31. August 2018, 14:25
Teilen bei: Ihren XING-Kontakten zeigen | Ihren XING-Kontakten zeigen

Deutsche Wirtschaft im Rekord-Aufschwung: Was machen die Bauzinsen?

Die deutsche Wirtschaft zeigt sich derzeit dynamisch, aber der Handelsstreit zwischen den USA und China wird auch ihre Aussichten beeinflussen. Michael Neumann, Vorstand der Dr. Klein Privatkunden AG, erläutert die aktuelle Entwicklung und mögliche Folgen für die Baufinanzierungszinsen.

Michael Neumann Dr Klein Foto Christian Wese in Deutsche Wirtschaft im Rekord-Aufschwung: Was machen die Bauzinsen?

Michael Neumann, Dr. Klein Privatkunden AG: “Der positive wirtschaftliche Ausblick für den Euroraum wird von dem Handelskonflikt zwischen den USA und China bisher nicht überschattet.”

Von wegen Sommerloch: Deutsche Unternehmer freuen sich im August laut aktuellem Ifo-Index über ein besonders gutes Geschäftsklima. Der Index gilt als einer der besten Indikatoren für die Stimmung in der deutschen Wirtschaft. Der überraschend kräftige Anstieg ist unter anderem auf die Entspannung im Handelsstreit zwischen der EU und den USA zurückzuführen.

Ein weiterer Indikator für die gute Konjunktur: Das deutsche Bruttoinlandsprodukt wächst im zweiten Quartal 2018 stärker als erwartet. Grund dafür ist vor allem eine erhöhte Binnennachfrage. Auch im gesamten Euroraum verläuft die wirtschaftliche Entwicklung positiv. Im Protokoll der letzten EZB-Sitzung zeigen sich die Ratsmitglieder zuversichtlich, dass das Wachstum anhalten werde. Die Unsicherheiten nähmen langfristig ab. Die Kerninflation im Euroraum steigt leicht von 1,2 auf 1,3 Prozent.

Erhöht sich der Druck auf Draghi?

Erhöht sich damit der Druck auf EZB-Chef Mario Draghi, zeitnah an der Zinsschraube zu drehen? Die Kerninflation im Euro-Währungsraum liegt weiterhin unter dem von der EZB angepeilten Inflationsziel von knapp zwei Prozent. In Deutschland ist sie im Juli sogar leicht rückläufig und fällt auf 1,3 Prozent.

Draghi dürfte das als Bestätigung für seinen aktuellen Kurs werten: Die Anleihekäufe werden ab Oktober 2018 auf 15 Milliarden Euro je Monat reduziert und zum Ende des Jahres eingestellt. Die erste Zinserhöhung ist allerdings frühestens Ende 2019 zu erwarten.

Kampf der Giganten geht weiter: Kaum Fortschritte bei Gesprächen zwischen USA und China

Bereits im Vorfeld der Verhandlungen am 21. und 22. August hatten die USA und China jeweils neue Strafzölle verhängt. Betroffen davon sind Güter im Wert von 16 Milliarden Dollar. So gingen beide Parteien angespannt in die Gespräche und tatsächlich erwiesen sich diese als wenig produktiv.

Die chinesische Delegation forderte unter anderem einen vereinfachten Marktzugang für Lebensmittel. Die amerikanische Seite reagierte mit Kritik an Überkapazitäten der chinesischen Industrie und beklagte den Diebstahl geistigen Eigentums. Anstelle einer Beilegung des Konfliktes ist nun eine weitere Eskalation wahrscheinlich.

Verschiedene chinesische Unternehmen, darunter auch der Daimler-Aktionär Geely rüsten sich für Preissteigerungen und wirtschaftlich turbulente Zeiten. Moderne Handelsbeziehungen sind nicht ausschließlich bilateral, sondern global miteinander verflochten. Von einem Handelskrieg der beiden Supermächte USA und China wären somit auch europäische Unternehmen betroffen.

Auch die EZB weist in ihrem Sitzungsprotokoll auf die Gefahr einer Eskalation des China-USA-Konfliktes hin. Der positive wirtschaftliche Ausblick für den Euroraum wird davon jedoch bisher nicht überschattet.

Nur eine harmlose Kritik? Trump bricht mit Tradition und mischt sich in Geldpolitik ein

Seit ihrer Gründung im Jahr 1913 kann die amerikanische Notenbank Federal Reserve (Fed) die Geldpolitik der Vereinigten Staaten unbeeinflusst von der Exekutive gestalten. Eine unabhängige Zentralbank sorgt für Vertrauen bei Investoren und hält damit die Währung stabil. Sie ist essenziell für jede gesunde Volkswirtschaft. Bisher war es in den USA ungeschriebenes Gesetz, dass Präsidenten die Zinspolitik der Notenbank nicht infrage stellen.

Donald Trump kritisiert das Vorgehen der Fed und bricht damit auch dieses Tabu. Federal-Reserve-Chef Jerome Powell zeigt sich bisher allerdings äußerlich unbeeindruckt von Trumps Aussagen. Auf dem jährlichen Symposium der Notenbank in Jackson Hole am 24. August bekräftigte er seine Absicht, wie geplant im September die nächste Zinserhöhung durchführen zu wollen. Auch an der vierten Zinserhöhung in diesem Jahr werde er festzuhalten.

