5. April 2011, 12:13
Teilen bei: Ihren XING-Kontakten zeigen | Ihren XING-Kontakten zeigen

Amundi: “Für Wachstumsfantasien zahlen wir nicht”

Cash.: Diese Charakteristik hat auch dafür gesorgt, dass der Fonds jahrelang für neue Anleger geschlossen war?

Vormoor: Ja, wir mussten den Fonds 2004 schließen. Der Grund waren damals massive Mittelzuflüsse. Die Performance gerade in Baisse-Phasen an den Börsen wie nach der Dotcom-Blase zur Jahrtausendwende oder der globalen Finanzkrise zeigt, wie solide die Fondsstrategie ausgelegt ist, und überzeugt die Anleger. Die Masse der Zuflüsse stammt übrigens von privaten Kunden. Unser Ansatz ist grundsätzlich, Übertreibungen, die durch Spekulation geschaffen werden, zu meiden. Wir wollen in erster Linie weniger verlieren, um dann mehr zu gewinnen. Erst im Jahr 2008 haben wir wieder begonnen, Anteile des Amundi International Sicav auszugeben.

Cash.: Wie sieht die Investmentstrategie denn konkret aus, der diese Performance-Zahlen zu verdanken sind?

Vormoor: Das Anlageuniversum kennt keine Restriktionen bei der Länderauswahl oder der Marktkapitalisierung der Zielunternehmen. Um nachhaltig positive Erträge erwirtschaften zu können, auch angesichts des großen zu verwaltenden Vermögens, investieren wir in ein breites Anlageuniversum. Dazu gehören globale Aktien, Staats- und Unternehmensanleihen sowie Gold. Den Besitz des Edelmetalls sehen wir als mögliche Absicherung gegen extreme Marktereignisse an. Mit unserem Value-Ansatz wollen wir dauerhafte Wertminderungen des Kapitals verhindern. Hochpreisige Länder und Sektoren meiden wir. Die Umschlagshäufigkeit des Portfolios liegt bei weniger als einem Fünftel.

Cash.: Unterbewertete Gesellschaften suchen viele. Wo werden Sie fündig?

Vormoor: Wir wollen die ganze Bandbreite an Value-Strategien, so auch die unterschiedlichen Ansätze der berühmten Investoren Benjamin Graham und Warren Buffett, abdecken. Günstige Kaufgelegenheiten finden sich beispielsweise bei Unternehmen aus unbeliebten oder in Not geratenen Branchen. Auch Gesellschaften, die vorübergehend bei ihren Anlegern in Ungnade gefallen sind, schauen wir uns an. Zu niedrige Bewertungen können sich auch ergeben, wenn die Länder, in denen eigentlich gut aufgestellte Unternehmen agieren oder beheimatet sind, wirtschaftlich nachgeben. Nicht zuletzt lassen sich auch immer noch von Investoren übersehene Gesellschaften identifizieren.

Cash.: Wie läuft die Auswahl der Investments im Einzelnen ab?

Vormoor: Als Erstes analysieren wir das Geschäftsmodell, in dem wir Geschäftsberichte und andere Unternehmensunterlagen auswerten. Entscheidend ist der tatsächliche wirtschaftliche Ertrag. Es werden ausschließlich belegte und nachvollziehbare Ergebnisse berücksichtigt. Für Wachstumsfantasien zahlen wir nicht. Wir bewerten Bilanzen und Cashflows, um den sogenannten inneren Wert einer Unternehmung zu bestimmen. Investiert wird dann in diejenigen, die an der Börse günstiger als der von uns ermittelte innere Wert gehandelt werden. Dies ist der Preis, den ein sachkundiger Käufer für das gesamte Unternehmen zu zahlen bereit wäre. Üblicherweise suchen wir nach Aktien von Gesellschaften, die demgegenüber wenigstens einen 30-prozentigen Abschlag aufweisen. Von dieser Schwelle weichen wir nur ausnahmsweise in einem begrenzten Maß ab, wenn es sich beispielsweise um Marktführer oder Firmen mit dauerhaften Wettbewerbsvorteilen handelt.

