„Keine Zinswende vor 2016“

Cash. sprach mit Dirk Günther, Geschäftsführer der Prohyp, über die Entwicklung der Baufinanzierungszinsen und Markttrends.

Dirk Günther, Prohyp: „So lange so viele Herausforderungen in Europa ungelöst sind, gibt es keinen Grund für einen nachhaltigen Zinsumschwung.“

Cash.: Zwischen Mitte April und Mitte Mai stiegen die Baufinanzierungszinsen merklich an. Zuletzt sind sie wieder leicht gefallen. Was sind die Gründe?

Günther: Während sich die Zinsentwicklung bei den Hypothekendarlehen sehr stark an den Pfandbriefrenditen orientiert, geht deren Entwicklung wiederum eng einher mit der lang laufender Anleihen wie zum Beispiel zehnjähriger Bundesanleihen. Da hier – sicher auch ein gutes Stück weit durch Spekulation getrieben – seit Mitte April deutliche Kurssprünge zu verzeichnen waren, gingen in der Folge auch die Baugeldkonditionen heftig nach oben. Die Gründe für die Entwicklung am Anleihemarkt sind vielfältig. Nach Monaten des Negativ- und Nullwachstums stieg die Inflationsrate im Euroraum im Mai auf 0,3 Prozent. Im Juni und im Juli lag sie bei jeweils 0,2 Prozent. Auch psychologische Gründe wie etwa die öffentliche Neupositionierung einiger großer Investoren mögen etwas zum Zinsanstieg beigetragen haben. Allerdings: Nach weiteren Zwischenhochs im Juni und Juli sind die Zinsen zuletzt wieder gefallen. Zu sehen ist diese Entwicklung vor dem Hintergrund der wirtschaftlichen Stärke Deutschlands und der konjunkturellen Erholung in einigen Ländern Europas. Auch der unverändert niedrige Leitzinssatz von 0,05 Prozent sowie das weiterhin laufende Programm zum Kauf von europäischen Staatsanleihen durch die EZB zeigen offensichtlich ihre Wirkung. Um einer Sommerflaute entgegenzuwirken, wurde der Anleiheankauf im Juli sogar etwas beschleunigt.

Welche Zinsentwicklung erwarten Sie für die kommenden zwölf Monate?

Eine Trendwende sehen wir bis mindestens Anfang 2016 nicht. So lange so viele Herausforderungen in Europa ungelöst sind, so lange kein breites nachhaltiges Wachstum einsetzt und so lange das Ankaufprogramm der Europäischen Zentralbank aktiv ist, gibt es keinen Grund für einen nachhaltigen Zinsumschwung. Was wir allerdings sehen, ist eine verstärkte Volatilität, wie das Beispiel der „China-Krise“ Ende August gezeigt hat. In einem Umfeld, das von derart vielen Unsicherheiten geprägt ist, in dem zugleich sehr viel Kapital zur Verfügung steht und entsprechende Spekulation stattfindet, sind Zinsschwankungen eine ganz normale Konsequenz – und genau die erfahren wir seit der deutlichen Korrektur im Mai. Zudem hat Mario Draghi klar signalisiert, dass er nicht gegen die zunehmende Volatilität am Anleihemarkt intervenieren werde und dass man sich zukünftig an Phasen mit stärkeren Renditeschwankungen gewöhnen müsse. Allerdings handelt es sich dabei um Schwankungen auf im historischen Vergleich immer noch niedrigem Niveau: Die Finanzierungsbedingungen sind trotz der jüngsten Entwicklungen noch immer sehr günstig.

Seite zwei: „Gute Rahmenbedingungen für Immobilienerwerb“

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