30. Oktober 2017, 15:28
Teilen bei: Ihren XING-Kontakten zeigen | Ihren XING-Kontakten zeigen

ZIA: Grunderwerbsteuerfreibetrag ist zu kurz gedacht

In den Sondierungsverhandlungen zwischen CDU/CSU, FDP und den Grünen ist unter anderem auch der Vorschlag einer Befreiung von der Grunderwerbsteuer für Ersterwerber von Wohneigentum Thema. Der Spitzenverband ZIA lehnt diese Idee ab.

Haus-schluessel-schlussel-geld-shutterstock 491600317 in ZIA: Grunderwerbsteuerfreibetrag ist zu kurz gedacht

Der ZIA fordert ein Ende der “Grunderwerbsteuer-Rallye”.

Der ZIA Zentraler Immobilien Ausschuss warnt vor diesem Hintergrund vor steigenden Steuersätzen für andere Käufergruppen.

„Die Idee, den Zugang zu Wohneigentum zu erleichtern, ist gut. Der Ansatz, dafür eine Grunderwerbsteuerbefreiung für Ersterwerber einzuführen, ist jedoch falsch. Die Bundesländer könnten darauf mit steigenden Steuersätzen für andere Käufergruppen reagieren. Und damit verschärfen wir die Probleme des bezahlbaren Wohnens und Bauens“, erklärt Dr. Andreas Mattner, Präsident des ZIA.

So würden beispielsweise Wohnungsunternehmen, die bauen wollen, oder auch Entwickler von Wirtschaftsimmobilien weiter belastet. „Die Herausforderung, bezahlbare Flächen für das Wohnen, Arbeiten und Versorgen zu entwickeln, wird somit künstlich weiter erschwert“, sagt Mattner.

Änderung des Länderfinanzausgleiches statt riskanter Freibeträge

Sinnvoller sei stattdessen, die Grunderwerbsteuer-Rallye in Deutschland zu beenden. In den letzten zehn Jahren haben 14 von 16 Bundesländern den Satz der Grunderwerbsteuer von ursprünglich 3,5 auf bis zu 6,5 Prozent angehoben.

„Diese Rallye muss stoppen. Die Grunderwerbsteuer ist ein enormer Stolperstein für Käufer“, meint Dr. Hans Volkert Volckens, Vorsitzender des ZIA-Ausschusses Steuern.

Ein Motivator für die Bundesländer finde sich im Länderfinanzausgleich. Gemäß des Finanzausgleichsgesetzes werden darin nicht die tatsächlichen, sondern fiktive Grunderwerbsteuereinnahmen zu Grunde gelegt.

Die ursprünglich dahinterstehende Befürchtung des Gesetzgebers war, dass die Länder sonst zum Herabsetzen des Steuersatzes animiert würden, weil die finanziellen Folgen über das bundesstaatliche Finanzausgleichssystem auf andere Länder abgewälzt werden könnten. In der Praxis führe das jedoch dazu, dass Länder mit einem überdurchschnittlich hohen Steuersatz mehr Einnahmen für ihren Haushalt generieren, weil die fiktiven Einnahmen darunter liegen, so der ZIA.

Gerade vor dem Hintergrund, dass die Bundesländer ihre Haushalte bis zum Jahr 2020 konsolidieren müssen, sei dies ein wichtiger Treiber. „Ein weiteres Manko ist die Besteuerung der Bruttoherstellungskosten. Gerade im Wohnungsbau ist die Umsatzsteuer im Normalfall nicht abziehbar. Käufer zahlen somit also Grunderwerbsteuer auf die Herstellungskosten und die Umsatzsteuer. Statt 100 Prozent der Herstellungskosten werden also 119 Prozent versteuert“, erklärt Volckens.

Geringere Grunderwerbsteuer ist beste Eigenheimförderung

„Bundesländer, die einen geringeren Steuersatz als der Durchschnitt haben, sind durch das aktuelle System des Länderfinanzausgleichs also gezwungen, sich am Wettlauf zu beteiligen. Die neue Regierung muss dieses Problem dringend angehen“, erklärt Volckens. Sonst würden bestehende Ideen zur Förderung von Wohneigentum und weiteren Immobilieninvestitionen insbesondere in den Neubau ins Leere laufen.

