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27. März 2013, 08:16
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Strompreisdebatte braucht langfristige Lösungsansätze

Auch nach dem Energiegipfel um Bundeskanzlerin Merkel zum Thema „Strompreissenkung“ in der vergangenen Woche bleibt die Frage nach dem „Wie“ offen. Gastkommentar von Ingo Grabowsky, Lacuna AG

Grabowsky Lacuna-255x300 in Strompreisdebatte braucht langfristige Lösungsansätze

Ingo Grabowsky, Lacuna AG

Sicher ist: Rückwirkende Kürzungen von Einspeisevergütungen wird es laut der Bundeskanzlerin nicht geben. Für die Investmentbranche ist dies ein deutlich positives Signal fest. Dafür spreche auch die Tatsache, dass eine grundlegende Reform des Erneuerbare-Energien-Gesetzes (EEG) erst nach der Bundestagswahl im kommenden Herbst erfolgen werde. Das Thema Energiewende und deren Ausgestaltung im Einzelnen wird auf diese Weise weitestgehend aus dem Wahlkampf herausgehalten, sodass es um tatsächlich gangbare und nicht nur politisch motivierte Lösungen gehen kann. Wesentlich ist dabei aus Sicht des Regensburger Investmenthauses Lacuna AG die Erarbeitung langfristig orientierter Lösungsvorschläge zur Strompreissenkung, sowie ein unverstellter Blick auf die reale Zusammensetzung der Stromkosten.

Maßnahmenpaket zur Strompreissenkung muss überdacht werden

Im Februar legten das Bundesumweltministerium (BMU) und das Bundesministerium für Wirtschaft und Technologie (BMWi) Vorschläge zur Strompreissenkung vor. Einige davon wurden bei dem Energiegipfel bereits abgelehnt, darunter die rückwirkende Kürzung der Einspeisevergütungen. Doch das Paket sieht weitere Maßnahmen vor, die sich auf den Ausbau der Erneuerbaren Energien in Deutschland durchaus hemmend auswirken könnten. Hierzu zählt bspw. der Vorschlag für den Windbereich, Windenergieanlagen erst ab dem sechsten Monat nach Inbetriebnahme zu vergüten.

Aus unserer Sicht wäre eine solche Regelung ein massives Finanzierungs- und Investitionshemmnis und würde zweifelsfrei den weiteren Windenergie-Ausbau stark bremsen. Das heißt nicht, dass es nicht einen genauen Blick auf die unterschiedlichen Fördermodelle, auch im Bereich Windenergie, geben sollte. Beispielsweise werden immer wieder die noch sehr hohen Vergütungssätze von Offshore diskutiert. Zwar sehen wir in der Offshore-Technologie grundsätzlich großes Potenzial, besonders auch hinsichtlich langfristiger Kosteneinsparungen. Dennoch sollte darüber nachgedacht werden, ob ein gebremster Offshore-Ausbau nicht einen positiven Effekt auf die Stromkosten haben könnte – gerade vor dem Hintergrund sich immer wieder verschiebender Offshore-Vertriebsstarts und anderen regelmäßig auftauchenden Komplikationen. Diese Überlegungen hat eine Studie des Fraunhofer Instituts in Zahlen übersetzt. Hier heißt es, dass Deutschland bei dem Verzicht von Offshore-Technologie bis 2023 bei gleichzeitigem Ausbau von Onshore-Wind- und Solaranlagen jährlich rund zwei Milliarden Euro einsparen könnte. Soweit muss nicht unbedingt gegangen werden, allerdings ist das Ausbau-Tempo eine ganz wesentliche Stellschraube, um die Stromkosten auf lange Sicht zu senken. Auch für Investoren ist das entscheidend, die so sicher sein können, nicht nur auf einen kurzfristigen Boom-Markt zu setzen, sondern auf ein langfristig attraktives Segment mit stabilem Entwicklungspotenzial.  Es bleibt daher zu hoffen, dass BMU und BMWi bei der Ausarbeitung weiterer Vorschläge auf dem Kurs bleiben, den sie mit der Entscheidung vom vergangenen Gipfeltreffen vorgegeben haben und der deutsche Erneuerbare-Energien-Markt ein investorenfreundlicher Standort bleibt.

