Deutsche Wirtschaft im Rekord-Aufschwung: Was machen die Bauzinsen?

Die deutsche Wirtschaft zeigt sich derzeit dynamisch, aber der Handelsstreit zwischen den USA und China wird auch ihre Aussichten beeinflussen. Michael Neumann, Vorstand der Dr. Klein Privatkunden AG, erläutert die aktuelle Entwicklung und mögliche Folgen für die Baufinanzierungszinsen.

Michael Neumann, Dr. Klein Privatkunden AG: „Der positive wirtschaftliche Ausblick für den Euroraum wird von dem Handelskonflikt zwischen den USA und China bisher nicht überschattet.“

Von wegen Sommerloch: Deutsche Unternehmer freuen sich im August laut aktuellem Ifo-Index über ein besonders gutes Geschäftsklima. Der Index gilt als einer der besten Indikatoren für die Stimmung in der deutschen Wirtschaft. Der überraschend kräftige Anstieg ist unter anderem auf die Entspannung im Handelsstreit zwischen der EU und den USA zurückzuführen.

Ein weiterer Indikator für die gute Konjunktur: Das deutsche Bruttoinlandsprodukt wächst im zweiten Quartal 2018 stärker als erwartet. Grund dafür ist vor allem eine erhöhte Binnennachfrage. Auch im gesamten Euroraum verläuft die wirtschaftliche Entwicklung positiv. Im Protokoll der letzten EZB-Sitzung zeigen sich die Ratsmitglieder zuversichtlich, dass das Wachstum anhalten werde. Die Unsicherheiten nähmen langfristig ab. Die Kerninflation im Euroraum steigt leicht von 1,2 auf 1,3 Prozent.

Erhöht sich der Druck auf Draghi?

Erhöht sich damit der Druck auf EZB-Chef Mario Draghi, zeitnah an der Zinsschraube zu drehen? Die Kerninflation im Euro-Währungsraum liegt weiterhin unter dem von der EZB angepeilten Inflationsziel von knapp zwei Prozent. In Deutschland ist sie im Juli sogar leicht rückläufig und fällt auf 1,3 Prozent.

Draghi dürfte das als Bestätigung für seinen aktuellen Kurs werten: Die Anleihekäufe werden ab Oktober 2018 auf 15 Milliarden Euro je Monat reduziert und zum Ende des Jahres eingestellt. Die erste Zinserhöhung ist allerdings frühestens Ende 2019 zu erwarten.

Kampf der Giganten geht weiter: Kaum Fortschritte bei Gesprächen zwischen USA und China

Bereits im Vorfeld der Verhandlungen am 21. und 22. August hatten die USA und China jeweils neue Strafzölle verhängt. Betroffen davon sind Güter im Wert von 16 Milliarden Dollar. So gingen beide Parteien angespannt in die Gespräche und tatsächlich erwiesen sich diese als wenig produktiv.

Die chinesische Delegation forderte unter anderem einen vereinfachten Marktzugang für Lebensmittel. Die amerikanische Seite reagierte mit Kritik an Überkapazitäten der chinesischen Industrie und beklagte den Diebstahl geistigen Eigentums. Anstelle einer Beilegung des Konfliktes ist nun eine weitere Eskalation wahrscheinlich.

Verschiedene chinesische Unternehmen, darunter auch der Daimler-Aktionär Geely rüsten sich für Preissteigerungen und wirtschaftlich turbulente Zeiten. Moderne Handelsbeziehungen sind nicht ausschließlich bilateral, sondern global miteinander verflochten. Von einem Handelskrieg der beiden Supermächte USA und China wären somit auch europäische Unternehmen betroffen.

Auch die EZB weist in ihrem Sitzungsprotokoll auf die Gefahr einer Eskalation des China-USA-Konfliktes hin. Der positive wirtschaftliche Ausblick für den Euroraum wird davon jedoch bisher nicht überschattet.

Nur eine harmlose Kritik? Trump bricht mit Tradition und mischt sich in Geldpolitik ein

Seit ihrer Gründung im Jahr 1913 kann die amerikanische Notenbank Federal Reserve (Fed) die Geldpolitik der Vereinigten Staaten unbeeinflusst von der Exekutive gestalten. Eine unabhängige Zentralbank sorgt für Vertrauen bei Investoren und hält damit die Währung stabil. Sie ist essenziell für jede gesunde Volkswirtschaft. Bisher war es in den USA ungeschriebenes Gesetz, dass Präsidenten die Zinspolitik der Notenbank nicht infrage stellen.

Donald Trump kritisiert das Vorgehen der Fed und bricht damit auch dieses Tabu. Federal-Reserve-Chef Jerome Powell zeigt sich bisher allerdings äußerlich unbeeindruckt von Trumps Aussagen. Auf dem jährlichen Symposium der Notenbank in Jackson Hole am 24. August bekräftigte er seine Absicht, wie geplant im September die nächste Zinserhöhung durchführen zu wollen. Auch an der vierten Zinserhöhung in diesem Jahr werde er festzuhalten.

Rendite der Bundesanleihen weiterhin niedrig, Baufinanzierungszinsen steigen leicht

Gute Konjunkturdaten aus Deutschland und die Beilegung des Handelsstreits zwischen den USA und Mexiko sorgen dafür, dass Bundesanleihen zum jetzigen Zeitpunkt weniger gefragt sind. Die Renditen steigen daher leicht. Kurz- bis mittelfristig dürften hier allerdings keine großen Kursausschläge zu erwarten sein. Die Rendite der zehnjährigen Bundesanleihen ist mit rund 0,40 Prozent nach wie vor weit entfernt von ihrem Jahreshoch im Februar (0,76 Prozent).

Das sind gute Nachrichten für deutsche Immobilienkreditnehmer. Denn: An den Renditen der Staatsanleihen orientieren sich auch die Konditionen der Pfandbriefe, mit denen Banken langfristige Darlehen wie Immobilienkredite refinanzieren. Und die Kreditinstitute geben die Kosten durch steigende Pfandbriefzinsen in Form höherer Baufinanzierungszinsen an ihre Kunden weiter.

Da die Rendite der Bundesanleihen voraussichtlich nur sehr langsam steigt, wird es auch bei den Baufinanzierungszinsen keinen schnellen oder sprunghaften Anstieg geben. Aktuell liegt der Bestzins für zehnjährige Hypothekendarlehen bei 1,18 Prozent.

Foto: Christian Wese

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