8. Oktober 2013, 09:05
Teilen bei: Ihren XING-Kontakten zeigen | Ihren XING-Kontakten zeigen

KAGB: Mut zu weitreichenderen Maßnahmen

Etwas mehr als zwei Monate ist das Kapitalanlagegesetzbuch (KAGB) nun in Kraft, und langsam zeichnen sich die Dimensionen seiner Umsetzung in der Praxis ab.

Gastbeitrag von Dirk Hasselbring, Hamburg Trust

KAGB

“Wir werden vor weiteren Überraschungen und Zweifeln nicht gefeit sein.”

Die Reaktionen in der Branche auf das Gesetz waren zwar zunächst überwiegend positiv. Was es jedoch heißt, dass sich der geschlossene Fonds nun auf Augenhöhe mit anderen regulierten Produkten befindet, wird vielen Häusern erst nach und nach wirklich bewusst.

Rauer Wind für Sachwertanlagen

Bis diese Augenhöhe auch tatsächlich hergestellt ist, wird es noch eine Weile dauern und für nicht wenige ein schmerzhafter Prozess sein. Der geschlossene Fonds ist aus dem Schatten des Waldes auf die offene Ebene getreten, und wer den dort wehenden rauen Wind nicht meistert, wird nicht bestehen können.

Dabei meine ich nicht die eine oder andere juristische Unklarheit beziehungsweise strittige Frage, die sich bei der Umsetzung einer europäischen Vorgabe in nationales Recht ergeben. Das bleibt bei einem Gesetzeswerk mit 355 Paragraphen und weiteren 27 in der Folge zu ändernden Bundesgesetzen beziehungsweise Rechtsverordnungen, wie es das KAGB ist, gar nicht aus.

Branche vor weiteren Überraschungen nicht gefeit

Als Beispiele seien hier nur die jüngsten Erörterungen zur Einordnung “operativ tätiger Unternehmen”, bei der Bezugsgröße für die Höhe der Fremdfinanzierung oder die Abgrenzung von offenen und geschlossenen Investmentvermögen genannt. Letzlich werden aber auch diese Themen früher oder später geklärt sein, wobei wir vor weiteren Überraschungen und Zweifeln nicht gefeit sein werden.

Was ich meine, ist die Performance der bisherigen Emissionshäuser als wirkliche Investment-, Asset- und Portfoliomanager, denn dies erwarten die Anleger in der regulierten Welt von ihnen.

Worauf es dabei ankommt, ist die qualitative Auswahl und Bewirtschaftung der Assets durch einen Fondsmanager, der ein substanzielles Interesse an einer guten Performance der Beteiligung während und am Ende der Laufzeit hat, sowie höchstmögliche Transparenz.

Reporting-Standards immer noch niedrig

Was letztere betrifft, so ist im aktuellen KAGB-Entwurf zwar ein erster Schritt getan, wenn beispielsweise künftig die Immobilien von geschlossenen Fonds regelmäßig bewertet werden sollen. Das wird jedoch nicht ausreichen, zumal keine Unabhängigkeit der Bewerter vorgeschrieben ist.

Im institutionellen Immobiliengeschäft sowie von börsennotierten Gesellschaften sind die Anleger ungleich höhere Reporting-Standards gewohnt. Wie dort, so werden sie auch von geschlossenen AIF künftig fondsbezogene Quartalsberichte erwarten, um die Qualität des Asset- und Property Managements einschätzen zu können.

Diese Berichte sollten über den Zustand des Investments informieren sowie anhand von Soll/Ist-Vergleichen über die wirtschaftliche Entwicklung, Sondereinflüsse und die Entwicklung des Standortes berichten, und somit für einen kontinuierlichen Informationsfluss sorgen.

Dabei sollte sich jeder Bericht auf die jeweilige Einzelanlage konzentrieren, um den Investor gezielt über seine Beteiligung zu informieren. Jedem Anleger wird die Möglichkeit eingeräumt, diese Berichte postalisch oder per Internet abzurufen.