„Die Senkung der Grunderwerbsteuer ist bereits die beste Eigenheimförderung. Dafür brauchen wir keine riskanten Freibeträge“, so Volckens. Eine hohe Grunderwerbsteuer führe stets zu einer Verteuerung von Neubauimmobilien. Leidtragende seien die Mieter und Nutzer der neuen Flächen. (bk)

Foto: Shutterstock

Ihre Meinung



 

Versicherungen

Krankenversicherung: Aktuare halten Beiträge bis zu 25 Prozent für möglich

Arbeitnehmer wie Arbeitgeber müssen künftig mit deutlich steigenden Sozialversicherungsbeiträgen rechnen. Davon ist neben der Rentenversicherung insbesondere die gesetzliche Kranken- (GKV) und soziale Pflegeversicherung (SPV) betroffen. Aber auch die private Kranken- und Pflegeversicherung steht vor großen Herausforderungen. Darauf weist der Past President der Deutschen Aktuarvereinigung e.V. (DAV), Roland Weber, heute in Köln hin.

mehr ...

Immobilien

Wie die Online- und Offlinewelten in der Maklerbranche immer mehr zusammenwachsen

Digitalisierung und Disruption sind zwei der zentralen Themen in der Immobilienbranche. Was einst in Stein gemeißelt war, erfährt aktuell mitunter durch Proptechs einen sukzessiven Wandel. Während etablierte Maklerhäuser zunehmend digitale Prozesse in ihr Tagesgeschäft integrieren, müssen sich die Proptechs darüber Gedanken machen, was sie noch analog respektive menschlich bedienen müssen, um den Bedürfnissen gerecht zu werden.

mehr ...

Investmentfonds

Genug vom Brexit-Chaos: Brokerhaus GKFX zieht Retail-Geschäft aus London ab

Der Online-Broker GKFX, führender Anbieter von Online-Trading in den Bereichen Forex und CFDs, verlegt den Standort für sein Privatkundengeschäft. Grund dafür ist die unübersichtliche politische Lage in Großbritannien rund um den bevorstehenden Brexit. Sämtliche bisherige Finanzprodukte und sonstige Services wie die beliebten Webinar-Reihen bleiben bestehen und werden den Kunden künftig unter der Handelsmarke GKFX Europe angeboten. Kunden aus dem deutschsprachigen Raum werden nach wie vor vom Team der Niederlassung in Frankfurt betreut.

mehr ...

Berater

Ruhestandsplanung: Was bringen steuerliche Anreize?

Auf politischer Ebene werden zur Zeit verschiedene Ansätze diskutiert, wie die Deutschen zu einer besseren Ruhestandsplanung bewegt werden können. Cash. Online fragte die MLP-Expertinnen Miriam Michelsen und Ursula Blümer, was sie von den Vorschlägen halten.

mehr ...

Sachwertanlagen

„INP Deutsche Pflege Invest“: Offener Spezial-AIF erwirbt drei weitere Pflegeimmobilien

Das Immobilienportfolio des für institutionelle Investoren konzipierten offenen Spezial-AIF „INP Deutsche Pflege Invest“ ist um drei weitere Pflegeimmobilien ergänzt worden. Die INP-Gruppe, Asset Manager des Fonds, hat die Pflegeeinrichtung „Seniorensitz am Hegen“ in Hamburg-Rahlstedt, das „Haus St. Antonius“ in Kemnath (Bayern) und die „Altstadtresidenz Wernigerode“ in Wernigerode (Sachsen-Anhalt) für den Fonds erworben.

mehr ...

Recht

Vorsicht bei vorausfahrendem Fahrschulfahrzeug

Im Straßenverkehr müssen Autofahrer den Sicherheitsabstand stets so bemessen, dass sie auch bei plötzlichem Bremsen des Vorausfahrenden halten können. Besondere Vorsicht ist angesagt, wenn ein entsprechend gekennzeichnetes Fahrschulauto vorausfährt. Hier muss man auch damit rechnen, dass es ohne erkennbaren Grund abbremst. Die Württembergische Versicherung (W&W) weist auf ein Urteil des Landgerichts Saarbrücken (13 S 104/18) hin.

mehr ...