18. November 2011, 17:17
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Schiffsfinanzierung: Der große Bluff

Wenn ein Schiffsfonds seinen Kredit nicht vollständig bedient, ist die Bank nach spätestens drei Jahren verpflichtet, das Kreditverhältnis zu beenden, sofern die Störung andauert.

Mögliche Folgen: Zwangsverwertung des Schiffes, Insolvenz des Fonds, Totalverlust des Anlegerkapitals. Diese Botschaft der Vertreter von führenden schiffsfinanzierenden Banken auf dem „Hansa Forum“ der Fachzeitschrift Hansa trieb den über 800 Teilnehmern aus der Schifffahrtsbranche den Schweiß auf die Stirn.

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Cash-Kolumnist Stefan Löwer

Das war vor genau einem Jahr, im November 2010. Seitdem zittert die Branche vor der Zeit ab 2011. Schließlich dauert die Krise bereits seit Herbst 2008 und viele Fonds können sich seitdem nur mit Tilgungsaussetzungen und Restrukturierungskonzepten über Wasser halten. Eine Reihe von Notverkäufen, die offenbar von den Banken erzwungen wurden, sowie Insolvenzen einzelner Fondsgesellschaften ab Frühjahr 2011 schienen die schlimmsten Befürchtungen zu bestätigen.

Auf dem diesjährigen Hansa Forum nun stellte sich heraus: Die gesetzliche Drei-Jahres-Frist ist ein Phantom. Es gibt sie nicht. Das bestätigten die jeweils für die Schiffsfinanzierung verantwortlichen Banker Oliver Faak (Nord/LB), Christian Nieswandt (HSH Nordbank) und Dr. Carsten Wiebers (KfW IPEX-Bank).

Faak lavierte auf die Frage nach den konkreten gesetzlichen Grundlagen zunächst noch herum, die Frist sei „eine Interpretation der Richtlinie Basel II“, also der Eigenkapitalvorschriften für Banken. Er räumte jedoch ein, dass auch längere Tilgungsaussetzungen möglich seien, „solange das für die Bank tragbar ist“.
In Hinblick auf gestörte Engagements sagte Nieswandt: „Das Downgrading erfolgt kontinuierlich“. Die Fortführung des Kreditverhältnisses sei nicht an eine bestimmte gesetzliche Frist gebunden, sondern entscheidend sei stets die Frage, ob eine positive Prognose für das Projekt bestünde. Auch Wiebers bestätigte: „Es besteht kein Handlungszwang. Das Problem besteht nicht auf regulatorischer Seite.“ Er werde auch im Ausland des öfteren auf die Drei-Jahres-Frist angesprochen und wisse dann gar nicht so recht, was gemeint sei, witzelte Wiebers gar – ein starkes Stück.

Entwarnung also? Alles halb so schlimm? Keinesfalls. Die Schifffahrtsmärkte sind erneut auf Talfahrt. Die Charterraten für Containerschiffe sind nach einem zwischenzeitlichen Anstieg seit Mitte des Jahres wieder eingebrochen. Bei Massengutfrachtern (Bulkern) und Tankern sieht es nicht besser aus. Zusätzlich drückt vor allem bei den Bulkern, aber auch bei Containerschiffen, weiterhin ein gewaltiger Berg von Neubauten auf den Markt, der eine Erholung der Raten in weite Ferne rücken lässt.

Seite 2: Eine Markterholung für Schiffsfonds ist nicht abzusehen

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1 Kommentar

  1. Vergessen wird in dem Artikel der Hinweis, daß die Banken durch die regulatorischen Schritte (Basel III, verschärfte EK-Vorschriften, etc.) und die zunehmend schrump-fenden Refinanzierungsmöglich-keiten gezwungen sind, ihre Bilanzen zu verkleinern. Klartext: Die Banken werden – unabhängig von einem 2. oder 3. Stützprogramm seitens der Anleger – in steigendem Maße die Schiffsfonds einfach platt machen (müssen). Nur wenn die Anleger das FK zu 100% ablösen können, könnten sie ihr Schiff retten, aber das ist illusorisch. Das Problem: Die Marktraten decken die Betriebs-kosten nicht, es wird also Geld verbrannt, und die Märkte werden wohl nicht vor 2015 wieder besser werden. Die Schiffe bräuchten also bereits allein einen Nachschuß, um 3 Jahre Negativ-Cash Flow und 3 Jahre Fremdkapitaldienst zu absor-bieren.

    Kommentar von Dr. Ursula Renner — 24. November 2011 @ 12:13

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