Leistungsbilanzen sollten zur Jahresmitte erscheinen

Ein weiterer Aspekt bezieht sich auf die Leistungsbilanz als wesentliche Vergleichs- und Entscheidungshilfe für Investoren. Um auch hier mit den börsennotierten Gesellschaften gleichzuziehen, sollten diese künftig nicht erst Ende September des Folgejahres erscheinen, wie derzeit noch vom Bundesverband Sachwerte und Investmentvermögen, dem ehemaligen Verband Geschlossener Fonds, vorgegeben, sondern bereits bis zur Jahresmitte.

Allein dies ist schon ambitioniert, wenn man bedenkt, dass im vergangenen Jahr nur 29 der 41 VGF-Mitglieder ihre Leistungsbilanzen fristgemäß veröffentlicht haben.

Radikale Umgestaltung der Gebührenstruktur

Sicherlich – das bedeutet für die Häuser einen wesentlich erhöhten Aufwand an Zeit und Geld, aber auch ein mentales Vorwagen in bislang nicht gekannte Regionen. Dennoch werden das neben der Objektakquise die wirklichen Herausforderungen der nächsten Wochen und Monate sein, abgesehen von einer radikalen Umgestaltung der Gebührenstruktur, die eher mittelfristig auf die Tagesordnung kommen wird.

Unternehmen, die diese Standards effizient und kostengünstig realisieren können, werden einen entscheidenden Vorteil in der Akquisition der Investorengelder haben.

Autor Dirk Hasselbring ist Vorsitzender der Geschäftsführung der Hamburg Trust REIM Real Estate Investment Management GmbH.

Foto: Hamburg Trust & Shutterstock

Ihre Meinung



Cash.Aktuell

Cash. 02/2019

Inhaltsverzeichnis Einzelausgabe bestellen Cash. abonnieren

Themen der Ausgabe:

Arbeitskraftabsicherung – Denkmalobjekte – Betriebsrente – Digital Day 2019

Ab dem 24. Januar im Handel.

Cash. 01/2019

Inhaltsverzeichnis Einzelausgabe bestellen Cash. abonnieren

Themen der Ausgabe:

Fonds Finanz – Robotik – Moderne Klassik – Finanzanalyse

Versicherungen

Trotz 2. Liga: Die Nürnberger bleibt der Sponsor des 1. FC Nürnberg

Auch wenn es sportlich derzeit beim 1. FC Nürnberg definitiv nicht rund läuft. Die Nürnberger Versicherung bleibt dem noch Mitglied der 1. Bundesliga auch künftig treu und verlängert sein Engagement als Haupt- und Trikotsponsor um weitere drei Jahre.

mehr ...

Immobilien

Baufinanzierung: Brexit-Chaos hält die Zinsen niedrig

Eigentlich sollte Großbritannien am 29. März aus der EU austreten. Nun wird eine Fristverlängerung angestrebt, doch auch der an den Finanzmärkten gefürchtete harte Brexit ist noch möglich. Wie sich all das auf die Bauzinsen auswirkt, erklärt Michael Neumann von Dr. Klein.

mehr ...

Investmentfonds

Anleger: Risiken richtig steuern

Anfang 2018 strotzten die Anleger vor Zuversicht, mussten sich in der Folge jedoch auf bescheidenere Renditen und höhere Volatilität einstellen. Wie jetzt das Risikomanagement aussehen sollte.

Gastbeitrag von Michaël Lok, Union Bancaire Privée (UBP)

mehr ...

Berater

Raus aus dem Handlungskorsett, rein in die Selbstreflexion!

Nach der Industrialisierung bildet die Digitalisierung den wohl epochalsten Einschnitt für die Arbeitswelt. Entscheider sollen möglichst international, generationenübergreifend und hypervernetzt führen und das im 24/7-Modus.

Gastbeitrag von Ilona Lindenau, Business-Coach

mehr ...

Sachwertanlagen

BFH kippt den Bauherrenerlass

Der Bundesfinanzhof (BFH) hat eine uralte steuerliche Restriktion für geschlossene Fonds kassiert. Darauf weist die Beratungsgesellschaft Baker Tilly jetzt hin. Es gibt Vorteile für die heutigen Fonds, aber auch eine Fußangel.

mehr ...

Recht

Widerrufs-Joker: Gericht weist Musterklage ab

Die bundesweit erste Musterfeststellungsklage von Verbrauchern gegen ein Unternehmen scheitert vor Gericht an einer formalen Hürde. In Deutschland gibt es die Musterklage erst seit vergangenem November.

mehr ...