Erneuerbare Energien sind kein Strompreistreiber per se – Hintergründe einer falsch geführten Debatte

Im Februar bezifferte Bundesumweltminister Altmaier die Kosten für die Energiewende in den kommenden 25 Jahren auf rund eine Billion Euro – ein viel zu hoher Betrag, wie sich zeigte. Dass diese Summe wesentliche Fakten nicht berücksichtigt, wurde unter anderem durch das Forum Ökologisch-Soziale Marktwirtschaft (FÖS) widerlegt. In der Studie weist das FÖS darauf hin, dass die aktuellen Stromkosten um zehn Cent/Kilowattstunde teurer sein würden und sich damit etwa im Rahmen der jetzigen Einspeisevergütung von Erneuerbaren Energien (EE) bewegten, wenn die Subventionierung des fossil-atomaren Systems mit eingepreist würde.

Das bestätigt auch die Agentur für Erneuerbare Energien, die in einer konservativen Prognose zu dem Ergebnis kommt, dass der Einsatz Erneuerbarer Energien bereits zur Jahrhundertmitte rund 570 Milliarden Euro an potenziellen Mehrausgaben vermeiden werde, die beim Einsatz fossiler Energieträger entstünden.

Hinzu kommt der Faktor Netzausbau, der einen erheblichen Anteil zu den Gesamtkosten beiträgt. Diese liegen nach Angaben des Bundesverbands für Erneuerbare Energien für den Ausbau der großen Überlangleitungen bei etwa 20 Milliarden Euro, einige Marktakteure rechnen sogar mit deutlich höheren Kosten.

Allerdings bleiben hier zwei wesentliche Faktoren unberücksichtigt: Zum einen die Tatsache, dass die großen Netzbetreiber bereits seit Jahren eine Sanierung der Stromnetze herauszögern und nun diese Kosten der Energiewende zuschreiben. Zum anderen werden konkrete kostenmindernde Möglichkeiten des dezentralen EE-Ausbaus noch recht stiefmütterlich behandelt. Doch gerade dadurch lassen sich die Kapazitäten vor Ort erhöhen und so der Bedarf nach Fernübertragung deutlich reduzieren.

Chancen von Erneuerbaren Energien im Blick behalten

Wichtig ist, vor lauter Kostendiskussionen nicht zu übersehen, um was es Deutschland bei der Energiewende eigentlich geht: um die Abkehr von einer klima- und menschengefährdenden Energieversorgung. Natürlich muss diese bezahlbar bleiben. Doch auch die Erfolge sollten im Blick behalten werden, um nicht zugunsten ökonomischer Fakten die ökologischen Ziele aus den Augen zu verlieren. Und bislang kann Deutschland eine gute Bilanz aufweisen. So stieg der Erneuerbare-Energien-Anteil am deutschen Stromverbrauch von 17 Prozent in 2010 auf bereits 23 Prozent in 2012, was einem jährlichen Anstieg von drei Prozentpunkten entspricht. Deutschland ist damit klar auf Kurs, seine Ausbauziele für 2020 – sie liegen bei 20 Prozent des Gesamtenergieverbrauchs – sogar zu übertreffen. Hierfür aber ist das EEG ganz wesentlich, denn erst die garantierten Vergütungen ermöglichen es, nachhaltige Technologien zu entwickeln und an den Markt heranzuführen, um dann schließlich auch Kostensenkungspotenziale zu erarbeiten. Daher sollte es auch Maßnahmen zur Stromsenkung geben, die fernab von reinen Einspeisetarifkürzungen liegen.

Foto: Lacuna AG

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