Cash.: Der Kern Ihres Investmentansatzes ist also eine Sicherheitsmarge, die bei jedem Investment gegeben sein soll?

Vormoor: Richtig, dieser Puffer soll das Fondsvermögen vor Unsicherheiten schützen. Unser Investmentansatz ist dadurch, dass wir hohe Bewertungen, hohe Fremdkapitalanteile, unverständliche Bilanzen, unsichere Geschäftsmodelle sowie aggressives Management prinzipiell meiden, antizyklisch ausgerichtet.

Seite 3: Was kommt außer Aktien ins Portfolio?

Weiter lesen: 1 2 3

Ihre Meinung



 

Versicherungen

Bankschließfächer: Inhalt sollte versichert sein

Wo sind Wertsachen sicher verwahrt? Schwierige Frage. Die Polizei warnt, dass Diebe in einer Wohnung fast jedes Versteck finden und ein eigener Tresor ist eine teure Angelegenheit. Viele Menschen deponieren darum zum Beispiel Schmuck oder Briefmarken- und Münzsammlungen in Bankschließfächern. Doch auch die Sicherheit von Tresoren stößt hin und wieder an ihre Grenzen: Trotz aller Sicherheitsvorkehrungen gelang es Dieben in den vergangenen Jahren Schließfächer zu plündern.

mehr ...

Immobilien

So günstig wie nie – trotzdem steigen Preise für Wohnimmobilien weiter an

„Winterstarre“ und „Frühlingserwachen“ bei den Preisen für private Wohnimmobilien waren einmal: Nach den recht einheitlichen Preisanstiegen um rund ein Prozent im April, setzte sich die Preissteigerung im Mai fort. So sind beispielsweise Bestandsimmobilien im Vergleich zum Vormonat um 2,24 Prozent teurer geworden und legten damit am stärksten zu.

mehr ...

Investmentfonds

US-Notenbank dürfte Erwartungen einer schnellen Zinssenkung enttäuschen

Die US-Notenbank Fed dürfte die Erwartungen der Marktteilnehmer, die mit einer raschen Zinssenkung rechnen, enttäuschen. Dieser Auffassung ist Philippe Waechter, Chefvolkswirt des französischen Investmenthauses Ostrum Asset Management, einer Tochtergesellschaft von Natixis Investment Managers, in seinem Gastbeitrag.

mehr ...

Berater

Ostangler Brandgilde bietet ab sofort Cyberversicherung

Immer mehr Unternehmen sind für Cyber-Risiken sensibilisiert. Die Suchanfragen nach Cyberversicherungen bei Google stiegen in den vergangenen Monaten signifikant. Dennoch stehen diese Versicherungen zum Teil in der Kritik, da viele Versicherer noch an ihren Risikomodellen arbeiten und die tatsächlichen Cyber-Gefahren sowie deren Auswirkungen schwer einschätz- und bezifferbar sind.

mehr ...

Sachwertanlagen

Die Top 5 der Woche: Sachwertanlagen

Was waren die interessantesten Sachwert-Themen und Meldungen der Woche? Welche Beiträge wurden von den Cash.Online-Lesern besonders häufig geklickt? Unser Wochen-Ranking zeigt das Wichtigste auf einen Blick.

mehr ...

Recht

BFW: Enteignete Unternehmen bauen nicht

Berlin hatte vor einigen Tagen, wie von uns berichtet, als erstes Bundesland die Enteignung von Wohneigentum angekündigt. Aufgrund akuten Wohnungsmangels ist das Thema in den letzten Wochen ganz oben auf der Agenda. Nun meldet sich der auch BFW Landeverband Berlin/Brandenburg dazu und warnt davor, große private Wohnungsunternehmen zu enteignen.

mehr ...