Unser täglich Griechenland gib uns heute. Was kommt morgen?

Aus meiner Sicht darf die faszinierende Stabilitätsidee, die uns in Deutschland extrem gute Dinge geleistet hat, nicht auf dem Altar einer unendlichen Nibelungentreue geopfert werden. Eine Stabilitätskette ist nur so stark wie ihr schwächstes Glied. Zum Schluss riskieren auch wir unsere Bonität. In punkto Stabilität muss man sich entscheiden: Entweder man fliegt mit den Adlern oder man scharrt mit den Hühnern.

Das bedeutet konkret, dass die sehr teure Nachhilfe, die wir dem schlechten Schüler gewähren, nicht erst nach drei Jahren Früchte tragen muss. Ist der Kandidat nicht in der Lage und nicht willens, aus einer 5 oder 6 zumindest die 1 des kleines Mannes, also die 4, zu machen, ist der Verbleib auf der höheren Schule nicht nur gefährdet, sie ist dann unmöglich.

Spätestens dann kommen wir zur Sicherung der europäischen Stabilitätsidee nicht darum herum, auch unkonventionelle Maßnahmen wie eine kleinere Euroraum-Dimensionierung in Betracht zu ziehen. Too big to fail kann dann keine Generalabsolution mehr sein. Ich weiß, dass dies mit unfreundlichen Verwerfungen an den Finanzmärkten gekoppelt ist.

Ebenfalls unkonventionelle Maßnahmen der EZB und eine Eurozone der zwei Geschwindigkeiten mit begrenztem Abwertungspotenzial für die Formel 2 könnten aber denkbare Lösungsansätze sein. Am Ende muss eins klar sein: Der Stabilitätsweg ist nicht das Ziel, das Stabilitätsziel ist das Ziel!

Robert Halver leitet die Kapitalmarktanalyse bei der Baader Bank. Mit Wertpapieranalyse und Anlagestrategien beschäftigt er sich seit Abschluss seines betriebswirtschaftlichen Studiums 1990. Halver verfügt über langjährige Erfahrung als Kapitalmarkt- und Börsenkommentator und ist durch regelmäßige Medienauftritte bei Fernseh- und Radiostationen, auf Fachveranstaltungen und Anlegermessen sowie durch Fachpublikationen präsent.

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Foto: Baader Bank

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