5. Juli 2017, 14:45
Teilen bei: Ihren XING-Kontakten zeigen | Ihren XING-Kontakten zeigen

Eine Million Wohnungen fehlen

In den letzten acht Jahren wurden in Deutschland eine Million Wohnungen zu wenig gebaut. Die dadurch steigenden Mieten belasten nicht nur Geringverdiener. Der Wohnungsmangel ist Wahlkampfthema geworden.

Helm-baustelle-verlassen-pleite-leer-bau-haus-shutterstock 120206509 in Eine Million Wohnungen fehlen

Obwohl in Deutschland mehr Wohnungen als in den Vorjahren fertig gestellt werden, reicht das Angebot nicht, um den Bedarf zu decken.

In Deutschland werden so viele Wohnungen gebaut wie seit der Jahrtausendwende nicht mehr – gebraucht würden aber noch viel mehr. In dieser Einschätzung waren sich Immobilienwirtschaft und Bundesregierung am Mittwoch einig. Der Bundesverband der deutschen Wohnungs- und Immobilienunternehmen (GdW) stellte Berechnungen vor, nach denen seit 2009 eine Million Wohnungen zu wenig gebaut wurden.

Im vergangenen Jahr wurden demnach rund 278.000 Wohnungen in Deutschland fertiggestellt. Jedoch war nur ein Teil davon Mietwohnungen. Laut Mieterbund wurden 2016 rund 53.000 Mietwohnungen fertiggestellt. Bei den Mitgliedsunternehmen des GdW waren es knapp 20.000 Mietwohnungen, in diesem Jahr sollen es rund 28.000 werden.

Nach Einschätzung der Bundesregierung wird dennoch immer noch zu wenig gebaut, um die aktuellen Probleme auf dem Wohnungsmarkt zu lösen. “Die aktuelle Angebotssteigerung reicht jedoch nicht aus, um die Nachfrage und das in den vergangenen Jahren entstandene Neubaudefizit zu decken”, heißt es in einem “Bericht über die Wohnungs- und Immobilienwirtschaft”, den das Kabinett am Mittwoch beschloss.

Immer mehr Haushalte betroffen

In immer mehr Städten und Gemeinden komme es daher zu regionalen Wohnungsengpässen, steigenden Mieten und hohen Preisen für Wohneigentum. Der Bericht aus dem Haus von Bauministerin Barbara Hendricks (SPD) hält außerdem fest: “Davon sind immer mehr Haushalte betroffen, zunehmend auch Haushalte mit mittleren Einkommen.”

Der Deutsche Mieterbund warnte durch die Entwicklung vor sozialen Problemen. “Die Wohnungsprobleme bergen enormen sozialen Zündstoff”, sagte Bundesdirektor Lukas Siebenkotten. Gerade in Groß- und Universitätsstädten stiegen die Mieten “ungebremst”.

Gründe für den gestiegenen Bedarf an Wohnungen waren laut GdW, dass die deutsche Bevölkerung seit 2009 insbesondere durch Zuwanderung um 2,5 Millionen Menschen wuchs und dass immer mehr Menschen in wenige Ballungsräume zogen.

Wohnungsmangel ist Wahlkampfthema

Wer in Berlin, Frankfurt am Main, Stuttgart, Düsseldorf, Köln oder München wohnt, gibt teilweise mehr als ein Drittel seines Einkommens für die Warmmiete aus. Hendricks schätzte, dass in den kommenden Jahren jeweils rund 350.000 neue Wohneinheiten entstehen müssten, um den Bedarf zu decken. GdW und Mieterbund sprachen von 400.000 Einheiten.

Der Wohnungsmangel ist auch ein Thema im Wahlkampf. Die SPD hält zur Entlastung beim erstmaligen Kauf eines Eigenheims einen Freibetrag in Höhe von etwa 150.000 bis 200.000 Euro bei der Grunderwerbsteuer für sinnvoll.

Der von FDP-Chef Christian Lindner vorgeschlagene Freibetrag von 500.000 Euro sei zu hochgegriffen, sagte Bundesbauministerin Hendricks. Ein Freibetrag für Familien könne auch ein weiterer Anreiz für den Erwerb von günstigen Bestandsimmobilien im ländlichen Raum sein. Denn diese könnten dann erst grunderwerbsteuerfrei erworben und dann renoviert werden.

Auch die Union hat Freibeträge für Erwachsene und Kinder für den erstmaligen Erwerb selbst genutzten Wohneigentums in ihr Wahlprogramm aufgenommen. Die CDU denkt dabei an einen Freibetrag von 100.000 Euro.(dpa-AFX)

Foto: Shutterstock

Ihre Meinung



 

Versicherungen

Telefonica und Allianz starten Glasfaserprojekt in Deutschland

Der spanische Telekomkonzern Telefonica hat sich beim Glasfasernetz-Ausbau die Allianz als Partner an Bord geholt. Beide Konzerne sollen jeweils zur Hälfte am Gemeinschaftsprojekt beteiligt sein, teilten sie am Donnerstag in Madrid und München mit.

mehr ...

Immobilien

Seehofer will erschwerte Umwandlung von Mietwohnungen

Bundesbauminister Horst Seehofer (CSU) plant nun doch höhere Hürden für die Umwandlung von Miet- in Eigentumswohnungen. Das sieht ein neuer Entwurf für das Baulandmobilisierungsgesetz vor, der der Deutschen Presse-Agentur vorliegt. Er soll voraussichtlich am kommenden Mittwoch vom Kabinett verabschiedet werden.

mehr ...

Investmentfonds

US-Wahlen: Welche Aktien sollten ins Portfolio?

In knapp einer Woche ist die US-Präsidentenwahl schon vorbei. Aber ob wir dann auch das Ergebnis kennen, steht in den Sternen. Ein Kommentar von Manuel Heyden, CEO von nextmarkets.

mehr ...

Berater

DKM 2020: digital.persönlich.erfolgreich

Der Umzug der DKM 2020 von der Messe Dortmund in die digitale Welt war ein voller Erfolg. Mit über 19.700* Messeteilnehmern verteilt auf 4 Messetage, 157 Ausstellern und mehr als 200 Programmpunkten bei Kongressen, Workshops, Roundtables und Speaker’s Corner hat die 24. Auflage der Leitmesse auch in der digitalen Version die Finanz- und Versicherungsbranche überzeugt.

mehr ...

Sachwertanlagen

Deutsche Finance mit 650-Millionen-Dollar-Closing in San Francisco

Der Asset Manager Deutsche Finance und SHVO Capital haben gemeinsam für ein institutionelles Joint Venture um die Bayerische Versorgungskammer den Gebäudekomplex „Transamerica Pyramid“ in San Francisco erworben.

mehr ...

Recht

Kauf bricht nicht Miete: Tipps für den Verkauf einer vermieteten Wohnung

Erst Vermieten, dann Verkaufen: Eine vermietete Wohnung zu verkaufen stellt Eigentümer vor besondere Herausforderungen. Denn das bestehende Mietverhältnis wirkt sich nicht nur auf den Verkaufspreis aus, auch die Käuferzielgruppe ist eine andere als bei einem unvermieteten Objekt. Welche Besonderheiten Eigentümer beim Verkauf einer vermieteten Wohnung beachten müssen, fassen die Experten des Full-Service Immobiliendienstleisters McMakler zusammen.

mehr ...