Verband: Wohnungsunternehmen stoppen Investitionen in Berlin

Als Reaktion auf die Debatte um einen Mietendeckel in Berlin stellen nach Angaben eines Branchenverbandes viele Immobilienunternehmen geplante Investitionen in Frage. Der Verband BFW Berlin-Brandenburg, der vor allem mittelständische Firmen vertritt, verwies am Montag auf eine Umfrage unter seinen Mitgliedern.

Wohnungsneubau bleibt das Sorgenkind.

Fast drei Viertel (72 Prozent) der gut 60 beteiligten Unternehmen stoppten demnach geplante Investitionen. 59 Prozent legten Modernisierungen, 61 Prozent Sanierungen an Wohngebäuden auf Eis. Ein Drittel plane bereits getätigte Investitionen um und baue nun zum Beispiel Eigentums- statt Mietwohnungen.

Fast jedes zweite Unternehmen fokussiert sich auf Brandenburg

Statt in Berlin in den Wohnungsneubau zu investieren, verlagern laut Umfrage schon jetzt 41 Prozent der befragten Unternehmen ihre Bauaktivitäten ins Nachbarland Brandenburg. Jedes dritte Unternehmen will demnach sein Geld nicht mehr in der Region, sondern lieber in anderen Bundesländern ausgeben (34 Prozent).

Drei Viertel der Unternehmen berichteten in der Umfrage, dass sie negative Signale und Reaktionen von ihren Investoren sowie Projektpartnern erhalten hätten, von denen viele ihr Geld aus Berlin abzögen.

Brandenburg steht vor Herausforderung

Der geplante Berliner Mietendeckel könnte für die Nachbargemeinden eine Herausforderung werden. „Das Umland muss die Folgen tragen“, sagte die Geografin Carolin Wandzik der Deutschen Presse-Agentur.

Die Begrenzung der Mieten auf höchstens etwa acht Euro werde dazu führen, dass weniger neue Wohnungen in Berlin gebaut werden. Berliner und Zuzügler würden deshalb verstärkt am Stadtrand in Brandenburg suchen.

„Das wird für die Umlandgemeinden eine wirklich schwierige Aufgabe“, sagte Wandzik, die das private Gewos Institut für Stadt-, Regional- und Wohnforschung in Hamburg leitet. Schon jetzt seien am Berliner Stadtrand mancherorts Straßen und Bahnen voll sowie Schul- und Kita-Plätze schwer zu finden. 

Umfrage vor endgültigem Entwurf

Die Umfrage fand nach Verbandsangaben in den ersten beiden Augustwochen statt. Die Ergebnisse sind also keine Reaktion auf die seit Sonntag diskutierte konkrete Idee für eine Obergrenze für Mieten von knapp acht Euro je Quadratmeter.

Der Senat hatte sich indes bereits am 18. Juni grundsätzlich darauf verständigt, die Mieten für fünf Jahre einzufrieren. Ein Gesetzentwurf dazu steht noch aus. (dpa/AFX)

Foto: Shutterstock

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