Wie die Online- und Offlinewelten in der Maklerbranche immer mehr zusammenwachsen

Digitalisierung und Disruption sind zwei der zentralen Themen in der Immobilienbranche. Was einst in Stein gemeißelt war, erfährt aktuell mitunter durch Proptechs einen sukzessiven Wandel. Während etablierte Maklerhäuser zunehmend digitale Prozesse in ihr Tagesgeschäft integrieren, müssen sich die Proptechs darüber Gedanken machen, was sie noch analog respektive menschlich bedienen müssen, um den Bedürfnissen gerecht zu werden.

Nun stellt sich die Frage: Wie wird die Maklerwelt in fünf bis zehn Jahren aussehen? Wird der Makler, wie er heute existiert, redundant oder bleibt er Dreh- und Angelpunkt des Vermittlungsgeschäftes? Darüber diskutierten drei namhafte Branchenvertreter in der Hamburger Zentrale des Premiumimmobilienmaklers Dahler & Company.

In dem Punkt, dass sich die Online- und Offlinewelten einander annähern müssen, um in Zukunft am Markt bestehen zu können, stimmen sich die Teilnehmer überein. „Durch digitale Tools werden viele Teilarbeitsschritte effizienter gestaltet, sodass sowohl der zeitliche als auch der monetäre Aufwand deutlich reduziert werden kann“, hält Björn Dahler, Gründer und Geschäftsführer von Dahler & Company, fest.

Der Mensch bleibt als Berater unabdingbar

„Viele unterschiedliche Tools sind in unserem Hause bereits stark implementiert, weitere Technologien befinden sich aktuell noch in der Prüfung.“ Laut dem Hamburger Premiummakler gilt es herauszufinden, welche Online-Lösungen von den Kunden gewünscht sind.

„Zentral und unabdingbar ist und bleibt jedoch der Mensch als Berater. Fähigkeiten wie Empathie, Menschenkenntnis, Fingerspitzengefühl und humane Interaktion können noch nicht oder nur bedingt von künstlichen Intelligenzen wie Chatbots oder Avataren abgebildet werden. Aus diesem Grund besteht die große Herausforderung nicht in der digitalen Umstrukturierung, sondern nach wie vor im zunehmenden Fachkräftemangel – denn unser Geschäft ist People Business“, so Dahler weiter.

Zudem seien viele Prozesse, die online automatisiert werden, Bestandteil des Back-Office, sodass auch weiterhin die analogen Arbeitsschritte in der Kundenwahrnehmung überwiegen. Kunden fordern Flexibilität

Es geht um Anpassung

Hanno Heintzenberg, Mitgründer und Geschäftsführer des Full-Service Immobiliendienstleisters McMakler kann sich dem nur in Teilen anschließen: „Während sich etablierte Maklerhäuser von Grund auf restrukturieren müssen, besteht die Hauptaufgabe digitaler Anbieter lediglich in der Anpassung. Wir fungieren schon heute als Hybrid-Makler, der zu 100 Prozent technologisch unterstützt wird und so bereits beide Welten verbindet.“

Es ginge darum, schnell und flexibel agieren zu können und dem Kunden die bestmögliche Dienstleistung zu bieten. „Die komplette Disruption der Maklerwelt innerhalb der nächsten zehn Jahre sehen aber auch wir als unwahrscheinlich an. Während Algorithmen die Immobilienbewertungen und interne Abläufe sowie Online-Terminierungen die Akquiseprozesse um ein Vielfaches vereinfachen und beschleunigen, wird die finale Preisverhandlung zum Beispiel der letzte Schritt sein, bei dem die Digitalisierung greift.

360-Grad-Videos ersetzen aktuell zwar noch keine Besichtigung, da die notwendige Hardware noch nicht flächendeckend verbreitet ist, wir sind uns aber sicher, dass mittelfristig Live-Erlebnisse erzeugt werden können, die ein Betreten der Immobilie vor der Kaufentscheidung obsolet macht“, sagt Heintzenberg.

Unterstützt wird der Gründer dabei durch Axel Kloth, ehemaliger Vizepräsent des IVD und Hamburger Immobilienmakler: „Ohne Digitalisierung geht es nicht mehr. Die Lernkurve ist angesichts der PropTechs groß. Auf Seite der klassischen Objektvermarktung besteht sicherlich noch viel Handlungs- und Aufholbedarf.“ Er gibt aber auch zu Bedenken, dass bei dem Fortschritt der Digitalisierung zu differenzieren sei.

„Es besteht ein maßgeblicher Unterschied zwischen einem Nischenmarkt wie dem der Premium- und Spezialimmobilien und dem des Massengeschäfts, das von Unternehmen wie McMakler bedient wird. Die Bedürfnisse sowie die Verkäufer- und Käuferstrukturen gehen hier teilweise sehr weit auseinander. Außerdem bleibt zu hinterfragen, was passiert, wenn sich das Blatt wendet, und der momentane Verkäufermarkt sich zugunsten der Käufer wandelt“, stellt Kloth abschließend fest.

Foto: Shutterstock

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