Anzeige
31. Oktober 2016, 11:35
Teilen bei: Ihren XING-Kontakten zeigen | Ihren XING-Kontakten zeigen

Staat erbt 10.000 Häuser

Der größte Erbe von Wohnhäusern in Deutschland ist der Staat. Die Erbschaft bringt zwar geringfügige Einnahmen, ist in der Verwaltung aber so aufwändig, dass sie meist unwillkommen ist.

Haus-hand-erbe-shutterstock 155823494-Kopie in Staat erbt 10.000 Häuser

Die Erbschaft von Immobilien ist für die Bundesländer aufgrund des hohen Verwaltungsaufwandes wenig lukrativ.

Der Staat ist der größte Erbe von Wohnhäusern in Deutschland. Die 16 Bundesländer sind auf dem Wege der Erbschaft mittlerweile Allein- oder Miteigentümer von rund 10.000 Wohnhäusern und privaten Liegenschaften geworden, wie eine bundesweite Umfrage der Deutschen Presse-Agentur bei Länderverwaltungen und Bezirksregierungen ergeben hat.

Bayern ist Rekordhalter

Den Rekord hält mit weitem Abstand Bayern, wo sich nach Angaben des Münchner Finanzministeriums derzeit 7.251 Wohnhäuser im Besitz des Freistaats befinden – 3.857 davon im Alleineigentum, bei den restlichen Gebäuden als Miteigentümer.

Fiskalerbschaften fallen an den Staat, wenn die Erben entweder ihr Erbe ausschlagen oder sich kein Erbe finden lässt. Bayern liegt zwar in vielen Ländervergleichen vorn, doch der Spitzenwert bei geerbten Wohnhäusern ist der CSU-Staatsregierung in München eher unwillkommen.

Hoher Verwaltungsaufwand

Denn der Verkauf von Fiskalerbschaften bringt den Länderhaushalten in der Regel zwar geringfügige Einnahmen – doch sei der Verwaltungsaufwand sehr hoch, wie es in den Ministerien mehrerer Länder übereinstimmend heißt.

Kein anderes Bundesland hat eine vierstellige Zahl von Wohnhäusern und Liegenschaften geerbt. An zweiter Stelle hinter Bayern folgen Hessen und Thüringen mit 742 beziehungsweise 581 bebauten Grund- und Flurstücken.

Indiz des demografischen Wandels

Die Fachleute in den Behörden werten die Zahlen als Indiz des demografischen Wandels. “Der Anteil älterer Menschen ohne Angehörige steigt”, sagt eine Sprecherin der Bezirksregierung im westfälischen Münster.

Eine große Rolle spielen auch ökonomische Faktoren: So boomt in Bayern zwar die Wirtschaft im Großraum München, doch in vielen ländlichen Landesteilen schwindet die Bevölkerung.

Dementsprechend lassen sich dort nur mit Mühe Käufer finden, die Immobilienpreise sinken. Ein Beispiel: Im oberfränkischen Landkreis Kronach im Nordosten Bayerns ist ein gebrauchtes Ein- oder Zweifamilienhaus laut Immobilienmarktbericht der Staatsregierung im Schnitt für nur noch 85.000 Euro zu haben – im Landkreis München kostet eine vergleichbare Immobilie dagegen 1,5 Millionen.

Wohnraum, wo er nicht benötigt wird

Insgesamt stehen in Deutschland nach einer Schätzung des Bundes zwei Millionen Wohnungen leer, die meisten davon in strukturschwachen ländlichen Regionen. In den Ballungsräumen dagegen fehlen Wohnungen. “Wir haben eigentlich genug Wohnraum in Deutschland – aber wir haben ihn an der falschen Stelle”, sagt Andreas Ibel, Vorsitzender der Bundesarbeitsgemeinschaft Immobilienwirtschaft.

Damit ist auch die Zahl der an den Staat vererbten Häuser in strukturschwachen Regionen gestiegen. So erbte Bayern im Jahr 2005 351 Häuser – 2015 waren es schon 535. In der Regel wird das Haus dem Staat überlassen, wenn die Kredite noch nicht abbezahlt sind.

Außerdem hat der Staat bundesweit eine nicht näher bezifferbare Zahl ganz oder halb verfallener Schrottimmobilien geerbt. Lästig für die Verwaltung sind vor allem Erbengemeinschaften – etwa die Eigentumsrechte an einem Drittel Reihenhaus.

Problemfreie Gebiete

Kein Problem mit vererbten Häusern haben die Stadtstaaten, da dort sinkende Immobilienpreise unbekannt sind: Berlin meldet lediglich Einzelfälle, ebenso Hamburg.

