17. Februar 2011, 11:59
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Fonds-Vermittlung: Alte Hasen gucken in die Röhre

Nachdem am vergangenen Freitag das Anlegerschutzgesetz den Bundestag passiert hat, drückt die Bundesregierung weiter auf die Tube, um auch die Fonds-Vermittler zu regulieren. Nun hat sie den angekündigten Diskussionsentwurf vorgelegt. Was auf die Vermittler zukommt.

Alte-hasen-gucken in Fonds-Vermittlung: Alte Hasen gucken in die Röhre

In den letzten Wochen waren zwar einzelne Details zur Novellierung des Finanzanlagenvermittler- und Vermögensanlagenrechts durchgesickert, jedoch hieß es in Branchenkreisen immer wieder, dass sich die Ministerien über einige Punkte nicht einig seien. Offenbar konnten sich die beteiligten Ministerien aus den Bereichen Wirtschaft und Finanzen nun zu einem gemeinsamen Entwurf, der Cash.Online vorliegt, durchringen.

Teilerlaubnisse möglich

Danach müssen Vermittler geschlossener Beteiligungen und Investmentfonds künftig über eine Erlaubnis nach dem neuen Paragrafen 34 f Gewerbeordnung (GewO) verfügen. Der Paragraf ist mit „Finanzanlagevermittler, Finanzanlageberater“ überschrieben.

Das heißt, geschlossene Fonds und Investmentfonds können weiter ohne den Gang unter ein Haftungsdach vermittelt werden. Für diejenigen Vermittler die nur eine Fondssparte vertreiben, sollen Teilerlaubnisse möglich sein. Beispiel: Wer nur offene Fonds vermittelt, benötigt keine Erlaubnis zur Vermittlung von geschlossenen Beteiligungen.

Um eine Zulassung nach Gewerbeordnung zu bekommen, müssen ein guter Leumund, geordnete Vermögensverhältnisse und eine Berufshaftpflichtversicherung nachgewiesen werden. Aber auch ein Sachkundenachweis ist Voraussetzung für die Erlaubnis.

Fachlich einschlägige Qualifikation notwendig

Analog der Versicherungsvermittler ist eine Prüfung durch die Industrie- und Handelskammern (IHK) vorgesehen oder alternativ eine andere fachlich einschlägige Qualifikation notwendig. Vermittler, die bereits tätig sind, haben ab Inkraftreten des Gesetzes zwei Jahre Zeit, eine Sachkundeprüfung abzulegen. Denn: Der Gesetzentwurf sieht keine Alte-Hasen-Regelung vor.

Zu den Inhalten der Sachkundeprüfungen sind keine Einzelheiten bekannt. Diese sollen wie die Vermögensschadenhaftpflichtversicherung und die Wohlverhaltensregeln nach dem Wertpapierhandelsgesetz in Verordnungen geregelt werden.

Zudem wird es keine Ausnahmeregelungen für bestimmte Vertriebsformen wie beispielsweise der Ausschließlichkeit geben, wie es bisher bei den Versicherungsvermittlern der Fall ist. Neu ist ebenfalls, dass die Anforderungen für die Sachkunde auch für Beschäftigte des Vermittlers, also Angestellte, gelten sollen, die direkt beim Vertrieb beziehungsweise der Beratung mitwirken.

Alle Vermittler sollen außerdem im Vermittlerregister der Industrie- und Handelskammern registriert werden, das für diesen Zweck erweitert wird. Die Registrierung muss nach Inkrafttreten des Gesetzes innerhalb eines Jahres erfolgen.

Die bisher vorgesehene gesetzliche Verankerung der Honorarberatung ist indes nicht mehr Teil des Diskussionsentwurfs. Nach Cash.Online-Informationen ist dafür ein eigenes Gesetz vorgesehen.

