ich das als Kunde niemals abschließen. Als Beispiel ist hier der Forderungsausfall in der Privathaftpflicht genannt. Wer hilft mir bei einem Schaden? Mein Handy?
    Wir sind auf einem sehr guten Weg uns zu überregulieren. Bei den Immobiliendarlehen ist das schon passiert.

    Zitat:
    Ein typischer Beratungsprozess ist mittlerweile ein klar strukturierter Vorgang, der sich in fünf Schritte unterteilt – vom ersten Kennenlernen mit dem Kunden über das Erkunden seiner Ziele und Wünsche, den Vorschlag für die Anlagestrategie und die Umsetzung desselben bis zur regelmäßigen Überprüfung des implementierten Portfolios.

    Ich bin über 10 Jahre Versicherungsmakler und habe noch nie anders beraten. Bei einem guten Makler gibt es keinen Abschluss beim ersten Treffen. Wäre es nicht sinnvoller die Bürger zu fragen was ihnen lieber ist? Aufklärung tut bei uns genauso not. Die Bürger kennen den Unterschied zwischen einem Ausschließlichkeitsvertreter einer Bank/Versicherung und einem Makler nicht. Wer haftet wann und für was? Warum gilt eine Maklervollmacht über den Tod hinaus? Hier wäre der richtige Ansatzpunkt in Ihrer Arbeit mehr aufzuklären.

    Kommentar von Harald Padöller — 12. Januar 2017 @ 10:00

  2. Lieber Journalist, was bitte schön ist daran positiv, wenn man 140000 (70% der Vermittler) Vermittler und deren Familien um ihre Existenz bringt, um vermögenden Kunden einen Gefallen zu tun, die auch vorher sicher schon Honorarberater hatten?!
    Weiterhin viele Verbraucher vom Markt ausschliesst, weil sie kein Geld dafür aufwenden können. Wir sehen aktuell, was die Wohnimmobilienkreditrichtlinie mit alten und jungen Kunden verusacht, die ebenfalls per Dekret vom Markt verbannt wurden. Sorry, auch wenn ich selbst mich zu den Profiteuren zählen würde, glaube ich nicht an die Zeilerreichung des Ganzen

    Kommentar von Heinz-Bert Müssig — 10. Januar 2017 @ 18:34

Ihre Meinung



Cash.Aktuell

Cash. 11/2018

Inhaltsverzeichnis Einzelausgabe bestellen Cash. abonnieren

Themen der Ausgabe:

Megatrend Demografie – Indizes – Naturgefahren – Maklerpools

Ab dem 16. Oktober im Handel.

Cash.Special 3/2018

Inhaltsverzeichnis Einzelausgabe bestellen Cash. abonnieren

Themen der Ausgabe:

Riester-Rente – bAV – PKV – Bedarfsanalyse

Ab dem 22. Oktober im Handel.

Versicherungen

Axa strukturiert Vorstand um – Dahmen geht

Die Axa gibt ihrem Konzern in Deutschland zum 1. Januar eine neue Struktur. Dazu wird der Versicherer die Vorstandsressorts bündeln, um damit gezielt für weiteres Kundenwachstum aufgestellt zu sein.

mehr ...

Immobilien

Gebrauchtimmobilie: Gekauft wie gesehen?

Beim Kauf einer gebrauchten Immobilie sollte nicht gleich der erste Eindruck entscheiden. Wer genauer hinschaut, kann teure Überraschungen vermeiden. Ist der Vertrag erst unterschrieben, wird es schwierig, Baumängel geltend zu machen.

mehr ...

Investmentfonds

Der Weg zur Planwirtschaft

Die expansive Geldpolitik lähmt Innovationen und lässt Blasen entstehen, die platzen werden. Die größte Gefahr ist, dass gescheiterte Unternehmen verstaatlicht werden. Davor warnte gestern auf dem Faros Institutional Investors Forum Professor Gunther Schnabl. Gibt es einen Ausweg aus diesem Szenario?

mehr ...

Berater

EZB-Präsident und Deutsche-Bank-Chef fordern Kapitalmarktunion

EZB-Präsident Mario Draghi und Deutsche-Bank-Chef Christian Sewing haben einmal mehr einheitliche Regeln für Banken und die Kapitalmärkte in Europa gefordert. Das sei die einzige Antwort auf die Bedrohungen denen sich die Währungsunion ausgesetzt sehe.

mehr ...

Sachwertanlagen

Noch immer Prozesse rund um die Göttinger Gruppe anhängig

Die Pleite der Securenta/Göttinger Gruppe im Jahr 2007 beschäftigt noch immer die Gerichte. Das belegt ein aktueller Beschluss des BGH: Er hatte in Zusammenhang mit einer überlangen Verfahrensdauer eines der Prozesse zu entscheiden. 

mehr ...

Recht

Kampf ums “Bayerische”: Watschn vom Richter

Nach langwierigem Prozess über zwei Instanzen wird ein Hahnenkampf zweier Versicherungen ums “Bayerische” aller Wahrscheinlichkeit nach mit dem Offensichtlichen enden: Ein bayerisches Unternehmen darf sich auch bayerisch nennen.

mehr ...