Und ausnahmsweise problemfreie Zone in einem Ländervergleich ist das kleinste Bundesland. “Wir haben keine Gebäude in Bremen geerbt”, sagt eine Sprecherin von Finanzsenatorin Karoline Linnert (Grüne). Auch in Mecklenburg-Vorpommern sind die Besitzverhältnisse überschaubar, wiewohl das Land an der Ostsee eine ländlich strukturierte Region ist: Die Landesregierung ist laut Schweriner Finanzministerium Besitzer einer Eigentumswohnung.

 

Das niedersächsische Finanzministerium nannte gar keine Zahlen, Baden-Württemberg übermittelte zwar einen Durchschnittswert von 34 geerbten Häusern pro Jahr, nicht aber den aktuellen Stand. Manche Bundesländer erfassen zudem nicht die Zahl der Häuser, sondern lediglich geerbte Grund- und Flurstücke – ob bebaut oder unbebaut. (dpa-AFX)

Foto: Shutterstock

1 Kommentar

  1. Die Bayrische Staatsregierung tut mir ja so leid mit Ihren geerbten Häusern! Da müssen Sie nähmlich mal Ihr Gehirnschmalz anstrengen und Ihren Hintern aus den Sesseln bewegen um die geerbten Immobilien zu vermarkten. Wenn da kein Geld für den Staat zu hohlen
    ist in der derzeitigen Immobilienkonjuktur kann ich nur feststellen,daß da nur Schlafmützen sitzen! Aber Alles
    was mit zusätzlicher Arbeit verbunden ist, ist da ja nicht
    willkommen. Wieso auch Die bekommen ja Alle ihre stattliche Rente wovon Arbeiter und Angestellte nur träumen können,und in die Altersarmut fallen! So siehts in Wirklichkeit aus !! Schande für das reiche Bayern und BRD!

    Kommentar von H.Pirchmoser — 4. November 2016 @ 09:23

Ihre Meinung



Cash.Aktuell

Cash. 01/2019

Inhaltsverzeichnis Einzelausgabe bestellen Cash. abonnieren

Themen der Ausgabe:

Fonds Finanz – Robotik – Moderne Klassik – Finanzanalyse

Ab dem 18. Dezember im Handel.

Cash. 12/2018

Inhaltsverzeichnis Einzelausgabe bestellen Cash. abonnieren

Themen der Ausgabe:

Goldfonds – Rock’n’Roll – Fondspolicen – Nachrangdarlehen

Versicherungen

“Silver Surfer” erobern das WorldWideWeb

Die Digitalisierung ist in der Mitte der Gesellschaft angekommen. Das ist eines der Ergebnisse der Studie “D21-Digital-Index 2018 / 2019”, die die Initiative D21 heute gemeinsam mit Wirtschaftsminister Peter Altmaier im Bundesministerium für Wirtschaft und Energie präsentiert.

mehr ...

Immobilien

Dr. Klein: Boom im Osten, Rekorde im Norden

Ob nun Hamburg, Hannover, Berlin oder Dresden – im Norden und Osten der Bundesrepublik steigen die Immobilienpreise in allen Metropolregionen an. Trotzdem gibt es deutliche Preisunterschiede.

mehr ...

Investmentfonds

Kryptowährungen: Schwankende Coins an Gold binden

Seit jeher suchen Menschen Stabilität. Bei Währungen, der Basis unseres Wirtschafts- und sozialen Lebens ist dies nicht anders. Das hart verdiente und ersparte Geld soll nicht durch Inflation oder andere Unwägbarkeiten entwertet werden.

Gastbeitrag von Harald Seiz, Karatbars International GmbH

mehr ...

Berater

Kartellwächter: Mastercard muss Millionenstrafe zahlen

Der Kreditkartenanbieter Mastercard muss wegen Verstößen gegen EU-Kartellvorschriften 570 Millionen Euro bezahlen. Das teilte die EU-Kommission am Dienstag in Brüssel mit. Auf den US-Konzern könnten zudem Schadenersatzklagen zukommen.

mehr ...

Sachwertanlagen

Ernst Russ AG verliert beide Vorstände auf einen Schlag

Sowohl der Vorstandssprecher Jens Mahnke als auch Vorstandsmitglied Ingo Kuhlmann werden im Juni beziehungsweise Ende März aus der Ernst Russ AG (ehemals HCI Capital) ausscheiden. Ein bisheriges Aufsichtratsmitglied springt ein.

mehr ...

Recht

Pflegeunterhalt: Wenn Kinder für ihre Eltern haften

Die Deutschen werden immer älter. Damit wächst auch die Zahl der pflegebedürftigen Menschen in Alten- und Pflegeheimen. Die Kosten hierfür sind hoch. Vielfach benötigen Eltern in diesem Fall die finanzielle Hilfe ihrer Kinder. Für diesen Fall gibt es genaue Regeln, wie eine Übersicht des Arag-Rechtsschutzes zeigt.

 

mehr ...