Am 24. Februar wird zum Diskussionsentwurf eine Anhörung von Lobbyverbänden und Experten im Verbraucherschutzministerium stattfinden. (ks)

8 Kommentare

  1. Bin Fachwirt für Finanzberatung IHK und seit 20 Jahren im Geschäft. Mein Partner ist Diplombetriebwirt BA Fachrichtung Bank und seit 5 Jahren im Anlagebereich tätig. Eine Sachkundeprüfung bei der IHK bitte, aber dann auch jeden Lehrer, jeden Professor, jeden Banker, jeden Arzt hin zur IHK, hin zur Handwerskammer um die Sachkunde nachzuweisen…

    Kommentar von Thomas Oelmann — 18. Februar 2011 @ 15:59

  2. Jede Regelung die dem Schutz des Anlegers bzw. Verbrauchers dient sollte von uns Vermittlern doch offen angenommen werden!! Unser Berufsstand hat ein extrem schlechtes Image, eben weil es so viele “ungebildete Verkäufer” gibt!!! Also ich habe keine „Angst“ vor verschärften Regelungen und Zulassungsvoraussetzungen. Und ein bisschen Weiterbildung schadet dem einen oder anderen mit Sicherheit nicht : )

    Kommentar von Jürgen Beisler — 18. Februar 2011 @ 15:58

  3. Wird durch solch eine Regelung irgend etwas besser? Das einzige, was damit erreicht wird ist doch, dass der unproduktive Teil der Arbeitswelt noch weiter aufgebläht wird. Der freie Vermittler wird immer mehr in die Enge getrieben. Wann fängt die Politik endlich bei den Initiatoren, Vertrieben und Gesellschaften an? Aber die haben ja einen dicken Geldbeutel und können über Lobbyarbeit und Geschenke sich die Regelungen so zurecht stricken, dass die noch gestärkt aus solch einen Wahnsinn hervorgehen.

    Kommentar von Rainer Stein — 18. Februar 2011 @ 14:53

  4. Die Alte Hasen Regelung sollte gelten wenn eine Ausbildung nachgewiesen werden kann (z.B. Bankkaufmann). Sollte dies nicht gelten ist es wieder Schikane und Abzocke für den Vermittler.

    Kommentar von Michael Wöll — 18. Februar 2011 @ 14:37

  5. Endlich! Anscheinend hat man mittlerweile begriffen, dass Alte-Hasen-Regelungen und Versteckspiele der Ausschließlichkeit nicht tatsächlich dem Sinne der EU-Vermittlerrichtlinie entsprachen. Wann wird dieselbe Praxis nun auf die Versicherungsbranche übertragen? Dann wäre es Schluss mit Weekend-Umschulungen vom Handwerker zum Versicherungsfachmann!

    Kommentar von Panos Kalantzis — 18. Februar 2011 @ 12:05

  6. Mal abgesehen vom Ziel der Qualitätsverbesserung halte ich das ganze für nichts weiter als eine weitere Erschwernis des täglichen Geschäfts und eine weitere Legitimierung des unseligen Kammerzwanges. Reine Geldbeschaffung für IHK´n!

    Kommentar von Mirko Nolte — 18. Februar 2011 @ 11:49

  7. Richtig so! Die Tatsache, dass jemand das Geschäft bereits seit Jahren macht, sagt nichts über die Qualifikation oder die Qualität der Beratung aus. Als Financial Planner bekomme ich immer wieder die Ergebnisse des Handelns aus Unwissenheit auf den Tisch. Zumal: Wenn jemand das Geschäft seit Jahren macht, solle er doch ohne großen Aufwand in der Lage sein, sein Wissen und Können in einer Prüfung unter Beweis zu stellen und zu dokumentieren. Idealer Weise müsste auch eine regenmäßige Fortbildung noch nachgewiesen werden, auch bei Bankberatern natürlich. So bekommt man langfristig Qualität in Beratung und Vermittlung gesichert.

    Kommentar von Stefan Prüß — 18. Februar 2011 @ 10:37

  8. […] Fonds-Vermittlung: Alte Hasen gucken in die Röhrecash-online.deDenn: Der Gesetzentwurf sieht keine Alte-Hasen-Regelung vor. Zu den Inhalten der Sachkundeprüfungen sind keine Einzelheiten bekannt. Diese sollen wie die Vermögensschadenhaftpflichtversicherung und die Wohlverhaltensregeln nach dem …und weitere » […]

    Pingback von Fonds-Vermittlung: Alte Hasen gucken in die Röhre – cash-online.de | Hasen Chat — 17. Februar 2011 @ 23:37

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