Rendite der Bundesanleihen weiterhin niedrig, Baufinanzierungszinsen steigen leicht

Gute Konjunkturdaten aus Deutschland und die Beilegung des Handelsstreits zwischen den USA und Mexiko sorgen dafür, dass Bundesanleihen zum jetzigen Zeitpunkt weniger gefragt sind. Die Renditen steigen daher leicht. Kurz- bis mittelfristig dürften hier allerdings keine großen Kursausschläge zu erwarten sein. Die Rendite der zehnjährigen Bundesanleihen ist mit rund 0,40 Prozent nach wie vor weit entfernt von ihrem Jahreshoch im Februar (0,76 Prozent).

Das sind gute Nachrichten für deutsche Immobilienkreditnehmer. Denn: An den Renditen der Staatsanleihen orientieren sich auch die Konditionen der Pfandbriefe, mit denen Banken langfristige Darlehen wie Immobilienkredite refinanzieren. Und die Kreditinstitute geben die Kosten durch steigende Pfandbriefzinsen in Form höherer Baufinanzierungszinsen an ihre Kunden weiter.

Da die Rendite der Bundesanleihen voraussichtlich nur sehr langsam steigt, wird es auch bei den Baufinanzierungszinsen keinen schnellen oder sprunghaften Anstieg geben. Aktuell liegt der Bestzins für zehnjährige Hypothekendarlehen bei 1,18 Prozent.

Foto: Christian Wese

Ihre Meinung



 

Versicherungen

Versicherer kommen Kunden in der Krise entgegen

Gegen eine Pandemie sind nur sehr wenige Unternehmen versichert. Privatbürger haben zwar ihre Krankenversicherung, aber keinen Schutz gegen Einkommensverluste. In dieser Lage wollen führende Unternehmen der Branche großzügig sein.

mehr ...

Immobilien

DIC Asset senkt wegen Corona-Krise Gewinnprognose – Dividende bleibt

03Die Immobiliengesellschaft Dic Asset rechnet im laufenden Jahr wegen der Auswirkungen der Corona-Krise nicht mehr mit einer Gewinnsteigerung im Vergleich zu 2019. Die branchenübliche Kennziffer FFO (Funds from Operations) werde 2020 zwischen 94 und 96 Millionen Euro liegen, teilte das Unternehmen am späten Freitagabend in Frankfurt mit. Bisher hatte DIC Asset mit 104 bis 106 Millionen Euro gerechnet. Im Vorjahr waren hier 95,0 Millionen Euro erzielt worden.

mehr ...

Investmentfonds

Corona-Lockdown: Wie der Exit gelingen kann

Die Corona-Krise trifft alle: Um die Verbreitung des Virus zu bremsen, hat Deutschland sich umfassende Beschränkungen auferlegt. Sie tragen dazu bei, dass viele Menschen und Firmen um ihre ökonomische Zukunft fürchten. Die Politik muss deshalb zweierlei schaffen: Einerseits die Gesundheit der Bürger so weit wie möglich schützen und sie andererseits vor noch größeren volkswirtschaftlichen Schäden bewahren, die letztlich zu gesellschaftlichen werden. In diesem Kontext werden Wege aus dem Lockdown debattiert – das IW hat einen entsprechenden Exit-Plan entwickelt. Ein Beitrag von Professor Dr. Michael Hüther, Direktor und Mitglied des Präsidiums, und Dr. Hubertus Bardt, Geschäftsführer und Leiter Wissenschaft.

mehr ...

Berater

DIN-Norm 77230: Prüfungen jetzt online möglich

Wegen der Coronakrise bietet das Defino Institut für Finanznorm Prüfungen für die Zertifizierung zum “Spezialisten für die private Finanzanalyse – DIN 77230” ab sofort auch im Online-Verfahren an.

mehr ...

Sachwertanlagen

BVT schließt institutionellen US-Fonds und investiert erneut in Boston

Die BVT Unternehmensgruppe, München, hat über ihre Kapitalverwaltungsgesellschaft Derigo für den von ihr verwalteten geschlossenen Spezialfonds BVT Residential USA 12 die dritte Investition vorgenommen. Ein Nachfolge-Spezialfonds ist geplant.

mehr ...

Recht

Homeoffice: Der richtige Versicherungsschutz für Laptop und Co.   

Um in der Heimarbeit effektiv und produktiv arbeiten zu können, bedarf es der richtigen Grundausstattung. Hier stehen Arbeitgeber in der Pflicht, ihren Mitarbeitern alle notwendigen Arbeitsmittel zur Verfügung zu stellen. Welcher Mitarbeiter benötigt neben Laptop oder PC noch ein Headset oder gar einen Multifunktionsdrucker? Welche Software wird benötigt, um einen reibungslosen Kommunikationsfluss zu schaffen? Ein Überprüfen der bisherigen Arbeitsprozesse schafft hierbei Klarheit über die bereits vorhandenen Grundvoraussetzungen sowie fehlendes Equipment.

mehr ...